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Landesgartenschau Höxter 2023

offener Wettbewerb

Ort: Höxter (D)

Preis: 3. Preis

Datum: 02-2020

Auslober: Landesgartenschau Höxter2023 gGmbH

Visualisierer: scoopimages, Hamburg

Mit der Bewerbung um die Gartenschau in 2023 hat sich Höxter bereits intensiv mit ihren Bürgern auf den Weg gemacht, um die Defizite und Potentiale der Stadt zu ergründen. Dabei wurden schon viele positive Alleinstellungsmerkmale identifiziert.   Das Naturschutzgebiet Bielenberg schiebt sich weit an den Altstadtkern heran und verbindet die Siedlung mit dem Landschaftsraum. Auch das Brückfeld im Osten und die Godelheimer Seen südlich der Stadt sind für die Naherholung von hoher Bedeutung. Der mittelalterliche Altstadtkern ist heute auf den Flächen der ehemaligen Graben Wallanlage als Stadtbefestigung mit einem grünen Park aus hohen alten Bäumen umgeben. Die Marktkirche St. Peter und Stiftskirche St. Paul sind in städtebauliche Strukturen eingebunden und dominieren die Stadtsilhouette.

Natürlich spielt das Reichskloster Corvey als UNESCO Weltkulturerbe, mit der Blutbuchenallee als barocke Achse in die Stadt, eine große Bedeutung. Das Benediktinerkloster besitzt eine der bedeutendsten Bibliotheken. Das Karolinger Westwerk aus der Frühzeit der Abtei dominiert das heutige Gebäudeensemble. Von herausragender Bedeutung für die Archäologie ist auch die im Weserbogen gelegene früh mittelalterliche Markt- und Fischersiedlung mit städtischen Rechten – Civitas Corvey, die durch ein Feuer untergegangen und nie mehr aufgebaut worden ist. Sie entstand an der Weser-Furt, der uralten Ostwestverbindung des westfälischen Hellwegs, der hier die Weser querte.

Alles kulturell Gewachsene und die Morphologie der Naturlandschaft des Holzmindener Wesertals sind von den Jahrtausend alten Windungen des Flusses dominiert. Die Weser ist zwar ausgewiesene Schifffahrtsstraße, seit dem Strukturwandel der Montanindustrie jedoch heute lediglich für touristische Ausflugsfahrten genutzt. Der Fluss begleitende Weg entlang der grünen Ufer wird nach Norden von der Bahnstrecke Altenbeken-Kreiensen in Dammlage begleitet. An zwei ebenerdigen Übergängen und drei Unterführungen kann die Stadt von der Weser aus erreicht werden.

Konzept

Das landschaftsarchitektonische Konzept hat zum Ziel, die oben beschriebenen Bereiche Wallanlage, Weserwiesen, Kloster Corvey und die verschwundene Stadt Corvey im Weserbogen als eine ganzheitliche Parklandschaft zu entwickeln. Dabei sollen die Charaktere der einzelnen Bereiche herausgearbeitet und über ein starkes und hierarchisch strukturiertes Wegesystem sinnvoll miteinander verknüpft werden.

ParkLandschaften Höxter

Wall- und Graben Park

Der Grüne Ring aus großartigen Gehölzgruppen umschließt die Altstadt. Die vorhandenen Grünräume haben das Potential, als innerstädtische Freiräume im Alltag für die angrenzenden Bewohner als hochwertiges Wohnumfeld hergerichtet zu werden. Die dichten Strauchpflanzungen werden zurückgeschnitten und Bäume aufgeastet, so dass der Blick auf die Stadtmauer wieder möglich ist. Ein übergeordneter und beleuchteter Fuß- und Radweg begleitet den Grünen Ring und vernetzt sich mit den angrenzenden Stadtadern aus den Quartieren. Die verschiedenen Abschnitte des Altstadtrings werden unterschiedlich thematisiert. Vom Alleenring im Westen, über die Wasserflächen mit Schilfufern, bis zu den  neuen Spiel- und Erlebnisgärten mit Wasserwelt und anderen attraktiven Angeboten, entstehen Bereiche für alle Generationen in der Stadt. Enden wird der Rundweg am Weserufer im Osten der Altstadt. Der befestigte Uferbereich hinter dem Bahnhof hat heute schon mit seinen Deckwerken eine urbanere Prägung. Hier soll ein großes Holzdeck als Bootsanleger dienen und kann sogleich innenstadtnaher Treffpunkt am Wasser sein und ein neuer Hotspot werden. Die Übergänge aus der Innenstadt zum Fluss, ob oberirdisch, oder als Unterführung, werden im Jahr der Gartenschau deutlich aufgewertet.

