1/4 Teil-Quartier Dormagen-Horrem

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Teil-Quartier Dormagen-Horrem

Nichtoffener Wettbewerb

Ort: Dormagen (D)

Preis: 1. Preis

Datum: 05-2020

Auslober: Baugenossenschaft Dormagen eG, Dormagen

Architekt: Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner, Düsseldorf

Die heutige Siedlung Horrem ist in den letzten 40 Jahren zu einem beliebten Wohnstandort am Rande der nahegelegenen Großstädte entwickelt. Günstiger Wohnraum und vor allem eine besonders gute Verkehrsanbindung waren  Garant eines bescheidenen Wohlstands, der sich in einem lebendigen und vielfältigen Zusammenleben der Menschen unterschiedlicher Kulturen ausdrückte.

Aus freiraumplanerischer Sicht hat das Quartier große Potentiale aber auch einige Defizite, die vor allem aus einem Städtebau begründet sind, der den MIV und die entsprechenden Straßenräume in den Vordergrund stellte. Die Grünflächen dieser Zeit hatten funktionale Anforderungen zu befriedigen, waren Abstandsgrün oder offene Rasenflächen mit Teppich- und Wäschestangen, die wohnungsnah gelegen den Mietern zur Verfügung standen. Da zu dieser Zeit keine Tiefgaragen unter die Häuser gebaut wurden standen die Autos nach Feierabend im Straßenraum oder auf versiegelten Garagenhöfen herum. Dieser Zustand dominiert leider auch heute den öffentlichen Raum. Qualitätsvolles Stadtgrün ist nur vereinzelt erlebbar. Weder der öffentliche Raum noch der halböffentliche Bereich zwischen den Wohnzeilen und den hohen Geschoßbauten werden von den Bewohnern als wertvolle Rückzugs- oder Begegnungsorte wahrgenommen.

Großes Potential haben hingegen die ausgewachsenen grünen Gehölzvolumen, die sich an den  Böschungen zu der Straßen gebildet haben und natürlich auch die gewachsenen Parkanlagen und vereinzelten Gehölzgruppen, die he an den Quartiersrändern gebildet haben. Auch innerhalb der Siedlung gibt es viele stattliche Baumkulissen die eine hohe Qualität in das Wohnumfeld tragen.

Potentiale eines gesunden Wohnumfeldes

 

Die Erwartungen an ein gesundes Wohnumfeld sind groß und werden zukünftig

noch größer werden. Parkanlagen und grüne Aufenthaltsbereiche erzeugen

Identität und ein wohlig-beruhigende Gefühl, belebter Szenerien, grüner Freiraum kühlt durch Schatten und Verdunstung, bindet Staub, Schadstoffe und Kohlendioxid ist vielfältiger Lebensraum und zudem verdeckt er manche misslungene Gestaltung.

Sein größter Nutzen hinsichtlich der Klimafolgen ist jedoch, dass Bäume in den Wasserkreislauf unmittelbar eingebunden sind. Sie nehmen Niederschlags- und Grundwasser auf, speichern und verdunsten es, halten den Boden zusammen und leben in Symbiose mit seinen Lebewesen.

Die Zunahme der Temperatur und weiterer extremer Wettersituationen werden die verfügbaren Ressourcen für Schadensbeseitigung, Wiederaufbau und Wandel hinsichtlich der Annehmlichkeit des städtischen Lebens (»Convenience«) binden. Das Wohnumfeld kann dabei einen wichtigen

Beitrag leisten. Wird der Grünanteil in einem Quartier durch Entsiegelung, Straßen-, Wand-, Dach- und Hofbegrünung wesentlich erhöht, kann die Temperatur an heißen Sommertagen

deutlich abgesenkt werden. So könnte der durch den Klimawandel verursachte Temperaturanstieg zumindest in gewissem Umfang kompensiert werden.

 

 

Bürgerboulevard

Das vorhandene Erschließungsnetz wird die Grundlage für ein hierarchisch strukturiertes System von Wegen und eine klein körnige Parzellierung gibt dem Quartier seine maximale Anpassungsfähigkeit für die Zukunft. Ein Großteil der Menschheit wird in Zukunft in städtischen Umgebungen leben. Das neue Quartier zeigt wie eine hohe Lebensqualität mit einer positiven Auswirkung auf die natürliche Umwelt verknüpft werden kann. Dabei stehen die Flächen für Wasserhaltung in Mulden und die Bepflanzten, schattigen Zonen im Vordergrund, da sie Lebensraum für Tiere bieten und durch die Verdunstungskälte das Stadt Klima verbessern. Der Flächenanspruch auf Wohnfläche wird auf das tatsächlich notwendige beschränkt. Eine Vielzahl von gemeinschaftlich nutzbaren Flächen mit hoher Aufenthaltsqualität wirkt positiv auf das soziale Miteinander.

 

Der Bürgerboulevard spielt dabei eine besondere Rolle. Auf der einen Seite ist er Identitätsträger im Quartier und sortiert die vielen gleichförmigen Straßen im Quartier neu. Er ist der zentrale Ring an dem alle öffentlichen Plätze liegen. Ein boulevardartiger Grünraum auf dem man im Schatten der neugepflanzten Straßenbäume Spazieren kann.

