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Rechtsrheinische Perspektiven 2010

Workshopverfahren

Ort: Köln (D)

Datum: 12-2010

Auslober: Stadt Köln

Architekt: Rübsamen + Partner, Bochum

Mit "Workshop für das Rechtsrheinische Köln" benannte bereits im Jahre 2004 die Aufgabenstellung den ehrgeizigen Anspruch, einen Stadtraum von wenigstens 610 ha umfassend betrachten und in ein Gesamtbild einordnen zu können. Die Frage nach einem städtebaulichen Leitbild stand im Raum, das „übergreifende Gesamtkonzept“ war gefordert. Liegt aber, nimmt man die Formulierung als Postulat, nicht gerade schon hier ein Missverständnis vor? Kann es das eine städtebauliche Leitbild überhaupt geben oder ist es vielmehr nicht in jenem Sinne zu deuten, dass die Ausrichtung sich an der vorgefundenen Heterogenität orientieren muss?

Im rechtsrheinischen Köln ist das Abbild der römischen, mittelalterlichen oder klassizistischen Stadt nicht gegeben, sondern ein Bild von Brüchen und Gegensätzen, begründet durch die städtebauliche Entwicklung der ehedem eigenständigen Stadtteile Deutz, Mülheim, Kalk usw. sowie die Entwicklung der Industrieareale, durchschnitten durch die Verkehrstrassen des 19. und 20. Jahrhunderts. Bestenfalls versteht sich das Leitbild im Kern als Analogie zu historischen Beispielen der europäischen Stadt, selbstverständlich. Und zudem als ein Leitbild, welches sich begründet auf Identität - jener des Ortes und damit einhergehend jener des Menschen, denn: Identität wird nur dann empfunden, wenn sich eine lokale, eine besondere Stimmung, also jene des spezifischen Ortes einstellt, der definiert wird durch den ihm eigenen Charakter und der sich durch eine besondere figurale Qualität auszeichnet.

In diesem Sinne erfolgte die vertiefende Beschäftigung mit einem Teilgebiet von immerhin 460 ha, mit Teilen des Stadtgebietes von Deutz, Kalk und Humboldt-Gremberg. Der übergeordnete Zusammenhang der Stadträume ist wesentliches Ziel.

Die großräumliche Vernetzung gelingt durch die Schaffung differenzierter Freiraumtypologien, die sich auf den Resträumen an der Peripherie des Siedlungskörpers zum Grüngürtel Kalk zusammenfügen lassen. Zusätzlich können hier die Verknüpfungen zu den übergeordneten Freiräumen wie Mülheim im Norden, Poll im Süden, das Bergische Land im Osten sowie der Rheinpark und die Innenstadt im Westen geschaffen werden. Die wichtigen Achsen wie die Kalker Hauptstraße in Ost-West-Richtung und die Rolshofer Strasse mit der Deutz- Mülheimer Straße als wichtige Nord- Süd-Verbindung sollen als Grünes Kreuz aufgewertet und in der Hierarchie der Stadtadern gestärkt werden.

Eingebettet in den Grüngürtel sind drei unterschiedliche Parktypologien, die sich aus den vorhandenen Strukturen - die Flächen unter den Autobahntrassen, Teile der Bahnanlagen des Containerbahnhofs Kalk sowie die Restflächen des Schrottplatzes im Übergang zu Gremberg - entwickeln. Hier entstehen neue Parkflächen wie z.B. der Stylepark (er besetzt den Raum unter den Autobahnbrücken sowie Auf- und Abfahrtsrampen als artifiziellen Ort), der Kalk-Berg (er wird Aussichtspunkt mit Domblick), der Grüne Rücken Kalk (er ist lineares Parkband mit Lauf- und Fitnessparcours) sowie der Sportpark Humboldt-Gremberg, der mit Flächen für Streetball und anderen jugendaffinen Themen die vorhandenen Sportanlagen im Gremberger Umfeld ergänzt.

Im Kontrast zu den zusammenhängenden Grünsystemen des Kalker Grüngürtels stehen die Kreativen Keime. Darunter werden die kleinen Innenhöfe, Plätze und Wohnumfelder der bestehenden dichten Stadtstruktur von Kalk beschrieben. Durch das hohe Defizit an öffentlichen Grünanlagen und den, durch parkende PKW vollgestellten, Strassenraum, sind die kleinen Freiräume innerhalb des Quartiers für das soziale Miteinander besonders wichtig. Diese Flächen müssen aufgewertet werden, um den Bewohnern Raum für Kommunikation und Miteinander zu geben.
Damit einher geht die Beschäftigung mit solchen Stadtbezirken bis hin zu Stadtbausteinen, die in der Lage sind, durch Umbauten oder Ergänzungen in Wert gesetzt zu werden oder aber als Stabilisatoren des öffentlichen Raumes zu dienen, um in Folge weitere Maßnahmen zu initiieren.