Weser Wiesen Park

Ein neuer Fuß- und Radweg schmiegt sich weit nach Norden verschoben an die Dammkante der Bahnlinie mit ihren grünen Böschungen heran. Dadurch erhalten die heute kleinen Wiesenrestflächen ein großzügiges, zusammenhängendes Areal, das den Bürgern als vielfältig nutzbare Fläche im Sommer zur Verfügung steht. Die Uferkante ist mit den typischen Hochstaudenfluren begleitet. An den Stellen der Badefurt und den Wiesenstegen ist das Wasser direkt erreichbar.

Archäologischer Park Civitas Corvey

Die verschwundene Stad Corvey - Wie spannend kann die Geschichte der brandgestürzten Stadt erzählt werden? Ein unglaubliches Potential für die Etablierung eines Archäologischen Parks.

Das landschaftsarchitektonische Konzept gestaltet die ersten Akzente für den Beginn der Erzählung, die im archäologisch musealen Konzept weiterentwickelt wird. Grundidee des Parks ist die Zonierung der großen Weserschleife durch die Einbringung zweier Wege, die sich in Bereich des frühmittelalterlichen Hellwegs und des Neuen Hellwegs, der Teil der Civitas war und Alten Markt mit der Marktkirche vorbei führte. Die mittelalterliche Gebäudestruktur wird durch erhobene Rasenfelder nachgeahmt und kann gartenkünstlerisch auf das gesicherte Bodendenkmal verweisen. Die Erdplateaus können zur Gartenschau bepflanzt werden, da bei Bodenarbeiten die Flugsohle über dem Bodendenkmal nicht gestört wird. Einzelne vertikale Stahlelemente mit Texten, Bildern und medialen Schlüsseln verweisen aus der Ferne betrachtet auf den neu interpretieren artifiziellen Hellweg. Die Gestaltung der beiden Wege bezieht sich auf Grabungsbilder des echten Hellweges, wie er bei wissenschaftlichen Schürfen gefunden wurde. Der frühmittelalterliche Hellweg war oft mit Holz und Ästen ausgebaut, deshalb ist dieser als Holzpfad nachempfunden. Der Neue Hellweg soll aus Buntsandstein hergestellt werden.

Im Bereich des Marktplatzes wird die Kontur der Marktkirche im Boden nachgezeichnet. Das neue Zentrum des Archäologischen Parks soll auf den Flächen des alten Holzwerkes einen modernen baulichen Akzent erhalten, der zunächst als skulpturale Dachlandschaft auf Ständerwerk, als Verweis auf die giebelständigen Häuser der Civitas, entstehen. Formal erinnert das Objekt auch an eine typische Remise in der Feldlandschaft.  Zur Gartenschau kann unter dem Dach die Hallenschau stattfinden. Später sollen hier die Nutzungsbausteine für die Archäologie und Pädagogik ihren Platz finden.

 

Schloss und Klosterpark Corvey

Im südlichen Bereich des alten Klosterbaus, innerhalb der Mauern, entsteht der neue Konventgarten.

Im Sinne der klösterlichen Gartenkultur, der sich selbstversorgenden Gemeinschaften, entsteht hier ein neues Ensemble aus kleinen und größeren Nutz- und Schaugärten. Als Ergänzung zur Kloster- und Schlossanlage können die neuen Gärten ein attraktiver Besuchermagnet werden und den touristischen Ort um eine weitere Attraktion ergänzen.

Ein Schiffsanleger nahe dem Kloster kann Besucher direkt vom Bahnhof an die Anlage heranbringen.