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Rheinboulevard Köln

Realisierungswettbewerb, 3. Preis

Ort: Köln (D)

Preis: 3. Preis

Datum: 09-2007

Auslober: Stadt Köln

Architekt: gernot schulz : architektur, Köln

Während sich Köln mit der linksrheinischen Altstadt bis an die Wasserkante des Rheins heran schiebt, bleibt die Stadtkante im rechtsrheinischen zurück und generiert dadurch eine Zone am Wasser, die ein hohes Potential an innerstädtischer Freiraumqualität aufweist. Während im Norden des Bearbeitungsraumes der Rheinpark als intaktes Freiraumelement den Boulevard abschließt, stellt sich die Fläche der ehemaligen Deutzer Werft in Süden als trostloses Relikt der ehemaligen Industrienutzung dar. Zwischen diesen beiden Polen liegen die Stationen Rheinterrassen und Tanzbrunnen, Rheinhallen und Messeturm sowie die Grünflächen zwischen Hyatt-Hotel und Lufthansagebäude. Der neue Boulevard wird diese Flächen tangieren und als übergeordnete Wegeverbindung den Rheinbogen von Norden nach Süden begleiten.

Konzept
Das Deutzer Ufer wird im Kontrast zur harten Kante der verdichteten linksrheinischen Innenstadt, als grünes Ufer verstanden. Daraus resultiert, dass die gesamte Uferlinie von Bäumen begleitet wird. Die neuen grünen Linien formieren sich mit bestehenden linearen Freiraumelementen zu einem Bild, das als Titel für die ufernahe Freiraumstruktur den Namen STROMLINIEN erhält. Die abschnittsweise Gestaltung dieser Baumlinien leitet sich im rechtsrheinischen aus den angrenzenden Freiräumen ab. Diese werden typologisiert und in entsprechende Freiraumbilder übersetzt. Die Gestaltung der eigentlichen Boulevardlinie leitet sich also von den vorhandenen Freiraumtypologien ab.

Rheinpark und Rheinterrassen
Blumenbänder begleiten den Boulevard und das Ausstattungsband. Sie nehmen Bezug zu den differenzierten Wechselpflanzungen des ehemaligen BUGA Parks auf. Unter der Rheinterrasse weitet sich der Boulevard auf und schafft somit eine großzügigere Unterführung. Die Säulen der Terrasse werden künstlerisch überarbeitet. Die einzelnen Säulen werden unterschiedlich breit aufgefüttert und mit einer Struktur aus bunten Keramikkacheln überzogen in der Art wie man es aus dem spanischen Park Guell kennt. Eine zusätzliche Ausstattung mit Leuchten wird den Raum in den Nachtstunden ausleuchten.
Entgegen der heutigen Situation am Eingangsbereich Rheinterrassen und Theater wir der Höhenunterschied über eine lange Rampe barrierefrei überwunden. Aus diesem Grund generiert sich eine terrassenartige Situation zwischen Rheinterrassen und Messehallen, die diesen wichtigen Zugang zum Rhein mit einer entsprechenden Geste betont. Die vorhandene Hochwassermauer und Ihr Verlauf entlang der Messehallen bleibt bestehen.

Messegärten
Mit dem Umbau der historischen Messehallen und dem Messeturm entsteht eine Gebäudestruktur, die ein Raster aus Gartenhöfen beinhaltet. Der Bereich westlich der Messehallen ist schon heute mit gartenartigen Pflanzungen versehen. Vor diesem Hintergrund wird hier ein Garten entstehen, der als Ruheraum neben der Lauflinie des Boulevards fungiert. Vor dem Messeturm entsteht ein kleiner Platz der den Zugang zum Turm verstärkt. Der Südliche Haupteingang der Messehallen ist die Adresse der Traxan Versicherungen. Dieser Bereich wird aufgewertet, um dem Unternehmen einen repräsentativen Vorplatz zu zuordnen und um einen breiten Zugang zum Rhein zu erhalten. Hier werden Messebesucher und die Laufbeziehungen von der nördlichen Hohenzollernbrücke gebündelt.