Er ist aber auch für den Verkehr ein zentraler Verteiler, wobei der Fahrspur des MIV auf ein funktionales Mindestmaß reduziert wird und in eine Tempo 30 Zone umgewandelt wird. Dies ermöglicht es eine 4m breite Fahrradschnellspur (auch als Protected-Bike-Lane denkbar) einzufügen. Ein differenziertes Angebot an Fahrradabstell-Möglichkeiten, in unmittelbarer Nähe zu Wohnung, Arbeits- und Ausbildungsstätte sowie an allen wesentlichen Zielen, unterstützt seine Nutzung im Alltagsverkehr. Dezentral verfügbare differenziert Miet-/ Leihangebote (Fahrräder und Pedelecs unterschiedlicher Bauformen, Roller, ...) unterstützen das erklärte Ziel der Stärkung einer emissionsfreien Nahmobilität.

Zudem gibt es im Bürgerboulevard ein Starkregensensibles Oberflächensystem aus Tiefbeeten, die Regenwasser Abflußspitzen reduzieren und Oberflächenwässer verdunsten und versickern lassen können. Zudem kann die entsprechende Vegetation mit Hochstauden ergänzt werden, was auch zu einer ästhetischen Aufwertung des

Mobilitätshubs

Alle privaten und öffentlichen Parkierungsanlagen werden, je nach Lage und ÖPNV-Anbindung differenziert, als „Mobilitätshubs“ mit einem ganzheitlichen Mobilitäts-, Informations- und Service-Angebot ausgestattet. Hier kann ich mein eigenes Fahrzeug sicher abstellen, das Verkehrsmittel wechseln, Service-Angebote nutzen (Lieferservice, Bürgerservice, ..., Lademöglichkeit, …) und alle Informationen rund um das Thema Mobilität erhalten. Von hier aus erfolgt auch die „Feinverteilung“ der KEP-Dienste nur noch mittels Lasten-Pedelecs o.ä. Eine APP „Horrem-Mobil“ bündelt alle Angebote. Im Nahbereich, in den „Nachbarschaften“ ergänzen die kleineren „Mobilitäts-Punkte“ das Angebot als Übergabe- und Anlaufpunkte für die Bewohner.

 

Straßen und Platzräume

Neben dem Bürgerboulevard werden die Straßen und Platzräume innerhalb des Quartiers konsequent nach dem Grundsatz „Straßen für Menschen“ umgestaltet indem die Flächen neu aufgeteilt werden. Der ruhende Kfz-Verkehr wird konsequent heraus genommen, auf dem Grundstück und in z.T. neu zu bauenden Quartiersgaragen untergebracht. Parkstände im öffentlichen Raum sollte nur noch für Mobilitäts-Eingeschränkte  Personen, Sharing Angebote sowie Liefer- und Ladezonen vorgesehen werden. Die damit verfügbar werdenden Flächen stehen für Straßenbäume (Schattenspender), Begrünung und Gestaltung der Stadträume,  Fahrradabstellanlage, Geh- und Aufenthaltsflächen sowie Kunst und Kultur zur Verfügung („Stärkung der Nahmobilität“).

Grüne Wohnhöfe lebendige Nachbarschaften

Jeder Wohnblock bietet seinen Bewohnern einen grünen Innenhof, der mit Mietergärten, Spielflächen für Kleinkinder und Gemeinschaftsflächen für gemeinsame Treffen oder kleine Feste ausgestattet ist. Für die Nachbarschaften stehen für Begegnungs- und Erholungsorte im Grünen Saum und in den kleinen Quartiersparks zur Verfügung. Sie sind über Grünfugen miteinander verbunden. Dadurch entstehen vielfältige Raum und Blickbeziehungen zwischen dem Inneren und dem Äußeren Quartier. Die Plätze zum Aufenthalt im Freien bieten sowohl besonnte und windgeschützte als auch schattige Zonen für den Sommer. Bepflanzung und Wasserflächen generieren im Sommer Verdunstungskühlung. Die Oberflächenmaterialien begünstigen eine Reflexion der Solarstrahlung und tragen so, gemeinsam mit begrünten Dächern und Parkflächen zu einer Verbesserung des Mikroklimas im Sommer bei. Insgesamt ist eine stärkere Durchgrünung des Stadtraums wichtig. Priorisierung der Maßnahmen:

1.     Straßenbäume/ Straßenbegrünung

2.     Fassadenbegrünung

3.     Dachbegrünung ( Effekt gegen Aufheizung begrenzt, eher für Thema Niederschlag wichtig)

Der grüne Saum

Mit den begrünten Böschungen und Flächen entlang der Gebietsbegrenzenden Straßen hat sich im Laufe der Jahre eine dichte Vegetation um das Quartier entwickelt, die ihm auch räumlich eine deutlich ablesbare Grenze verleihen. Diese grünen Volumen haben neben ihrer stadtökologischen Funktion auch das Potential als zusammenhängendes Freiraumsystem entwickelt zu werden. Ein durchgehender Rundweg kann sowohl für  Jogger und Fahrradfahrer als auch für Spaziergänger als wertvoller Freiraumbaustein werden. Auch neue Spiel- und Sportplätze können wohnungsnah entstehen und den Naherholungswert deutlich erhöhen. Auch lärmintensivere Nutzungen wie BMX Parcours, kleiner Bolzplätze oder Treffpunkte für Jugendliche können hier integriert werden ohne in Konflikt mit der unmittelbaren Wohnnutzung zu kommen.