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Umfeld Pfarrkirche St. Bartholomäus

Realisierung, 1. Preis

mit LK Architekten, Köln

Ort: Köln (D)

Auftaggeber: Kirchengemeinde Christus König, Köln-Porz

Ansprechpartner: Herr Pfarrer Wahlen

Planungszeitraum: 2014-2017

Größe: ca. 3.000 m²

Architekt: LK Architekten, Köln

Fotograf: Fotoatelier Holtschneider, Lohmar


Für das betrachtete Projektgebiet, das Umfeld der Pfarrkirche St. Bartholomäus in Porz Urbach, eröffnet sich aufgrund notwendiger Sanierungsarbeiten die Chance, das Kirchenumfeld neu zu ordnen und neu zu gestalten. Die erneuerungsbedürftige Bausubstanz der vorhandenen Stützmauer entlang der Frankfurter Straße und der geplante Abbruch des kirchlich genutzten Pavillons gibt Potentiale frei, das kirchliche Umfeld in diesem Rahmen offen und einladend zu gliedern und die Adressbildung der Kirchengemeinde zu stärken. Das in der Vorplanung berücksichtigte Projektgebiet entspricht in etwa dem im Wettbewerb festgelegten Realisierungsbereich.

Zwischen Kirchenplateau und der südlich angrenzenden Nachbarbebauung öffnet sich eine breite Schneise, welche die Frankfurter Straße mit dem östlich gelegenen Gebiet um den Leuschhof und dem Ensemble kirchlicher Einrichtungen und Wohngebäude barrierefrei verbindet. Die Wegeverbindung wird großzügig und einladend, boulevardartig ausgestaltet. Die neu gestaltete Ost-West-Achse wird identitätsstiftend für das Kirchenumfeld und bildet das Leitgelenk zwischen den angegliederten Flächen des Kirchplateaus, des Leuschhofes und der bestehenden Bebauung, für welche im Rahmen der Wettbewerbsplanung ebenso ein Vorschlag zu einer konzeptionellen Umstrukturierung erfolgte. In ihrer Breite ist die Wegeachse nicht nur reiner Durchgangsraum. Durch ihre Ausgestaltung stellt sie ein eigenständiges Element dar; ihre Fläche ist aber auch gleichermaßen eine dienliche Erweiterung der angrenzenden Flächen. Die Nutzungen dieser fließen auf der Wegefläche zusammen, sie wird zur kollektiven Fläche, die das kirchliche und weitere örtliche Umfeld zusammenführt.

Der Höhenunterschied von der Frankfurter Straße zum Kirchplateau wird im Bereich der Wegeachse über eine großzügige Stufenanlage ausgeglichen. Dem Plateau selbst wird zur Frankfurter Straße hin eine Mauer aus Sichtbeton vorgelagert. Diese knickt sich am südlichen Ende um und bildet mit der Stufenanlage eine offene einladende Geste. Die Mauer erfüllt weitaus mehr als ihre Stützfunktion. Ihre Ausgestaltung dient in erster Linie der Adressbildung der Kirche. Ihr individuell und ortsbezogenes Erscheinungsbild ist die Adressbildung, die neue Visitenkarte zum Kirchenbau St. Bartholomäus und zur Kirchengemeinde Christus König.

 

Mauer und Treppenanlage

Die Mauer entlang des Kirchplateaus zur Frankfurter Straße hin wird der stützenden Schwergewichtswand als schlanke Scheibe vorgestellt. Die neugestaltete Wand wird in hochwertigem Sichtbeton ausgeführt. Ihre Farbgebung und Materialoptik steht in Bezug zu den in Sandstein ausgeführten Zierungen an Portalen und Fenstern und den Applikationen des Kirchengebäudes, die sich hell aus der unverputzten Backsteinfassade der neugotischen Kirche hervorheben. Das puristisch wirkende, monolithische Erscheinungsbild der durchschnittlich 3,50 Meter hohen Ansicht der Wandscheibe wird im oberen Bereich mit streifig angeordneten Aussparungen durchbrochen. Die in unregelmäßigen Breiten und Abständen angeordneten Aussparungen befinden sich ab der Höhe, die dem oberen Kirchplateau als 90 cm hohe Absturzsicherung dient. Minder dienen sie der Durchsicht vom oberen zum unteren Niveau und umgekehrt; die Aussparungen sind vielmehr symbolgeladen. Sie bilden den kodierten Text des Kirchen- sowie des Kirchengemeindenamens ab. Somit bedeutet der Barcode übersetzt „Kirche St. Bartholomäus Kirchengemeinde Christus König“. Unterhalb der ausgestanzten Streifengrafik steht rechtsbündig in lateinischen Buchstaben „Kirche St. Bartholomäus“. An dieser Stelle verortet wirkt die Schrift wie eine Bildunterschrift zur Westansicht der Kirche. Die Mauer knickt an der südlichen Ecke um und verläuft ein kleines Stück parallel zu der großzügigen Wegeachse. Hier steht wie ein Richtungsweiser zur Kirche und zu dem Ensemble kirchlicher Einrichtungen „Kirchengemeinde Christus König“. Diese Schriften werden in die obere Schicht der Betonwand eingraviert und bilden ein negatives Relief. Die dadurch entstehende Schattierung gibt der Inschrift seine Wirkung und Lesbarkeit. Die Mauer verleiht der Kirche und der Kirchengemeinde eine im hohen Maße identitätsstiftende neue Ansicht. Die verwendete Betonzusammensetzung der Wandscheibe ist salzbeständig und kann mit einem aufgetragenen Graffitischutz versehen werden. Auf der Seite des Kirchplateaus wird die Brüstung mit einer die Wand anstrahlenden Effektbeleuchtung versehen, welche von der Straßenseite her betrachtet dezent durch die Aussparungen scheint und Lichtmuster auf den Straßenbelag wirft.