Campus
Der Bereich zwischen Hyatt, Orionhaus und Lufthansagebäude wird mit den Solitären Landeshaus und ehemaligen Kloster als Campus interpretiert, dessen Wiesenflächen und Baumgruppen sich bis an das Ufer heran schieben. Dieser zentrale Bereich zwischen Hohenzollern- und Deutzerbrücke liegt direkt gegenüber der Altstadt und dem Rheingarten. Aus der direkten Anbindung an den Ottoplatz als Zentrum der rechtsrheinischen Stadtentwicklung, leitet sich für diesen Uferabschnitt eine urbanere Struktur ab. Diese wird in Form von großen geschnittenen Baumpaketen übersetzt. Entlang der tieferen Treidelpfadlinie transformieren sich die Wiesenflächen des Campusareals zu geometrischen Rasenliegen. Die Stadtschiene vom Ottoplatz mündet in einer großen Stufenanlage, die auf das Rheinniveau herabführt. Hier sollen in Zukunft Attraktoren wie Badeschiffe Hotelboote und ähnliches anlegen und den Ort zu einem zentralen Treffpunkt werden lassen.

Umfeld ehemalige Abtei St. Heribert
Die Tatsache, dass unter der heutigen Gebäudestruktur der alten Abtei die Reste des alten römischen Kastells liegen, gibt dem Ort eine besondere Bedeutung. Im Bestand findet man versteckt die Mauerreste der zwei zentralen Türme der Ostfassade des alten Kastells. Der Entwurf bindet beide Bodendenkmäler in eine neue Struktur ein die sich als Materialwechsel im Boden abzeichnet. Sie Dokumentiert die Standorte der alten römischen Bebauungsfelder mit Flächen aus Schotter oder Wassergebundener Decke. Die Tatsache das es hier einmal einen Brückenschlag auf das rechtsrheinische Ufer gegeben hat wir über den Geschichtspfad dokumentiert. Eine Linie aus einem besonderen Material, z. B. alten römische Bruchsteine die hier gefunden worden oder bei den Bauarbeiten zur Schleifung des Walls gefunden werden. Diese Linie schiebt sich über die Uferkante in Richtung Altstadt hinaus und weist als kleiner Balkon auf die historische Besonderheit hin.

Umfeld Lufthansahochhaus
Mit der Schleifung des Walls muss die Erschließung des Hauses neu organisiert werden. Um eine breitere Wegeführung entlang des Hauses auf der Boulevardebene zu erreichen wir die heutige Terrassen ebene und das darunter liegende Gebäude ebenfalls geschliffen und mit einer neuen Fassade aus dem Material der Ufermauer versehen. Es bleibt nur noch ein schmaler Kranz der die Anbindung an das Niveau der Deutzerbrücke anschließt. Eine große Freitreppe verknüpft die Brücke mit dem tiefer liegenden Boulevard und ersetzt die heutige Wendeltreppe. An Ihrer Stelle wird ein Fahrstuhl angeordnet. Eine weitere Treppe neben der Abfahrt in die TG im Norden des Gebäudes erschließt die hier befindlichen Hauszugänge.

Deutzer Festwiesen
Die befestigten Flächen der ehemaligen Deutzer Werft werden entsiegelt und als Festwiesen hergerichtet, die für Kirmes- und andere Sonderveranstaltungen nutzbar sind. Ein Großteil der ´Wiese´ wird als Fugenpflaster ausgebaut. Die vorhandenen Basaltsteine der Werft werden aufgenommen und mit Rasenfuge neu verlegt. Ein Band aus Spiel-, Sport- und Bewegungsfeldern begleitet den Boulevard. Im Bereich der ehemaligen Werft. Unter den Bäumen an der Deutzer Brücke können die Felder als Linie mit kleineren Spielelementen weitergeführt werden. Um einen möglichst weiten Wiesenraum auf Uferniveau zu generieren wird der Höhenunterschied zur Siegburgerstrasse über eine Baum überstandene Böschung überwunden und mit einer Sitz hohen Mauer gefasst.
Die Zufahrt zur Lufthansa TG wird an den Rand verlegt und die schräge Rasenfläche geschliffen. Ein neues Wegesystem verknüpft die Uferkante mit dem Stadtraum von Deutz. Dort wo sich Weg und Boulevard verbinden entstehen kleine Stadtfenster. Diese eröffnen immer wieder den Blick auf die gegenüber liegende Seite. Die Baumreihen erhalten somit einen reizvollen Rhythmus aus offenen und geschlossenen Bereichen entstehen. Das kleine Häuschen der alten Tankstelle wird saniert und formal in das Konzept der weißen Folies integriert.

