1/27 

2/27 

3/27 

4/27 

5/27 

6/27 

7/27 

8/27 

9/27 

10/27 

11/27 

12/27 

13/27 

14/27 

15/27 

16/27 

17/27 

18/27 

19/27 

20/27 

21/27 

22/27 

23/27 

24/27 

25/27 

26/27 

27/27 

Landesgartenschau Lahr 2018

Realisierung, 1. Preis

Ort: Lahr (D)

Auftraggeber: LGS Lahr 2018 GmbH

Ansprechpartner: Herr de Haen

Planungszeitraum: 2011-2018

Größe: ca. 37 ha

Die Park-Triologie Seepark, Bürgerpark und Kleingartenpark entsteht am Siedlungsrand des Lahrer Westen auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen. Während Bürgerpark und Kleingartenpark in direkter Nähe zu Wohn- und Schulquartieren liegen, ist der große neue Seepark jenseits der Bundesstraßen in Zukunft über eine neue Fuß- und Radwegebrücke zu erreichen. Das Brückenbauwerk wird über seinen hohen Pylon in Zukunft schon von weitem als markante Landmarke wahrgenommen.

Die besondere Qualität der neuen Parks liegt darin, die verschiedenen Grünräume mit unterschiedlichen Charakteren zu entwickeln. Das führt auf der einen Seite zu einem vielfältigen Angebot für die Naherholung der Lahrer Bürger, auf der anderen Seite entstehen ökologische Rückzugsmöglichkeiten für Flora und Fauna.

Während im Bürgerpark durch die Spiel- und Sportmöglichkeiten wie Kletterturm, Fußballfeldern und Verkehrsübungsplatz neue Freizeitmöglichkeiten entstehen, werden Feucht- und Schmetterlingswiesen, sowie das neue Auenwäldchen im Anschluss an ein bestehendes Saatkrähenhabitat im Seepark die ökologische Diversität stärken. Alle Parkteile erhalten ein differenziertes Wegesystem. Hier spielen die breiten Rundwege eine besondere Rolle, denn sie werden von Jogger und Fahrradfahrer gerne genutzt werden.  

Der naturnahe Seepark ist mit ca. 21 ha Größe der größte der drei Parkteile und schafft durch den neu angelegten Landschaftssee mit Badenutzung und seinen weitläufigen Wiesenflächen ein besonders intensives Naturerlebnis. Neben den attraktiven Spiel -und Liegewiesen entlang der mit Trauerweiden begleiteten Seepromenade ist der südliche Park als Rückzugsraum für Spaziergänger und Ruhesuchende konzipiert. Das Auenwäldchen lädt mit verwunschenen Pfaden ein den krautigen Unterwuchs zu durchkämmen und die kleinen Farninseln zu entdecken. Hier entsteht zudem ein Aussichtsturm, von dem aus der Blick zurück über den See auf die Stadtkulisse inszeniert wird und man Vögel und andere Tiere beobachten kann. Daneben prägen die weitläufigen Wiesenflächen und der lockere Saum aus Bäumen den Landschaftspark.

Der Bürgerpark schließt die Lücke der bebauten Siedlung in Lahr. Er ist durch zwei Themenbereiche geprägt. Auf der einen Seite liegt der Stadtgarten Vicus, auf der anderen Seite der Spiel- und Sportpark, der mit Kunst- und Echtrasenfeldern, einem Kletterturm, einem Multifunktionsspielfeld, einem großen Spielplatz und einem variabel nutzbaren Verkehrsübungsplatz vielfältige Möglichkeiten schafft.

Archäologische Untersuchungen haben auf den Flächen des jetzigen Stadtgartens eine römische Siedlung nachgewiesen. Die typisch römischen Langhäuser wurden landschaftsarchitektonisch interpretiert und mit großen geschnittenen Lindenblöcken nachgezeichnet. Die Via Ceramica ist die zentrale Achse des Stadtgartens. Mit einer Breite von vier Metern schiebt sie sich durch den Bürgerpark. Ihr Belag aus Klinkerpflaster erinnert an die Tonverarbeitung in der ehemaligen Römersiedlung. Die geschnittenen Linden mit ihren dichten Baumdächern stehen auf erhöhten Rasenplateaus. Gerahmt ist der Bürgerpark mit dem Hain der Philosophen, einem Filter aus mehrstämmigen Gehölzen, die in eine wellenartige Modellierung gepflanzt und mit einer Krautvegetation untersät wurden.

Der landschaftsarchitektonische Entwurf für die Landesgartenschau sieht neben einem städtischen Bürgerpark und einem landschaftlichen Seepark auch eine Kleingartenanlage vor. Besonderes Merkmal dieser Anlage ist der hohe Anteil an öffentlichen Freiflächen. Neben dem individuellen Gärtnern steht Kommunikation und Gemeinschaft im Vordergrund. Das macht die Kleingartenanlage zum Kleingartenpark.

