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Umgestaltung der Ebertstraße in Gelsenkirchen

freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb

Ort: Gelsenkirchen (D)

Preis: 3. Preis

Datum: 09-2010

Auslober: Stadt Gelsenkirchen

Verkehrsplaner: Fredersdorf Consulting, Köln

Der überdimensionierte Raum der Ebertstraße entstand nach den Wiederaufbauplänen in den Nachkriegsjahren. In den 70er Jahren wurde dieser diffuse Stadtraum durch die U-Bahntrasse weiter belastet.Die Ebertstraße ist nach der Bahnhofstrasse und dem Heinrich König Platz der dritte Abschnitt der Gelsenkirchener Innenstadt, der in den kommenden Jahren umgestaltet werden soll. Dieser Abschnitt ist als Teilraum des Innenstadtgefüges zum einen von der städtebaulichen Beziehung zwischen Hans Sachs Haus und dem Theater im Revier (Kulturachse) geprägt. Zum anderen ist er vor allem durch die verkehrlichen Rahmenbedingungen der U-Bahn, der Florastrasse und der Anliegerstraße bestimmt.

Durch die fortgeschrittene Umgestaltung der Gelsenkirchener Innenstadt sind gewisse Rahmenbedingungen für die Umgestaltung der Ebertstraße vorgegeben. Im Zusammenhang mit der Umgestaltung der Bahnhofstrasse ist ein Corporate Design für die Innenstadt entstanden. Darin wurden vor allem Vorgaben für die Ausstattungen im öffentlichen Raum gemacht worden. Das Wettbewerbsverfahren Heinrich König Platz hat weitere Vorgaben zur Gestaltung in Hinblick auf Beläge und die Einhausung der U-Bahnabgänge gemacht. Das Vegetationskonzept sieht die Verwendung von geschnittenen Bäumen vor. Dies wurde in der Bahnhofstrasse bereits umgesetzt und im Wettbewerbsbeitrag Heinrich König Platz in Form eines Baumkarrees wieder aufgenommen und fortgesetzt.

KONZEPT
Vorrangiges Ziel des Freiraumkonzeptes ist die Reparatur des Raumes in der Ebertstraße und die Stärkung der Sichtbeziehungen zwischen Theater, Hans Sachs Haus und Heinrich König Platz sowie die Entrümpelung und Neuordnung des Bereiches. Die Reparatur des Raumes und die Inszenierung des Theaters nehmen städtebauliche Gedanken von Werner Ruhnau, dem Architekten des Musiktheaters im Revier, auf und setzten sie mit landschaftsarchitektonischen und kleinarchitektonischen Elementen um.
Eine geschnittenen Baumreihe, ein Kulturgarten unter einem Baumdach, ein Lichtteppich sowie der U-Bahnschacht mit einer neuen Wasserrampe bilden Leitlinien für die Fußgängerströme in der Ebertstraße und stärken die städtebaulichen Sichtbeziehungen. Im Sinne eines einheitlichen Gestaltungkonzeptes für die Gelsenkirchener Innenstadt nimmt das Freiraumkonzept für die Ebertstraße wesentliche Bestandteile des Corporate Design und des ersten Preisträgers des Wettbewerbsverfahrens Heinrich König Platz auf. Diese werden durch ein identitätsstiftendes Lichtkonzept und die Gestaltung der U-Bahn-Rampenanlage ergänzt.

GESTALTUNG
Die Gestaltung der Ebertstraße orientiert sich sowohl an der Gestaltung der Bahnhofstraße als auch am Gestaltungsvorschlag für den Heinrich König Platz.

Vegetation:
Die geschnittenen Platanenlinien aus der Bahnhofstraße werden in der Ebertstraße fortgeführt. Das Baumdach über dem neuen Kulturgarten orientiert sich an dem geplanten Baumkarree an der Propstei-Kirche und könnte sich westlich des Theaters fortsetzen. Zudem werden mehrere Bestandsbäume im Kulturgarten erhalten. Der Kulturgarten erhält einen Rhythmus aus ca. 1m hohen geschnittenen Heckenlinien, die kleinteilige Raumsituationen für wechselnde Kunstinstallationen schaffen.

Material:
Die Ebertstraße erhält einen Belag aus Betonplatten mit wechselnden Formaten aus freien Länge und freien Breiten. Der Kulturgarten besteht aus einer wassergebundenen Decke, auf der neben einigen Theatersesseln auch temporäre Kunstausstellungen z. B mit Plastiken und Skulpturen stattfinden können. Die Baumscheiben der östlichen Platanenreihe bestehen ebenfalls aus wassergebundener Decke.

Beleuchtung:
Zwischen dem Hans Sachs Haus und dem Musiktheater entsteht ein Lichtteppich aus Lichtlinien im Plattenbelag, die einen besonderen Akzent setzen und dem Raum einen eigenen Charakter geben. Unter den Platanen werden Lichtstelen gemäß des Corporate Designs der Stadt verwendet. Die Seitenwände der U-Bahnrampe werden beleuchtet und dadurch das tägliche Erscheinungsbild eines dunklen Loches in der Nacht umgekehrt.

Ausstattung:
Eine Wasserrampe bildet die neue Attraktion auf der Ebertstraße und dient dabei gleichzeitig als Leitlinie zum Musiktheater. Der Bereich südlich der U-Bahnrampe ist gegenüber dem angrenzenden Belag durch den darunterliegenden Tunnel um ca. 1m erhöht. Auf dieser Erhöhung wird die Wasserrampe installiert und tritt dadurch in einen Dialog mit dem Tunnelbauwerk und der U-Bahnrampe. Die Wasserrampe besteht aus einem Betonplatten- oder Natursteinplattenbelag und dient als neuer Anziehungspunkt in der Gelsenkirchener Innenstadt. Unter der östlichen Platanenreihe werden Bänke und Papierkörbe Aus dem Corporate Design Katalog aufgestellt.

Verkehr:
Die Verkehrssituation bleibt im Wesentlichen bestehen. Südlich des neuen Kulturgartens können ca. 40-50 Parkplätze nachgewiesen werden. Diese werden durch Hecken vom Kulturgarten abgeschirmt, bilden jedoch durch das gemeinsame Dach eine gestalterische Einheit. Die Westliche Erschließungsstraße bleibt in Ihrer Funktion erhalten. Ein einheitlicher Betonplattenbelag dient allerdings zur Verkehrsberuhigung. Unter der Platanenreihe werden weitere 10 -15 Parkplätze für die angrenzende Ladenzone als Kurzzeitparkplätze erhalten bzw. angeboten. Der Übergang über die Florastraße erfolgt zentral zum eingeschossigen Eingangsbauwerk des Theaters. Dadurch wird eine optimale Schnittstelle zwischen Fußgängerstrom und Pkw-Verkehr erzeugt.

Kleinarchitekturen:
Die Einhausungen der U-Bahnabgänge und der Wartehäuser bekommen ebenfalls eine einheitliche Gestaltung aus einer Beton-Glaskostruktion, die sich im Sinne eines Gesamtkonzepts am Gestaltungsvorschlag des Heinrich König Platzes orientiert.