Von der Frankfurter Straße zum Kirchplateau verläuft eine ansprechende Stufenanlage. Die Stufen verlaufen in der ansteigenden Wegeachse. Sie werden in ihrer Anzahl immer weniger. Die oberste Stufe läuft am östlichen Ende des Kirchplateaus ebenerdig aus, so dass ein barrierefreier Übergang von der Wegeachse zum Kirchplateau entsteht. In die Stufenanlage sind langgestreckte Sitzstufen mit hölzernen Auflagen integriert. Im Westen verläuft die Treppe um die Ecke und wird dort von der abknickenden Mauer abgefangen. Hier erleichtern ein Zwischenpodest und ein Handlauf das Treppensteigen. Beide Elemente zusammen  - Mauer und Treppe - bilden hier eine stark geöffnete einladende Geste von Süden her. Die Treppe ist aus gleichem Material wie die Wandscheibe gefertigt und passt sich optisch in das Gesamtbild der Kirche mit ihrem neu gestalteten Umfeld ein. Neben der Höhenüberwindung dient die Treppe auch als besondere Kulisse für Gruppenfotos bei Kommunionen, Hochzeiten oder Taufen. Mit Gegenlicht und der Kirchenfassade als Hintergrund bietet sie sich optimal als Ort für Fotografien an.

Im Norden führt eine schlichte Treppe mit Zwischenpodest hinter der Mauerscheibe auf das Kirchplateau und zum Alten Pfarrhaus. Die gewählte Lage des Treppenfußes belässt die Fassade des denkmalgeschützten Alten Pfarrhauses zur Frankfurter Straße hin in voller Breite sichtbar. Die Wege- und Sichtbeziehung des nordwestlich liegenden Ortszentrums zur Kirche wird betont.

 

Wegeachse

Die verbindende Wegeachse wird von einer Reihe aus Zierkirschen (Prunus avium) gesäumt. Auf der Länge des Kirchplateaus sind die im Frühjahr reichblühenden Bäume entlang der südlich verlaufenden Mauer gepflanzt. Sie bilden die abfangende Kante zum angrenzenden Grundstück hin und erweitern damit den Raum des Plateaus. Die bestehenden Großbäume werden teilweise in die Neugestaltung integriert. Der Stammfuß der Gehölze sitzt höher als das neue Gehwegniveau sein wird. Somit werden die Bestandsgehölze im Bereich des ansteigenden Boulevards mit großen runden Baumtrögen eingefasst. Der Belag des Verbindungswegs wird in Naturstein oder alternativ in Betonstein ausgeführt. Farbe und Optik der Oberflächen lehnen sich auch hier an die hell sandsteinfarbigen Zierungen der Kirchenfassade an. Die Platten werden in langen schmalen Formaten in Querausrichtung zur allgemeinen Laufrichtung verlegt. Zwischen den Zierkirschen werden in regelmäßigen Abständen schlichte Leuchtstelen verortet. Die Baumscheiben der Kirschgehölze werden in farblich harmonisierender wassergebundener Wegedecke ausgeführt.

 

Kirchplateau

Das unmittelbare Umfeld  der Kirche liegt nahezu auf einem Höhenniveau und bildet mit dem dort einheitlich verwendeten Belagsmaterial das Kirchplateau und die multifunktional zu nutzende Fläche „rund um die Kirche“. Es wird das gleiche Naturstein- bzw. Betonsteinmaterial verwendet wie auf der Wegeachse, jedoch in Kleinsteinformaten.

Nach Westen bildet sich eine balkonartige Situation heraus, welche die städtebauliche Dominanz der Kirche unterstreicht. Im Norden grenzt der Pfarrgarten des Alten Pfarrhauses an. Der Freiraum des Hospizes westlich des Gebäudes bleibt nahezu wie im Bestand bestehen. Die großgewachsenen verschattenden Fichten sollen weichen und einer Neupflanzung Platz bieten. Gewählt wird ein hochwüchsiger Laubbaum mit lichtem Kronendach. Pfarrgarten und Außenbereich Hospiz werden durch eine in Form geschnittene Hecke vom nördlichen Bereich des Kirchplateaus, welcher tagsüber öffentlich zugänglich ist, abgeschirmt. Zwischen der Hecke und der nördlich verlaufenden Bestandsmauer liegt der geschützte introvertierte Pfarrgarten, welcher als Privatbereich gestaltet wird. Südlich des Pfarrgartens befindet sich ein Parkstreifen für acht PKW. Entlang der nördlichen Kirchenfassade befinden sich weitere Parkplätze so dass dreizehn Stellplätze für Kirche  und Hospiz auf den kirchlichen Flächen nachgewiesen werden können.

Östlich der Kirche, dem Hospiz vorgelagert, befindet sich der Kirchgarten. Bodenbündige Pflanzbeete und Sitzbänke mit Holzauflagen sind in Reihen angeordnet. Sie bilden gleichermaßen Aufenthaltsbereich und Filter zu den östlich angrenzenden Verkehrsflächen.

Streifen mit Staudenpflanzungen und kniehohe in Form geschnittene Hecken bieten ein geordnetes und dennoch abwechslungsreiches Bild. Als blühender Vorgarten des Hospizes lädt der Garten zum Verweilen ein und bleibt durch seine Strukturierung bei Veranstaltungen durchwegbar. Im Vergleich zur Darstellung im Wettbewerb wurde der Kirchgarten zugunsten frei bespielbarer Fläche verschmälert. Der denkmalgeschützte Fußfall südöstlich des Kirchengebäudes wird am gegenwärtigen Standort belassen.<xml></xml>