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Stadtpark an der Enz in Besigheim

Mehrfachbeauftragung

Ort: Besigheim (D)

Preis: 1. Rang

Datum: 08-2015

Auslober: Stadt Besigheim, Besigheim

Architekt: Wald+Corbe GmbH & Co.KG, Hügelsheim

Die Enz durchzieht die malerische Landschaft rund um Besigheim mit ihren Weinbergen, Wäldern, Wiesen- und Ackerflächen. Der Fluss ist gesäumt mit breiten Uferzonen, an die sich die angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Wiesen und Felder heran schieben. Wie in vielen anderen Regionen ist die Siedlungsgeschichte eng mit der Nutzung des Flusses verbunden. Er wurde als Transportmittel mit Flößen befahren oder galt den vielen Mühlen als Kraftantrieb. Heute hat die Bedeutung der Enz weniger mit der industriellen Nutzung des Flusses zu tun, sondern vielmehr mit ihrer ökologischen Wertigkeit durch die wertvollen naturnahen Uferabschnitte und ihrer prägenden Struktur für das Landschaftsbild und die Naherholung in der Region.

In Besigheim fließt der Fluss zwar durch die Stadt, seine Wasserflächen sind jedoch wegen der dichten grünen Auenränder nur selten erlebbar. Zudem wirkt das grüne Band zwischen der Altstadt und der neuen Siedlung mit Bahnhof und Industriegebiet eher als Trennung. Mit den beiden großen Brücken ist der Fluss schnell überquert und nur kurzzeitig erlebbar. Zudem ist die touristische Wahrnehmung der pittoresken Altstadt auf die steinernen Straßen und Gassen beschränkt. Von der gegenüberliegenden Stadtseite gibt es nur wenige Sichtbeziehungen auf die malerische Altstadtsilhouette, die auch noch das Privileg besitzt, von Süden besonnt zu sein.

Konzept

Die Umgestaltung der städtischen Flächen entlang der Enz im zentralen Verknüpfungsbereich der Altstadt und dem Wohnquartier der Weststadt hat zum Ziel, die Stadt ans Wasser zu führen und die trennende Wirkung der Enz aufzuheben und einen Stadtpark zu schaffen, der für die Naherholung der Besigheimer eine wichtige Rolle spielen wird. Er soll dabei einen hohen Aufenthalts- und Erlebniswert haben. Dabei spielt der Kernbereich an der Altstadtbrücke mit seiner Anbindung an das kleine Naherholungszentrum der Siedlung als Gelenk und Kreuzungspunkt für die übergeordneten Wegeverbindungen, vor allem für den durchgehenden Fuß- und Radweg entlang der Siedlungskante, eine besondere Rolle. Der Entwurf bildet einen Rhythmus von städtischen, öffentlichen Platzflächen, die als Gelenke zwischen der Stadt und dem Park positioniert sind.

Im Umfeld der Altstadtbrücke werden zwei städtische Schwerpunkte gesetzt. Nördlich der Brücke schafft eine Parkterrasse die Möglichkeit, von Gastronomie belebt zu werden. Der kleine historische Turm an dieser Stelle und auch Spielobjekte könnten den Aufenthalt auch für Familien mit Kindern interessant machen. Südlich der Brücke schiebt sich der terrassierte baumüberstellte Enzplatz bis an die Uferlinie heran. Auch er kann die angrenzenden gastronomischen Nutzungen stärker mit dem Fluss verknüpfen und die Aufenthaltsqualität durch die Lage am Wasser verbessern.

Gegenüber der Altstadt entsteht ein großzügiger und offener Wiesenpark, der sich mit der angrenzenden Freifläche der Retentionswiese bis in das Bahnhofsquartier hineinschiebt. Ein kleiner Platz markiert den Auftakt in die Grünfläche und stärkt zudem den Bezug der Bahnhofsachse entlang der Steinbachstraße.

Auch auf der Seite entlang der Altstadt wird der kleine Uferweg stärker herausgearbeitet. Dadurch kann ein attraktiver Rundweg als Ergänzung der Mühlgasse und der Vorstadt innerhalb der historischen Stadt geschaffen werden und der Bezug zur Enz gestärkt werden.

