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Landesgartenschau Bad Lippspringe 2017

Begrenzter Wettbewerb

Ort: Bad Lippspringe (D)

Preis: 3. Preis

Datum: 11-2013

Auslober: Stadt Bad Lippspringe

 

 

Bad Lippspringe liegt wenige Kilometer nordöstlich von Paderborn, inmitten der ländlich geprägten Region Ostwestfalen – Lippe. Die Stadt befindet sich westlich des Teutoburger Walds und des Eggegebirges. Im Süden wird Bad Lippspringe von offenen Ackerflächen und die daran anschließende Paderborner Hochfläche begrenzt. Im Nordwesten ist das Wettbewerbsgebiet umgeben von der Wald- und Heidelandschaft der Senne.

 

Eine landschaftliche Besonderheit in der Region entstand durch den durchlässigen, sandigen Boden und die offene Landschaftsform: die Binnendünen. Durch die Besiedelung entlang der Flüsse wurden die Wälder ausgelichtet und als Viehland verwendet, es entwickelten sich aus dichten Wäldern offene Heidelandschaften. Diese hatten z.T. durch das Einebnen der Dünen zum Anlegen von Ackern sowie  das Plaggen von Heideflächen keine zusammenhängend geschlossene Vegetationsdecke, so dass der lockere Sand durch Windverwehungen zur Bildung von Binnendünen beitrug. Daher wurde Anfang des 19. Jh. ein Kiefernwald aufgeforstet, um die Stadt zum einen vor dem Wind aber eben auch vor den Sandverwehungen zu schützen. Anfangs noch in intensiver forstlicher Nutzung mit Douglasien und Küstentannen, ging diese mehr und mehr zurück. Heute haben sich neben dem Wald und den daran anschließenden Heideflächen und Dünen in den Senken Kleinmoore und Stillgewässer gebildet.

 

Diese landschaftlichen Merkmale und die gewachsenen Waldstrukturen machen das Gelände zu etwas Besonderem. Die Landesgartenschau hat die einmalige Chance, in einem Gelände mit gewachsenen Strukturen stattzufinden, während die Bad Lippspringer durch das Instrument Gartenschau nach 2017 einen qualitativ aufgewerteten und in seinen Charakteristika geschärften WaldKurPark erhalten.

 

Konzept

Der Park ist in vier Zone unterteilt, die sich sowohl charakterlich als auch in ihrer Nutzung voneinander unterscheiden: Wald, Waldschneise, Kurwald und Kurpark. Ein weiteres Kernelement des neuen Parks wird der Parcours bilden, der die Stadt mit dem Wald und den Wald mit der Stadt verbindet. Das Holz aus dem Wald wird zu Ausstattungselementen in der Stadt und die städtische Wegestruktur führt über die Materialität (Asphalt/ Beton) des Parcours in den Wald. Der Parcours führt vom Haupteingang durch das gesamte Areal und verbindet die vier verschiedenen Zonen miteinander, so dass man beim Belaufen des Parcours die Vielfalt des Geländes erfährt und die unterschiedlichen Charaktere der Zonen erleben und spüren kann.

  

Entwurf 

Wald 

Die Baumschicht  wird im Wald durch die forstlich gepflegten und evtl. leicht aufgeasteten Bestandsbäume aus hauptsächlich Küstentannen, Douglasien und vereinzelten Laubbäumen gebildet. Der Waldboden wird durch den geringen Lichteinfall nur mit ein paar Moosen bzw. den Nadeln, Blättern und Tannenzapfen gebildet. Der Wald lädt zu langen Spaziergängen oder Wanderungen ein. Die Ruhe des Waldes dient der Erholung vom stressigen Alltag und zudem kann man die reine, mit ätherischen Ölen der Nadelbäume versetzte Luft atmen. Die bestehenden Waldpfade bleiben erhalten.

 

Waldschneise 

Die ca. 20m breite WaldSchneise entsteht durch den geforderten Abstand zwischen Wald und Kurwald, in der keine Bäume stehen dürfen, um die Waldbrandgefahr einzudämmen. Als Kontrast zu den dichten Waldstrukturen wird diese bewusst offen gehalten und nur mit einer Blumenwiese bepflanzt, deren Abschnitte in unterschiedlichen Intervallen gemäht werden kann. So bietet sich die Wiese an der einen Stelle zum Beobachten von Tieren, z.B. Schmetterlingen an, die über die Blütenwiese fliegen und an andere Stelle kann man auf der frisch gemähten Wiese ein Picknick in der Sonne machen oder Drachen steigen lassen.