Die öffentlichen Flächen bieten mit Spielelementen für die Pächter und Besucher ein zusätzliches Nutzungsangebot. Die Blumenwiese dient Familien und Kindern aus der Nachbarschaft als Spielbereich.

Die öffentlichen Wiesenfugen werden für Grillfeste, Initiativprojekte rund um das Gärtnern und anderen Aktivitäten zur Verfügung stehen.          

Die zur Pacht stehenden Parzellen werden durch ein übergeordnetes Farbkonzept in Blöcken Gelb, Rot, Blau und Grün gegliedert. Die Farben werden in entsprechenden Heckenpflanzen und Maschendrahtzäunen, aber auch den Gartenlauben übersetzt

Trotz unterschiedlicher Charaktere der drei Parkanlagen, tauchen in allen Bereichen wiederkehrende  Elemente auf. Konzeptionell verstärkt sich dadurch der Zusammenhalt der neuen Parkanlagen. Neben dem Rundweg, der 16 cm höher als das umgebende Gelände angelegt wurde und mit besonderen Randelementen aus Betonfertigteilen und einer Wegedecke aus beschichtetem Asphalt angelegt wurde und in allen drei Teilen als Ringerschließung dient, steht vor allem das raumbildende Pflanzkonzept im Vordergrund. Ein Saum aus Bäumen umschließt die inneren Parkflächen und grenzt sie räumlich von den angrenzenden Bebauungen ab. Ergänzt wird das Gestaltungskonzept durch ein einheitliches Auftreten der Ausstattungselemente wie Bänke, Leuchten, und Geländer in Farbe, Form, Materialität.

Der Bürgerpark
Von Sportlern, Römern und Philosophen

unter anderem besonders:

Linden und Rasenplateaus

Ein wesentlicher Bestandteil des Bürgerparks sind die geschnittenen Lindenblöcke im Vicus.

Sie bestehen aus 22 rechteckigen Baumpaketen der Größe 18,0 x 9,4 m deren Gesamthöhe ca. 6,5 m über OK Gelände liegt.

Nicht zuletzt aufgrund der durch die Bodendenkmalpflege wegen nachgewiesener und vermuteter Funde und Befunde aus der Römerzeit vorgegebenen maximalen Grabungstiefe wurden diese Baumblöcke in etwa 90 cm hohe Rasenplateaus geplant.

Zunächst ging die Planung von kastenförmig gezogenen Solitärbäumen aus, die zu einem Block zusammengefasst werden.

Während der voranschreitenden Planung entstand die Idee, die Baumblöcke aus breitkronigen Solitärqualitäten zu bilden und vor Ort nach der Pflanzung die Konturen zu schneiden. Dies vor allem, da mit der vorgesehenen Pflanzenanzahl von 8 Stück je Block in der zur Verfügung stehenden Zeit von zwei Vegetationsperioden die Zielvorstellung von nahezu geschlossenen Kuben besser erreicht werden konnte.

Nach Analyse der Marktsituation wurde festgelegt, dass fünf verschiedene Arten und Sorten der Gattung Tilia gleichmäßig durchmischt eingesetzt werden sollen, deren Blatt eher klein und grün ist. Dies zum einen, um eine Variation in Austrieb und Herbstfärbung zu erreichen, zum anderen, um den Markt und das Bieterfeld breit zu halten.

Zudem wurde die Qualität der Bäume vor allem auf die erforderliche Kronenbreite > 450cm und einen einheitlichen Stammansatz bei 250cm abgestellt, wohingegen das für die hier beschriebene Anwendung eher zweitrangige Qualitätsmerkmal Stammumfang weit gefasst wurde.

Die Bäume wurden in der Lieferbaumschule mit einer einheitlichen Ballenhöhe gestochen, was die Pflanzung sehr erleichterte. So konnte für jeden Block ein einheitliches Planum erstellt werden, auf dem die Ballen ausgerichtet wurden. Dabei wurde jeweils die breiteste Kronenseite, nach außen bzw. in die Blockecke gerichtet. Entsprechende Marken waren in der Baumschule gesetzt worden. Die Baumverankerung wurde unterflur als Ballenverpannung mit Totmannankern ausgeführt. Das für diesen Aufbau nach Vorgaben der Bodenkundler abgemagerte Substrat, ein Gemisch aus vorhandenem Oberboden und Lava, konnte anschließend um die Ballen herum angedeckt, zu gleichmäßigen Plateaus modelliert und mit Rasen angesät werden.