Der von Süden kommende Enzabschnitt wird bis zur Altstadtbrücke zwar extensiv gestaltet, ist aber über ein neues Wegenetz stärker mit der Siedlung verknüpft. Die Uferlinie der Enz wird im Kontrast zum befestigten Fuß- und Radweg an der Stadtseite von einem neuen untergeordneten Splittweg begleitet. Dieser gibt die Möglichkeit, im Schatten der Auengehölze die Enz näher und direkter zu erleben. Der Bereich der alten Mühle wird als Mühlenspielplatz in einen attraktiven Erlebnisbereich verwandelt. Er kompensiert den vorhandenen Spielplatz, an dessen Stelle ein stadtnaher Parkplatz entsteht.

 

Entwurf

Brücken

Die zwei neuen Fußgängerbrücken werden in den jeweils vorgegebenen Korridoren verortet. Die nördliche Brücke im Bereich „alte Kelter“ startet in Verlängerung der Straße „Vorstadt“ und endet an der Stadtkante. Die südliche Fußgängerbrücke startet auf dem Rasenplateau des Pfeiffer’schen Gartens und verbindet sich mit dem Westufer auf dem neu geschaffenen Mühlenplatz. Der aus wasserwirtschaftlicher Sicht erforderliche Freibord wird eingehalten.

Wegehierarchie

Der neue Weg entlang der Stadt- und Parkkante von Besigheim wird in das übergeordnete Fuß- und Radwegesystem des Enztalradwegs integriert und verbindet sich über die neue Brücke mit dem gegenüberliegnden Pfeiffer’schen Garten sowie dem entlang des Ostufers weiterverlaufenden Enztalradweg. Des Weiteren bindet er die Stadt Besigheim an die Weinberge und den Niedernberg an. Er ist ca. 3m breit und in Asphalt ausgeführt. Entlang der Parkseite wird er durch einen Betonkantenstein als Stadtkante gefasst. Die untergeordneten Ufer- und Parkwege sind in wassergebundener Wegedecke ausgeführt, vernetzen sich mit dem Stadtkantenweg und durchziehen den Park und die Auenwiesen. Das Natursteinmaterial des der Altstadt vorgelagerte Uferwegs wird beibehalten und ggf. ausgebessert. Durch die Verortung neuer Bänke entlang der Stadtmauer entsteht eine neue Aufenthaltsqualität.

Mittels der neuen Brücken und Wege soll ein Rundweg entstehen, der die Altstadt an ihrem Tief- und ihrem Hochpunkt mit der Weststadt über die Enz hinweg verbindet.  Der Enzweg bleibt als Erschließung für die Weinberge, die Fa. Rossmann und als Notzufahrt zum Werksgelände der BASF Pigment GmbH erhalten. 

Plätze

Die Plätze sollen eine besondere Rolle im öffentlichen Raum spielen. Sie fungieren als urbane Trittsteine und vernetzen die unterschiedlichen Bereiche der Stadt mit den verschiedenen Freiraumzonen sowie direkt mit dem Wasser der Enz. Die einheitliche Gestaltungssprache der Plätze über Materialität und Ausstattung wie z.B. Betonwerkstein und Bänken verbindet die einzelnen Orte zu einem gestalterischen Gesamtkonzept.

Ein wichtiges Gelenk zwischen der Weststadt und dem Enzufer ist der Enzplatz, der sich mittels Stufenpaketen zum Ufer hinuntertreppt und dadurch platzartige Aufweitungen schafft, auf denen Außengastronomiegestühl zum Verweilen einlädt. Zudem sind Bänke in die Stufenanlagen integriert, von denen aus man im Schatten der locker über den Platz verteilten Gleditschien einen wunderbaren Blick auf die Enz und die historische Altstadt genießen kann. Der neue Terrassenplatz bietet leicht erhöht einen guten Überblick über den Ufergarten, die Enz und auf die Altstadt. Gleichzeitig sind hier einige Spielgeräte verortet, die Kindern das Spielen ermöglichen während ihre Eltern im Café sitzen.

Die nördliche Fußgängerbrücke startet am Enzbalkon, von dem aus man einen guten Überblick in das nördlich angrenzende Landschaftsschutzgebiet hat. Eisvögel etc. können aus der Ferne beobachtet werden. Die Brücke landet am Westufer auf dem Brückenplatz, der gleichzeitig den Auftakt des Ufergartens bildet.