  

Kurwald 

Der Boden des Kurwaldes wird mit Rindenmulch abgedeckt. Dazwischen gibt es flächendeckende Schattenpflanzung mit monochromen Pflanzungen aus Schattenstauden, z.B. Astilben, Waldgeißbart, Funkien, Tafelblatt, Fingerhut und  Farnen, Hortensien, Rhododendron etc.. Darüber befindet sich die Baumschicht aus den bis zu 200 Jahre alten Bestandskiefern, die relativ locker verteilt über der Fläche stehen und somit etwas Licht zu der darunterliegenden Pflanzschicht durchlassen. Die dazwischen vorkommende Baumschicht wird gerodet, so dass die Belichtung verbessert wird und gleichzeitig durch den offeneren Charakter die Tiere, vor allem die Fledermäuse, den Wald wieder besser nutzen können. Viele der Bestandswege bleiben erhalten und werden um einige wenige ergänzt. Im Kurwald kann man spazieren gehen, in Hängematten liegend dem Alltag entfliehen, die Ruhe und Geborgenheit spüren und den Duft der Nadelgehölze genießen und die reine Luft atmen.

  

Kurpark 

Der Kurpark bleibt zum großen Teil in seiner Form und Ausprägung bestehen. Er wird nur in Teilen angepasst bzw. aufgewertet. Hauptbestandteil bleibt der geschnittene Rasen, auf dem kunstvolle Blumenrabatte und  exotische Solitärgehölze locker verteilt Platz finden. Teilbereiche werden in der Strauchschicht etwas ausgelichtet, um den Parkcharakter eindeutiger vom Kurwald zu unterscheiden. Die formale Wegestruktur bleibt erhalten und wird durch die Verlängerung der Mittelachse bis zum neuen Ende des Kurparks ergänzt. Kleine Anpassungen in der Ausgestaltung der Beetformen und Wegestruktur werden vorgenommen. Die erneuerten und aufgewerteten Wasserelemente bilden ein weiteres Highlight im Park. Im Kurpark kann man Flanieren, Spazieren, auf den Rasenflächen Sonnenbaden und Picknicken, die Pflanzen bewundern, die Wasserspiele bestaunen und im Martinus einen Kaffee trinken gehen. Die Tothölzer bleiben vollständig erhalten.

 

WaldParcours

Die drei Zonen und die Stadt verbindet ein Rundweg. Dieser Waldparcour besteht aus einem Asphaltweg mit einer hellen Abstreudecke. Gefasst wird der Parcours auf der einen Seite mit einem schmalen Kantenstein und auf der anderen Seite mit einem 50cm breiten Streifen aus großformatigen Betonplatten, in dem die Ausstattungselemente stehen. Als großer Rundweg für die Gartenschau führt der gesamte Parcours durch die Stadt. Innerhalb des geschlossenen Gartenschaugeländes bildet der Parcours zusammen mit der verlängerten Achse des Kurparks einen Rundweg von und zum Haupteingang. Daneben bieten viele Bestandswege die Möglichkeit abzubiegen und kürzere Strecken zurückzulegen.

 

Eingangsplatz

Der Eingangsplatz wird in Zukunft großzügig und offen gestaltet, um die ankommenden Menschen in Empfang zu nehmen und zu begrüßen. Ein großer Platz mit Betonplattenbelag erhält diverse Ausstattungselemente wie Fahnenmasten, Leuchten, Wasserbecken und Pflanzschalen, die die Besucher zukünftig in das Gartenschaugelände bzw. in den Kurpark hineinleiten. Hocker unter einem Baumhain laden zum Verweilen und Warten ein. Das Bestandsgebäude und zukünftige Eingangsgebäude und Infopunkt könnte eine neue Hülle aus Holzlamellen erhalten, um es thematisch in die Gartenschau zu integrieren.

 

Ausstattungselemente

Für die Landesgartenschau wird ein Ausstattungsband entwickelt, welches sich in temporäre und dauerhafte Elemente unterscheiden wird. Alle Objekte werden aus Holz, in Anlehnung an den Wald, gebildet. Die temporären Objekte werden aus Rundhölzern/Baumstämmen entwickelt, während die dauerhaften Objekte aus eckigen Vollhölzern zusammengesetzt werden.

Hocker (XS), Bank (S), lange Bank (M), Bellevue (L), Pavillon (XL) und Turm (XXL) bilden eine Serie, ergänzt werden sie durch Leuchten, Mülleimer, Fahrradständer, Fahnenmasten und den Sonderelementen Steg, Waldfurt und Waldschule. Zusätzlich werden temporäre Wegweiser bzw. Hinweisschildern aus gestapelten Holzstämmen aufgestellt, die nach der Gartenschau wieder abgebaut werden können.

Temporäre Landesgartenschauthemen sind ein Märchengarten (die Wände und der Boden werden aus Tannenzapfen gebildet), der geheime Garten (zu einem Raum gestapelte Baumstämme mit Gucklöchern ohne Eingang), eine Waldfurt (entlang von gestapelten Baumstämmen geht man auf Niveau des Waldbodens und kann das Bodenprofil betrachten), ein Waldspielplatz („Stangenwald“ aus Holz, in den Farben des Waldes) sowie benötigte gastronomische Angebote sowie Informationspavillons.  Informationen werden mittels Holzbranding auf den Hinweistafeln oder direkt auf den Objekten aufgebracht.