In der geplanten Kontur der Baumblöcke wurden aus Bambusstäben in und um die Baumkronen herum Gerüste gebunden, die zum einen als Bindegerüst genutzt wurden, um die freien Baumkronen möglichst breit zu erziehen, zum anderen als Lehre, die die Außenkante für den Schnitt vorgibt. Die Triebe wurden im Rahmen der Pflege mehrfach gebunden und jeweils an den Außenkanten geschnitten.

Im Nachgang wurde eine Bewässerungsanlage mit Tropfschläuchen eingebaut, die die Linden automatisch versorgt. Düngergaben erfolgten nach Bodenanalysen manuell.

Nach Ende der zweiten Vegetationsperiode lässt sich feststellen, dass kein einziger Abgang zu beklagen ist und die Bäume sich gut entwickelt haben und eine robuste Vitalität zeigen. Die Konturen der Baumblöcke sind gut erkennbar.

 

Der Seepark
Vom Landschaftsraum zum Landschaftspark

unter anderem Besonders:

Böden und Wasser

Bei Baubeginn stellte sich die Fläche des Seepark als intensiv landwirtschaftlich genutzte Feldflur mit Geländeneigungen im Promillbereich dar.

Verschiedene Bodengutachten belegten sehr schwere, schluffig tonige Böden, sogenannte Minutenböden, bis in eine Tiefe von 5,0 Metern, unterlagert von Sanden und Kiesen. Darüber hinaus liegt im gesamten Bereich gespanntes Grundwasser.

Aufgrund dieser für die Bearbeitung schwierigen Verhältnisse wurden frühzeitig sowohl Geotechniker eingebunden, die sich um die bautechnischen Belange des Erdbaus bemühten, aber auch Bodenkundler, die im Rahmen einer bodenkundlichen Baubegleitung vor allem die Sicherstellung der Bodenfunktionen besonders in vegetationstechnischer Sicht im Blick behielten.

Die Planung entwickelte sich von den ersten Konzepten, die einen grundwassergefüllten Natursee (Baggersee) vorgesehen hatten, hin zu einem vom Grundwasser abgekoppelten See in einem durch Auffüllung der umgebenden Flächen aufgebauten Becken.

Dies begründete sich nicht zuletzt auch in der Tatsache, dass der Aushub eines Sees in der Größe von ca. 3,0 ha bei diesen Böden und unter Grundwassereinfluss einen extremen, wenn nicht gar unkalkulierbaren Aufwand verursacht hätte.

Demgegenüber war die Auffüllung des umgebenden Geländes mit geeigneten Füllböden in einer Größenordnung von etwa 100.000 m3 vergleichsweise gut zu planen.

Die Trassen der für die Erschließung des Seepark vorgesehenen Wege wurden zu Beginn der Auffüllung in Dammbauweise errichtet und als Baustraßen genutzt.

Mit voranschreitender Planung wurden durch gesetzliche Vorgaben (BBodSchG) und in Abstimmung mit der genehmigenden Behörde, die früh in das Projekt einbezogen wurde, die Parameter festgelegt, die für die anzuliefernden Füllböden einzuhalten waren.

Im Wesentlichen wurden Böden eingebaut, die den vorgefundenen entsprechen.

Da eine elementare Voraussetzung der schadensfreien Bearbeitung dieser Böden der momentane Feuchtegehalt ist, wurde im Bereich der Baustelle eine Tensiometerstation errichtet, die tagesaktuell den Feuchtegrad des Bodens ermittelte. Die Bearbeitung der Böden wurde ausschließlich in den dafür geeigneten Feuchtegraden freigegeben. Ebenso mussten die angelieferten Böden dieselben Vorgaben hinsichtlich des Feuchtegrades erfüllen.

Die Zeitfenster, in denen Erdbau überhaupt möglich war, waren dadurch besonders im Winterhalbjahr sehr begrenzt.

Eine weitere Vorgabe war die lückenlose Dokumentation der eingebauten Erdstoffe. Dies machte ein enges Zusammenspiel zwischen Bauleitung und ausführenden Unternehmen erforderlich, um bei Chargengrößen ab etwa 500 m3 den Überblick zu behalten.

Der Einbau der angelieferten Böden erfolgte lagenweise ohne Verdichtung, die den ohnehin geringen Porengehalt zusätzlich reduziert hätte. Aufgrund der Größe des Projektes wurde die Auffüllung als 3D Modell geplant und zur Verfügung gestellt. Diese Daten wurden durch die ausführenden Firmen in die Steuerungen der Raupen und Bagger eingelesen, die die gewünschte Modellierung herstellten und so die Basis für die anschließenden landschaftgärtnerischen Arbeiten schufen.