Ein besonderer Platz ist der Mühlenspielplatz. Im nahen Umfeld der Ernst’schen Mühle werden im Schatten eines Auenbaumhains am Fuße der Fußgänger- und Radfahrerbrücke unterschiedliche Spiel- und Sportaktivitäten zum Thema „Mühlenspiel“ wie z.B. kleine Mühlenräder, wasserangetriebene Objekte wie z.B. Stangen, etc. verortet. Um die Verbindung zur ortsansässigen Industrie herzustellen, wäre vorstellbar, die Spielplatzgeräte im übertragenen Sinne mit den Farbpigmenten der BASF Pigment GmbH „einzufärben“ und die Spielhügel in ähnlicher Weise als Farbpigmenthügeln zu modellieren. Gleichzeitig bietet der östliche Teil des Platzes Radtouristen ein schattiges Plätzchen mit freiem Blick auf die Enz.

Ufergarten

Gegenüber des Altstadtufers, eingerahmt von der nördlichen Fußgängerbrücke sowie der Altstadtbrücke, entsteht der neue Ufergarten. Die Ufervegetation wird entlang des Abschnittes gegenüber der historischen Stadtkante, die mit ihren Mauern und Gärten sichtbar ist, bewusst aufgebrochen, um die Sicht auf die schöne Altstadtsilhouette zu verstärken. Die vorhandenen Gruppen von Kastanien werden in den nächsten Jahren zurückgenommen und nicht wieder ergänzt. Dadurch schieben sich die parkartig gestalteten Wiesenflächen bis an das Ufer der Enz heran. Picknick, Federball, Sonnen sind nur einige Aktivitäten, die hier in Zukunft möglich sein werden. Die Uferkante wird in diesem Bereich mit linearen Holzdecks versehen, die ein direktes Sitzen am Wasser ermöglichen. Vegetationsfelder in den Holzdecks lockern die lineare Form der Holzdecks auf. Zusätzlich laden entlang der Wege Bänke alle Generationen zum Verweilen ein.

Das Regenüberlaufbecken Wasen bleibt in seiner Lage und Funktion einschließlich der damit verbundenen Leitungstrassen uneingeschränkt erhalten. Eine mit Bäumen überstellte Auenwiese umschließt die Anlage und schafft einen landschaftlichen Übergang zum Landschaftsschutzgebiet.

 

Pfeiffer’scher Garten

Der Pfeiffer’sche Garten wird aufgewertet und zukünftig seinem Namen gerecht. Von der Bügelestorstraße führen vom Auftaktplätzchen des Pfeiffer’schen Gartens Stufen zum Ufer der Enz und über die neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke ans Westufer. Das Umfeld des Pavillons wird als Terrassengarten in Anlehnung an den Weinberganbau mit Mauern aus z.B. Muschelkalk hergestellt. Stauden, Gräser und Sommerblumen verbreiten eine idyllische Atmosphäre. Eine Bank lädt zum Verweilen ein und eröffnet den Blick auf das südliche Streichwehr der Enz. Vom Pfeiffer’schen Garten sind die Enzaue und die westlichen Stadtbereiche mit den Weinbergen zu überblicken. Die Ufervegetation wird etwas ausgelichtet, um von zu floßartig zusammengelegten Holzstämmen einen freien Blick auf die Mühleninsel zu erlangen und die Südsonne am Enzufer genießen zu können.

Auenwiesen

Die südlich der Altstadtbrücke liegenden Auenwiesen sind offene und weitläufige Wiesenfläche mit direktem Wasserbezug, die vielfältig nutzbar sind. Sie laden ganz selbstverständlich zum Sonnenbaden, Spazieren und Schmetterlinge beobachten oder Ähnlichem ein. Entlang der Enz bildet ein Hain aus Auengehölzen eine lichte grüne Kulisse. Ein Holzsteg führt auf die kleine vorgelagerte Insel, um einen direkten Wasserbezug zu schaffen.

Die Uferrandstreifen und die Insel zwischen Fluss und Kraftwerkskanal werden mit besonderer Sorgfalt behandelt. Die Fischtreppe am Rand des Streichwehrs bleibt unverändert.

Als Abschluss und verbindendes Element zugleich bildet die als Asphaltweg ausgebildete Stadtkante eine klare Kante zwischen der Weststadt und dem Enzauenpark. Begleitet wird der Weg von einem Graben. Möglich wäre zudem die Ausbildung einer Flutmulde in der Auenwiese um weiteres Rückstaupotential zu schaffen.

Auenwäldchen

Die bestehende dichte Auengehölzstruktur wird erhalten und gepflegt. Spaziergänger gehen entlang wechselfeuchter Krautschichten mit Schatten liebenden Stauden und Gräsern. Dabei können sie die Flora und Fauna des Auenwäldchens beobachten. Es entsteht eine fast schon mystische Gegenwelt zur klar strukturierten Ufergestaltung des Ufergartens. Durch das gezielte Wegeangebot soll die Fauna und Flora am übrigen Enzufer geschützt werden.  Unterhalb der Brücke der B27 liegt vor der Aue ein Kanuanlegesteg am Ufer der Enz. Die Auenwiesen und der Auensaum entlang der Enz schaffen einen sanften Übergang in die Landschaft.