Das Vertiefungsgebiet 1 umfasst die Stadtteile Deutz, Kalk und Humboldt- Gremberg: Der Stadtteil Deutz mit dem arrondierungsbedürftigen Areal der Fachhochschule, Kalk mit einer im Kern intakten und dichten innerstädtischen Struktur, der Kalker Hauptstraße sowie Humboldt- Gremberg mit einem strukturell schönen Wohnquartier der 50er/60er Jahre. Die heutige Situation der Quartiere zeigt drei wenig vernetzte, separierte, eingegrenzte Stadtteile. Wesentlicher Grund für die Separierung der drei Quartiere sind die vorhandenen Infrastrukturbarrieren Deutzer Ring, Gleiskurve Richtung Volksgarten und die Gleisanlagen Richtung Hauptbahnhof. Die wenigen vorhandenen Querungen und Unterführungen der Infrastrukturbarrieren sind räumlich undefiniert, unattraktiv und begünstigen derart eher die Separierung, als dass sie einer Verbindung förderlich sind. So liegt die Schwäche der bestehenden Querungen und Unterführungen vor allem an einem Mangel an baulich definierten Raumgrenzen. Ein Verdichten der Bebauung im Bereich von Querungen und ein Heranführen der Bebauung bis an die Unterführungen würde die Situationen ganz selbstverständlich aufwerten und attraktivieren.

Um der Separierung entgegenzuwirken und das gewünschte Zusammenwachsen zu fördern scheint es also geboten, fragmentierte, heterogene Stadträume aufzugeben und städtische, verdichtete Räume mit vielfältigen, räumlich gefassten Verbindungen zu schaffen. Ausgehend von den bereits vorhandenen Vorschlägen und Ansätzen, wie jenen des Büros Albert Speer und Partner im Bereich der Fachhochschule, jenen des Büros ASTOC im Bereich des Deutzer Feldes sowie den vorhandenen B-Plan-Festsetzungen im Bereich der Kalker Hauptstraße, entwickelt sich am Deutzer Ring eine neue Bebauungsstruktur für Büros, Gewerbe und Dienstleistungen, mit neuen Verbindungen zwischen Fachhochschule und Humboldt-Gremberg. Der derzeit unbefriedigende Kreuzungspunkt Deutzer Ring/Gleis/Kalker Hauptstraße wird räumlich neu definiert und markiert mit einem moderaten Hochpunkt den Auftakt zur Kalker Hauptstraße. Weiter östlich des Deutzer Rings entsteht durch bauliche Interventionen und Lückenschlüsse neuer Wohnraum, die vorhandenen Unterführungen werden räumlich gestärkt. Baulich neu gefasst wird zwischen der Taunusstraße und An der Pulvermühle eine neue Nord- Süd-Verbindung zur Kalker Hauptstraße vorgeschlagen.

Das Vertiefungsgebiet 2 umfasst die Stadtgebiete Kalk-Süd und Teile von Humboldt-Gremberg. Südlich der Kalker Hauptstraße, am Übergang zur Dillenburger Straße, ist es Ziel, die Vermischung der Funktionen Wohnen und Industrie bzw. Gewerbe zu bereinigen. Folgendes Szenario erscheint richtig: Die Kaiserin-Theophanu-Schule wird nach einer Studie des Architekten Angelis erweitert. Die sozialen Einrichtungen der Abenteuerhalle Kalk werden innerhalb der historischen Hallen ausgebaut und damit gestärkt. Nicht als schützenswert erachtete Hallenabschnitte werden zugunsten des Außenraumes aufgegeben. Die ehemalige Kantine der Deutz AG wird erhalten und für preisgünstige Mietkosten zur Stärkung kreativer Kräfte dem Markt zur Verfügung gestellt. Schließlich wird langfristig der Betrieb des Anlagenbauer Cologne Engineering an einen anderen Standort verlagert und die Gebäude ebenfalls aufgegeben. Somit entsteht Raum für einen neuen Dienstleistungscampus zwischen Halle Kalk als Ort für kulturelle Veranstaltungen und der Abenteuerhalle Kalk als Ort für vielfältige Jugendarbeit.

Die verkehrliche Erschließung des Gebietes wird zwischen Kalker Hauptstraße und Dillenburger Straße durch die Neuerburgstraße sowie die Wiersbergstraße gewährleistet.
Der durch diese Maßnahmen entstehende Außenraum vernetzt ein attraktives Kreativquartier mit der umliegenden Wohnbebauung. Letztere findet Ergänzung durch Lückenschließung an der Heinrich-Bützler- und Kapellenstraße und stärkt den Außenraum des Johanniter-Stiftes. Für den ruhenden Verkehr wird zwischen Heinrich-Bützler-Straße und Dillenburger Straße eine weitere Hochgarage errichtet. Die Gewerbefläche südlich der Dillenburger Straße wird nach Osten hin erweitert und durch eine zusätzliche Stichstraße erschlossen. Die Kleinstflächen werden zugunsten von attraktiven Grundstücksgrößen aufgegeben. Die Schrottplätze an der Odenwaldstraße werden aufgegeben. Das Areal südlich der Gleisharfe und nördlich der Odenwaldstraße wird zu einem weiteren Wohngebiet entwickelt und arrondiert derart die bestehende Wohnbebauung. Das durch Aufgabe des Bahnhofs Köln-Kalk zur Verfügung stehende Gelände wird in Zusammenhang mit dem ehemaligen Schrottplatzgelände nördlich der Gleisharfe in Rahmen des Grünen Rückens Kalk entwickelt; die noch vorhandene und derzeit verschlossene Bahnunterquerung wird wieder geöffnet.