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Bundesverfassungsgericht Karlsruhe - Neugestaltung der Aussenanlagen

Projektstudie

Ort: Karlsruhe (D)

Datum: 02-2011

Auslober: Staatliches Hochbauamt Baden-Baden

EINLEITUNG
Das Gebäudeensemble des Bundesverfassungsgerichtes ist 1969 vom Architekten Prof. Baumgarten in unmittelbarer Nähe des imposanten Karlsruher Schlosses geplant worden. Das Gebäude wird in das parkartige Umfeld des Botanischen Gartens eingebettet und die Baumasse aus Respekt vor dem Schloss und dem Schlosspark auf mehrere, nahezu quadratische Pavillons verteilt. Diese sind über einen gläsernen Steg miteinander verbunden. Trotz der späten Bauzeit von 1969 sprechen die Gebäude die klare Architektursprache der jungen Moderne. Wenige, hochwertige Materialien und vor allem eine größtmögliche Transparenz sind Ausdruck des Demokratieverständnisses der jungen Republik. Durch einfache, symbolische Gesten hat Prof. Baumgarten zudem die einzelnen Gebäude ihren Nutzungen entsprechend differenziert. Die Verwaltungsgebäude wurden "bodenständig" angelegt, wohingegen das Richtergebäude als Symbol der Unabhängigkeit "schwebend" geplant wurde. Das Sitzungssaalgebäude ist das höchste und gleichzeitig das öffentlichste Gebäude des Ensembles. Dem Sitzungssaalgebäude kommt die größte Außenwirkung zu und es ist der repräsentativste Bau des Ensembles. Zusammen mit dem Richtergebäude bildet es das Entree des Bundesverfassungsgerichts.

KONZEPT
Bei der Gestaltung der Außenanlagen des Bundesverfassungsgerichtes fühlen wir uns dem Ort, der Bedeutung des Gebäudes und der Architektursprache der jungen Moderne verpflichtet. Die Qualität des Ortes bedarf nur wenige gezielte Eingriffe und Ergänzungen, um ein Gesamtensemble aus Architektur und Landschaftsarchitektur mit differenzierten Freiräumen zu schaffen. Unser Ziel ist es, die zwei vorhandenen Freiraumtypologien Park und Garten zu stärken bzw. zu ergänzen sowie den Platz als dritten Freiraumtypus neu zu schaffen. Die Gestaltung eines neuen Vorplatzes ist eine Hommage an die Architektursprache des Bundesverfassungsgerichtes vom Architekten Prof. Baumgarten. Durch die ausschließliche und konsequente Verwendung der vorhandenen Materialien aus der Fassade wird die Architektursprache der Gebäude auf den Freiraum übertragen, die Außenanlagen weitergebaut und das Gesamtensemble aus Gebäude und Freiraum vervollständigt.

ENTWURF
Freiraumtypologie Park
Das Motiv der Pavillons im Park wird gestärkt. Dabei wird das vorherrschende Bild des botanischen Gartens mit z. T. exotischen Solitärbäumen auf großzügigen Rasenflächen aufgenommen. Sichteinschränkende Sträucher und Strauchgruppen werden entfernt.

Freiraumtypologie Garten
Der bestehende Steingarten wird durch zwei neue Gärten ergänzt. In Anlehnung an die ordnenden Aufgaben des Bundesverfassungsgerichtes entstehen der "Garten des Chaos" nördlich des Sitzungssaalgebäudes und der "Garten der Ordnung" im Hof des Richtergebäudes. Der "Garten des Chaos" ist ein ungestalteter Garten in dem wilde, ursprüngliche, bodennahe Pflanzen wie Farne und Moose wachsen, Äste, Steine und Nebel bilden ein reizvolles, bizarres Gartenbild. Aufgrund der geringen Gartengröße wird auf die Pflanzung von Bäumen und Sträuchern verzichtet. Der "Garten der Ordnung" hingegen besteht aus linear geschnittenen Heckenbändern, Rhododendren und Gartengräsern in Reihen. Er ist Ausdruck einer geordneten, gestalteten Natur. Der vorhandene Steingarten wird aufgrund seiner kontemplativen Wirkung als "Garten der Ausgeglichenheit" in das Gartenensemble integriert.

Freiraumtypologie Platz
Der neue repräsentative Vorplatz des Bundesverfassungsgerichtes wird aus den vorhandenen Materialien der Gebäude generiert. Durch die Verwendung dieser Materialien wird die größtmögliche Einheit zwischen dem denkmalgeschützten Gebäudeensemble und dem Vorplatz erzeugt. Der Platz wirkt dadurch wie von Prof. Baumgarten "weiter gebaut". Die sogenannte "Welle" aus Basaltmosaikpflaster um das Sitzungssaalgebäude dient als Materialvorgabe für den Platzbelag. Dadurch wächst das Gebäude aus dem teppichartigen Platzbelag heraus und wird in seiner Bedeutung für das Gesamtensemble gestärkt. Der Platz nimmt durch seine Formgebung die Haupteingänge in das Sitzungssaalgebäude und das Richtergebäude auf. Der östliche Teil des Platzes dient als repräsentative Vorfahrt, der westliche Teil als Aufstellfläche für die Übertragungswagen, sowie für Feuerwehr, Anlieferung und Müllfahrzeuge. Die Befahrbarkeit des Platzes wird für die Belastungsklasse SLW 30 ausgelegt. Der Platz erhält eine rahmende Bordüre aus den vorhandenen Natursteinplatten des Eingangsbereiches des Richtergebäudes und des Sitzungssaals. Diese bildet den Abschluss zu den angrenzenden Rasenflächen bzw. der Straße. Die umfangreichen Einbauten aus Holz, wie z. B. die Untersicht des Richtergebäudes und die Fensterrahmen stehen Pate für das einzige "Möbel" auf dem Platz. Eine lange Bank aus geschichteten Holzbohlen bildet zusammen mit drei Fahnenmasten, dem Briekasten und dem Schild des Bundesverfassungsgerichtes den östlichen Raumabschluss des Platzes. Sie lädt zum kurzweiligen verweilen in der Sonne ein, ist Treffpunkt und Ort der Kommunikation. Die Fassadenelemente aus Aluminiumguss stehen Pate für die Brunnenskulptur im Zentrum der neuen Platzfläche. 19 quadratische Stehlen aus Aluminiumguss bilden den "Brunnen der 19 Grundrechte" und symbolisieren damit die permanente Aufgabe des Bundesverfassungsgerichtes als Hüter des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Aus den Säulen sprudelndes Wasser belebt den Platz und verleiht der Skulptur einen eigenständigen Charakter. Der Brunnen erhält eine unterirdische Brunnenkammer und eine Pumpentechnik, durch die dieser permanent betrieben werden kann.

Stellplätze
Die geforderten 21 Stellplätze im Bereich der Gebäudeeingänge werden in Gänze unter dem aufgeständerten Richtergebäude angeordnet und neu organisiert. Um den Vorplatz so repräsentativ wie möglich zu gestalten und von Zufahrtsfunktionen zu befreien, wird die Zufahrt zum Parkplatz in Richtung Verwaltungsbau verschoben. Ein zurückhaltender aber hochwertiger Belag aus Betonplatten könnte die Zufahrt sowohl als auch den Stellplatzbereich als funktionale Fläche kennzeichnen. In unmittelbarer Nähe des Nebeneingangs unter dem Richtergebäude und dem neuen Zugang zur Bundespolizei werden Bügel für 50 Fahrräder aufgestellt.