Bahnhofsareal Bad Salzungen

Nichtoffener Ideenwettbewerb

Ort: Bad Salzungen (D)

Preis: 2. Preis

Datum: 07-2013

Auslober: Stadt Bad Salzungen

Architekt: dma deckert mester architekten, Erfurt

Ziel des Wettbewerbes in Bad Salzungen ist die Schaffung eines modernen und zeitgemäßen Bahnhofsareals. Das gesamte Bahnhofsumfeld wird neu geordnet und gestalterisch aufgewertet. Dabei soll neben einer Steigerung der Aufenthaltsqualität eine zentrale Verkehrsdrehscheibe aus Bahn, Bus, Pkw, Taxi, Fahrrad und Fußverkehr entstehen.

Situation
Der Bahnhofsplatz beschränkt sich derzeit auf eine rein funktionale Verkehrsnutzung wie Parken, Busverkehr und Taxistand. Für Fußgänger und Radfahrer sind derzeit keine ausreichenden Verkehrsflächen vorhanden. Die unterschiedlichen Verkehrsfunktionen stehen außerdem im räumlichen Konflikt zueinander. Eine fußläufige Verbindung in die Innenstadt ist gegenwärtig nicht ablesbar. Die derzeitige Gestaltung des Bahnhofsumfeldes ist nicht repräsentativ und entspricht nicht mehr den derzeitigen Bedürfnissen der Stadt Bad Salzungen. Mithilfe des Wettbewerbsbeitrages soll in der Zukunft eine koordinierte und qualitätsvolle Weiterentwicklung des Areals stattfinden.

 

KONZEPT

Übergeordnetes städtebauliches Konzept
Die besondere städtebauliche Bedeutung des Bahnhofsareals als komplexer Verkehrsknotenpunkt wird durch Aufräumen und Neuordnen der unterschiedlichen Versorgungsfunktionen für Stadt und Umland gestärkt. Es soll ein repräsentativer Ankunftsort mit öffentlichen Verkehrsmitteln für Kur- und Tourismusgäste entstehen. Sicht- und Wegebeziehungen in Richtung Innenstadt sowie der nördlichen Landschaft werden gestärkt. Das zukünftige P+R-Parken wird über die Unterführung an den Bahnhof angebunden. In umgekehrter Richtung ist der Landschaftsraum mit dem Puschkinpark und der Werra vom Bahn- und Busbahnhof schneller und sicherer zu erreichen. Von der Innenstadt kommend leitet der mit einer Baumreihe gesäumte Fußwege auf die Achse der Kureinrichtung bzw. den Landschaftsraum zu.

Inhaltliches Konzept 
Der neue Bahnhofsvorplatz wird als ein attraktiver und repräsentativer Platz ausgebildet, der zugleich alle Funktionen als Verkehrsknotenpunkt aufnimmt und mit Bereichen mit hoher Aufenthaltsqualität aufgewertet wird.

 