Nutzungen

Die Enz wird in Zukunft vielfach erlebbar sein und ein ausgewogenes Konzept von touristischer Flussnutzung als auch ökologischer Flussaufwertung erhalten. Nutzungen auf dem Fluss, z.B. mit dem Kanu, etc., an dem Fluss durch direkten Kontakt mittels Wegen, Stegen, Balkonen, Plätzen, Promenade, etc. die das Beobachten von Flora und Fauna ermöglichen sowie in dem Fluss z.B. Baden, Angeln, „Forschen“, Füßebaden, etc. stellen die vielfältigen touristischen Angebote dar. Ökologische Aufwertungen erfolgen z.B. im Bereich der Uferzonen und Auenlandschaften.

Parken am Park

Die Altstadt und zukünftig auch der Stadtpark Besigheims als Touristenmagneten werden Besucher und Autoverkehre nach sich ziehen. Daher bleibt der Stellplatz südlich der Altstadtbrücke weitestgehend erhalten. Zusätzlich wird nördlich der Brücke der B 27 eine Fläche mit ca. 70 Stellplätzen angeordnet. Über die neue Fußgängerbrücke ist die Altstadt in Zukunft zügig erreichbar. 

Blickachsen

Vorhandene Blickachsen wie z.B. Bahnhof – Rathaus werden gestärkt und freigehalten. Neue Blickachsen werden eröffnet und bieten einen ausgezeichneten Blick auf die Altstadtsilhouette von Besigheim.

Beleuchtungskonzept

Die übergeordneten Verbindungselemente wie der Enztalradweg und die Radfahrerbrücke werden nachts beleuchtet, um ihre Nutzung auch bei Dunkelheit zu gewährleisten. Darüberhinaus erhalten auch die städtischen Orte des neuen Stadtparks wie der Enzplatz eine Ausleuchtung, um ihn bis in die späten Abendstunden zu beleben.

Ökologische Belange

Die wasserbegleitenden Auegehölze werden weitestgehend erhalten, um sie als Leitstruktur, Jagdhabitat und Quartiers- und Nistmöglichkeit für Vögel und Fledermäuse zu erhalten. Entlang des östlichen Ufers sowie den Mühleninseln vorgelagert werden Zonen mit Hochstauden wie z.B. Blutweiderich, Röhrichten, etc. gepflanzt, um Nistmöglichkeiten und Nahrungsgebiete zu schaffen.

Berücksichtigung der Belange des Hochwasserschutzes

Das Vorhabensgebiet liegt fast vollständig innerhalb des nach § 65 WG festgesetzten Überschwemmungsgebietes. Die Hochwassergefahrenkarten zeigen verschiedene hochwasser­gefährdete Bereiche auf. Dies betrifft vor allem das Werksgelände der BASF Pigment GmbH, die südlich davon angrenzende Wohnbebauung am Enzweg bzw. an der Bahnhof- und Riedstraße. Als Hochwasserschutzmaßnahme ist westlich des Enzweges der Bau einer Hochwasser­schutzmauer vorgesehen. Bei geringeren Fehlhöhen können hier anstelle der Mauer auch Geländeprofilierungen ausgeführt werden. Die Notzufahrt zum Werksgelände der BASF Pigment GmbH kann durch den Einbau von Dammbalken sichergestellt werden

Entlang des Riedweges soll der Hochwasserschutz für die Bebauung Bahnhofstraße bzw. Riedstraße entweder durch Höherlegung des Riedweges (Stadtkantenweges) oder bei entsprechend erforderlicher Schutzhöhe in Form einer Hochwasserschutzmauer hergestellt werden. Die Schutzmauern sollen entsprechend gestalterisch in das Gesamtkonzept eingebunden werden.

Die Wirkung der Hochwasserschutzmaßnahmen auf die Wasserstände bzw. den Abfluss muss im Zuge der weiteren Planung entsprechend dargestellt und möglicherweise zur Kompensation erforderliche Retentionsflächen untersucht werden.

Eine Kompensationsmaßnahme könnte in Form einer Flutmulde im Bereich des neuge­schaffenen Mühlenplatzes realisiert werden.