  

LGS Themen 

Entlang des Walparcours verteilen sich die Gartenschauobjekte an einer Perlenkette, die z.T. temporären aber auch dauerhaften Charakter haben können. Das Motto „Wald“ zieht sich über das gesamte Ausstellungskonzept, die thematischen Schwerpunkte Landschaft, Morphologie (Sandböden, Dünenentwicklung, etc.), Kulturgut (Forstwirtschaft, Holzwirtschaft, Holzindustrie, etc.) und Ökologie (Klima, ätherische Öle, Heide, Totholz, Tiere, etc.) werden entlang des Parcours aufgegriffen und an passender Stelle erläutert. Das Thema Mythologie (der „deutsch Wald“, Archetyp, Märchen) erhält eine Sonderposition, indem dieses entlang des gesamten Parcours immer wieder auftaucht und diesen zusätzlich zu den Ausstattungselementen zusammenhält. Die Themen Schattenstauden- und Farngärten,  Waldspielplatz für alle Generationen, Thema Wald und Bäume (Spielen, Klettern, Kronenpfad) , Grüne Schule, Kirche in der Landesgartenschau, Grabbepflanzung und Grabmale mit Infopavillon, Wild und Jagd und Holz und Jagd werden in das Gelände integriert.

Außerhalb des Landesgartenschaugeländes werden die Stationen ebenfalls durch das alles verbindende Element, den WaldParcours, zusammengehalten. Angefangen am östlich gelegenen Parkausgang geht es zum Schützenhaus, wo die Hallenschau, der Gärtnermarkt und die Mustergärten platzfinden. Der Dedinger Heidesee bietet sich an die Themen Natur- und Landschafts- und Wasserschutz den Menschen näher zu bringen. Weiter entlang am Neubaugebiet „Pracher Feld“ können Kleingärten, Baumschulflächen, Obstgehölze, Landwirtschaft und nachwachsende Rohstoffe vermittelt werden. Im Arminiuspark und im Jordanpark geht es um die Heilquellen, Themengärten, Gesundheitsgärten, allergologische Gärten, Rosen und Farne. Und den Ringschluss bildet die Innenstadt mit der anschließenden Fußgängerzone, die wieder zum Haupteingang führt. Nach dem Vorbild von Hänsel und Gretel führen entlang dieses Weges die hölzernen Ausstattungselemente als Leitobjekte des  Waldparcours durch die Stadt. Wechselpflanzungen, Rhododendrenpark, Parkgehölze mit Baumschule und Infopavillon sowie Stauden und Gräserpflanzungen werden im Kurpark und Kurwald verortet.

  

Zaunführung 

Die zukünftige Zaunführung umschließt das komplette westliche Parkgelände, so dass Martinus, Liegehalle, Kapelle, Baumwipfelpfad und Aussichtsturm im eintrittspflichtigen Bereich liegen. Die Grenze verläuft am zukünftigen mittleren Eingang, neben dem Spielplatz und der Adlerwiese, so dass diese zukünftig von allen Bad Lippspringern genutzt werden können. Während der Gartenschau ist das gesamte Gelände umzäunt. Entlang dieses Zaunes führt ein „Umgehungsweg“ für Wanderer und Wald-und Forstarbeiter sowie die Sicherstellung der Erreichbarkeit der Mersmannteiche von der Martinusklinik. Der Hauptein- und ausgang befindet sich im Südosten, weitere Ausgänge befinden sich während der Gartenschau im Osten beim Thermalbad sowieim Westen bei der Martinusklinik, hier bleibt das Bestandsgebäude erhalten. Ein weiterer Ausgang befindet sich im Norden am Haustenbecker Weg.

 

Ideenteil Ausgang an der Westfalentherme 

Der Parkplatz bleibt in seinen Grundstrukturen bestehen, wird etwas überarbeitet und durch einen neuen Vorplatz als eine großzügige Geste am Thermeneingang ergänzt. Die Bäume bleiben weitestgehend erhalten und spenden Schatten. Ein  Wasserbecken akzentuiert den Thermeneingang. Die Wendemöglichkeit ist gegeben.

 

Erschließung und Besucherführung

Die mit dem Pkw anreisenden Gartenschaubesucher werden in den westlich liegenden Gewerbegebieten parken. Den Weg zum Haupteingang legen sie zu Fuß oder mit einem Shuttle zurück, wo sie an der für die LGS neu gestaltete Busspur bwz. dem kleinen Park ankommen und durch eine Baumreihe zum Haupteingang geleitet werden. Während der Gartenschau können hier 10 Busse anhalten und ihre Passagiere ein- und aussteigen lassen. Nach der Gartenschau entstehen in diesem Bereich 20 - 25 Parkplätze für Besucher.

Um die einzelnen Stationen außerhalb des geschlossenen Gartenschaugeländes zu erreichen, können Pedelec-Stationenoder Shuttlebusse angeboten werden.