ENTWURF

Verkehr
Der neue Busbahnhof mit insgesamt 8 Bushalteplätzen (6 Regionalbusse und 2 Stadtverkehrbusse) entsteht entlang der Bahnhofstraße südlich des ehemaligen Bahnhofsgebäudes. Die Bushaltestellen befinden sich somit in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. So werden kurze Wege zwischen den unterschiedlichen Verkehrsmitteln geschaffen und die Umsteigewege minimiert. Stufenfreie Umsteigebeziehungen zwischen den Bahnsteigen und Bussteigen werden gewährleistet. 
Der Busbahnhof wird aufgrund der Verkehrssicherheit ausschließlich stadtauswärts bedient, so dass Bus- und Bahnreisende die Bahnstraße nicht queren müssen. Die im Südwesten gelegene Buswendeschleife kann zum Drehen der Busse in Richtung Stadt genutzt werden.
Zwischen der Bahnhofstraße und dem Platz entsteht ein Multifunktionsstreifen aus Bushaltebuchten und Taxiwarteplätzen. Die Materialität dieser Fahrbahngassen orientiert sich an der Funktionalität in Kombination mit der Gestaltungsästhetik. Hell eingefärbter Asphalt gewährt eine dauerhafte Materialität mit guter Befahrbarkeit und bildet zudem eine ruhige, ästhetische Belagsfläche.
Die Taxiwarteplätze für mindestens 2 Fahrzeuge befinden sich im direkten Anschluss an die Bushalteplätze zwischen der Bahnhofstraße und dem Platz.
Nördlich vom Busbahnhof befindet sich der Park- and Rideplatz mit mindestens 100 PKW-Stellplätzen. Davon sind neben dem kleinen Auftaktplatz mehrere Behindertenstellplätze freigehalten. Kradparkplätze befinden sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe zum Plätzchen. Die Zu- und Ausfahrt zum Parkplatz erfolgt von der Werrastraße. Der Parkplatz ist locker mit Bäumen überstellt, die sich vom Puschkinpark über den Parkplatz streuen und diesen somit in das Grün der angrenzenden Landschaft integrieren. Der Parkplatzbelag wird in Asphalt ausgebildet. 
Die ca. 50 überdachten Fahrradstellplätze werden an der nördlichen Platzkante neben der Bahnunterführung angeboten und in ein funktionales Ausstattungsband integriert. Die Fahrradstellplätze befinden sich somit in unmittelbarer Nähe zu den Gleisen.

Bahnhofsplatz 
Der neue Bahnhofsplatz wird ein verkehrsfreier Platz mit hoher Aufenthaltsqualität. Aus Richtung Innenstadt erblickt man schon von weitem das Bahnhofsgebäude, welches eine neue Nutzung als Hostel erfährt.
Der Platz ist durch das Gebäude in zwei Bereiche untergliedert, einen schattigen Bereich im Westen und einen sonnigen im Osten. Im Westen bildet ein Baumblock den Abschluss des Platzes. Dieser bildet gleichzeitig einen grünen Puffer zur Anlieferung des neuen Kauflands. Die Rückstoßmöglichkeit für den Leergut-LKW bleibt südlich des Baumblocks gewährleistet. Sitzelemente aus Beton laden unter dem Baumhain zum Warten auf den Bus ein.
Der östliche Platzbereich ist offen gestaltet und nur mit einer locker verteilten Baumgruppe überstellt. 
Der Belag des gesamten Platzes spiegelt eine der bedeutenden Erwerbsquellen der Stadt Bad Salzungen in der Vergangenheit wieder, die Salzgewinnung. Im Mittelalter war Salz die am meisten gebrauchte Würze für Speisen sowie einziges Konservierungsmittel. Daher wird die Struktur des Salzes auf das Verlegemuster des Belages als auch auf die Ausstattungselemente übertragen. Ein bodenbündiger Wasserspiegel in Salzstruktur bietet im Sommer eine attraktive Bespielung des Platzes. Dampf- und Nebelschwaden steigen über dem Wasser auf und schaffen eine geheimnisvolle Atmosphäre auf dem Platz. Im Winter wird das Wasser abgeschaltet und der Platz ist als Ganzes nutzbar. Sitzelemente aus Beton stehen unter der locker gestellten, schattenspendenden Baumgruppe und laden zum Verweilen ein. Es entsteht eine hohe Aufenthaltsqualität auf dem neu gestalteten Bahnhofplatz.  

Beleuchtung
Entlang der Bahnhofstraße stehen Mastleuchten, die den Platz ausleuchten. Das Bahnhofsgebäude sowie der Turm werden mit Hilfe von Bodeneinbauleuchten illuminiert. Das Gebäude der überdachten Fahrradstellplätze erhält eine lineare Beleuchtungslinie. Effektbeleuchtungen unterhalb der Bäume tauchen den Platz am Abend in ein stimmungsvolles Licht. Das Wasserbecken wird ebenfalls illuminiert.
Da die Bestandsbäume augenscheinlich in einem schlechten Zustand sind, werden sie nicht in das Gestaltungskonzept integriert.