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Archäologischer Landschaftspark ErftstadtErlebnisraum Römerstraße

Realisierungswettbewerb

Ort: Erftstadt (D)

Preis: Anerkennung

Datum: 12-2008

Auslober: Stadt Erftstadt

Architekt: mvm architekt + starke architektur, Köln

Das faszinierendste der Archäologie sind die Spuren, die die Geschichte hinterlässt. Die Römerstrasse ist heute nicht mehr in Gänze sichtbar. Sie ist vielfach zerstört, überbaut, bewachsen, zertrennt oder durch moderne Strassen überformt. Nur aus der Vogelperspektive erkennt man heute noch an wenigen Orten den Schatten der Vergangenheit. Aufgrund unterschiedlich starker Bodenverdichtungen wird die Agrippastrasse durch die jeweilige Bepflanzung wieder sichtbar. Der archäologische Park Erftstadt bringt die Besucher in die Höhe, um die Spuren der Römerstrasse im Boden zu entdecken.

Linie und Bewegung: - Die Verbindung zweier Orte geschieht durch eine lineare Straße.
Punkt und Rast – Eine Straßenverbindung wird von punktuellen Rasthöfen begleitet.

Linie und Bewegung:
Die Agrippastrasse war als immer gleicher Schotterkörper in der wechselnden Landschaft aufgebaut. Die umliegende Agrarlandschaft hat sich durch Erosion um ca. 1m im Laufe der letzten 2000 Jahre gesenkt. Diese Kombination bildet die Grundlage für eine Neuinterpretation der Agrippastrasse als begehbare Erdskulptur, die gleichzeitig das Bodendenkmal Römerstrasse konserviert. Diese Erdskulpturen bilden zwei Pole, die über den Schatten der Vergangenheit visuell miteinander verbunden sind. Auf der Nordostseite der Erft und der Südwestseite der Autobahn entsteht jeweils eine Erdskulptur zur Betrachtung der Römerstrasse aus einer erhöhten Position. Somit hat der Besucher die Möglichkeit die modernste und die älteste Straßenverbindung zusammen zu betrachten. Die Querung der Erft bleibt dabei so imaginär wie das bisherige Wissen über diese Querung in Form einer Brücke oder einer Furt. Die Erdskulptur an der Autobahn hat eine Höhe von 8 bis 10m und bildet zudem eine deutliche Landmarke für die reisenden Autofahrer, sodass diese die Römerstrasse als linear kreuzendes Element wahrnehmen.
Durch den Kontakt mit der Autobahn wird deutlich, dass das Thema Technik eng mit dem Thema Mobilität verbunden ist. Automobile, Schiffe, Flugzeuge: Die Entdeckung der Metalle, insbesondere die Herstellung von Stahl hat die Mobilität revolutioniert. Großformatige Stahlplatten dienen als begehbare Informationsträger auf der rasenbedeckten Erdskulptur. Sie enthalten römische Zitate und erzählen die Geschichte der Mobilität der Vergangenen 2000 Jahre. Der Besucher wird dadurch auf seinem Weg zur Autobahn entschleunigt. Eine Aussichtsplattform am Ende des Weges verdeutlicht dann das Wesen in der Veränderung der Mobilität von damals und heute: die Geschwindigkeit.
Wie im Rahmenplan vorgeschlagen wird die Route der Römerstrasse aufgrund der Barrieren Erft und Autobahn temporär verlassen. Ein By-Pass-Weg nutzt die vorhandenen Brückenverbindungen zur Querung beider Barrieren und führt den Besucher nach der Begehung der Rasenskulpturen wieder auf die Römerstraßenroute.


Punkt und Rast:
Neben dem Bodendenkmal Römerstrasse wird das Bodendenkmal der Villa Frauenthal zum bedeutenden Teil des Archäologischen Parks Erftstadt. Aufgrund der geringen Entfernung zur Agrippastrasse wird hier ein ehemaliger Rasthof (Mansio) vermutet. Das Thema des Rasthofes wird aufgenommen und mit Hilfe von archäobotanischen Mitteln in der rheinischen Landschaft kenntlich gemacht. Ein Raster aus „angereisten“, von den Römern einst eingeführten Wallnussbäumen mit Lavendelgärten aus der Provence als Symbol für die Landschaft des Zielortes der alten Agrippastrasse, bildet einen ungewöhnlichen Ort am südwestlichen Rand von Erftstadt. Ein Rasenteppich unter dem Wallnusshain wirkt wie eine grüne Picknickdecke in der landwirtschaftlich geprägten Umgebung aus Getreidefeldern, Maisfeldern und Wiesenflächen. Ein Aussichtsturm aus Stahl bringt auch hier die Besucher in die Höhe, um den schemenhaften Grundriss der Villa zu entdecken. Der Stahl korrespondiert dabei mit den Aussichtsplattformen der Rasenskulpturen und dient im Inneren des Turmes wieder als Informationsträger. Schriften an den Turmwänden erzählen dem Besucher auf seinem Weg nach oben von Mansios, Badehäusern und Meilensteinen entlang der Römerstrasse. Unter dem Hain aus Wallnussbäumen befinden sich Parkplätze für Fahrräder und PKW für die unterschiedlich anreisenden Besucher. Bei Bedarf könnte eine Gastronomie im Hain platziert werden.