Stadtschienen
Der neue Rheinboulevard wird mit den großen Rheinbrücken über Zugänge verknüpft, so dass die linksrheinische Innenstadt direkt angebunden ist. Hier werden besonders die Zugänge an die Severins Brücke und an die Deutzer Brücke neu gestaltet. Die Vernetzung mit dem Deutzer Stadtraum und den Grünverbindungen nach Osten wird über ein neues Wegesystem gestärkt. Die wichtigen Verbindungen des gewachsenen Stadtraums mit dem Rhein werden über Stadtschienen gestärkt. Diese städtischen Gesten werden als großzügige Plätze interpretiert und entsprechend mit Licht und anderen Elementen ausgestattet.

Boulevard und Rhythmus
Die aus der Vernetzung mit dem Stadtraum entstandenen Achsen enden mit platzartigen Situationen am Wasser. An diesen Stellen soll die tiefer liegende Ebene des Stroms erlebbar werden. Großzügige Treppenanlagen führen z. B. auf schwimmende Objekte, Holzdecks oder das Berliner Badeschiff herab. Hier kann man sich die unterschiedlichsten Szenarien vorstellen.
Neben den übergeordneten Achsen zum Wasser werden auch die Bereiche um die bestehenden Pavillons an der Deutzer Werft und an den Rheinhallen durch platzartige Strukturen aufgewertet. Auch hier ergibt sich die Möglichkeit vom Boulevard an das Wasser heranzutreten. Aus dieser Konfiguration entsteht ein reizvoller Rhythmus aus Linie und Platz, Bewegung und Halt.

Uferkante und Hochwasserschutz
Die vorhandene Uferkante wird in ihrem Grundsatz als Mauer oder Mauer mit Geländer akzeptiert. Nur die Bereiche unter der Rheinterrasse und am Messehallenvorplatz werden neu gestaltet. Der Vorbereich Rheinterrassen mit Anschluss obere Gastroterrasse wird zu Gunsten einer klaren Wegeführung in den Rheinpark umgebaut. Die vorhandene Hochwasserschutzmauer im Bereich Parkplatz Messehallen wird übernommen.
Die Dammanlage vor Alt St. Heribert wird geschliffen und der freie Blick auf den Rhein und von der anderen Seite auf das Kloster wieder hergestellt. Die Höhensituation und Geometrie des Treidelpfades und der Mauer bleiben wie sie sind.

Ausstattungselemente
Der Rheinboulevard erhält durch seine verschiedenen Abschnitte unterschiedliche Qualitäten und Stimmungen. Dem entgegen soll ein durchgehendes Gestaltungselement alle Bereiche durchziehen und zusammenhalten.
Die DEUTZER LINIE ist als skulpturales Ausstattungsband aus pulverbeschichtetem Stahl konzipiert. Ein dem Boulevard in seinem Kernbereich beigefügtes Elemente, dass ein hohes Maß an Identität und Zusammenhalt an der Uferkante generiert. Zudem kann das Band über seine Materialität einen Bezug zur Deutzer Industriegeschichte herstellen. Auf dem Deutzer Band sind alle Elemente wie Lichtstelen, Bänke, Papierkörbe, Fahrradständer und Infotafeln verortet. Seine Lage ist je nach Situation mal an der Uferkante und mal ganz abgerückt vom Ufer verortet.
Folies
Der Rheinboulevard erhält einen Rhythmus aus Kleinarchitektur, die als weiße Folies im den Stadtschienen zugeordnet sind. Sie können als Kiosk, Cafe, WC oder Lagerflächen für Sportgeräte und Zubehör an der Deutzer Werft genutzt werden.

Lichtkonzept
Vor dem Hintergrund des Stromlinienkonzeptes wird der Rheinboulevard neben seine Grundausleuchtung aus Stelen die Teil der Deutzer Linie ist mit linearen Lichteffekten ausgestattet. Hier kann man sich Lichtlinien in Geländern oder indirekt beleuchtete Mauerlinien vorstellen. Die Stadtschienen werden als offene Plätze eine gute Ausleuchtung durch repräsentative Mastleuchten erhalten.

Materialität
Der Rheinboulevard wird über die Materialität seine Identität als ehemaliger Industriestandort selbstbewusst zeigen. Die Wegeflächen werden mit bituminösen Deckschichten versehen. Wenn es möglich ist den Asphalt mit Zuschlagsstoffen zu veredeln kann dadurch die Eigenständigkeit des Ortes gestärkt werden. Das Ausstattungsband ist aus pulverbeschichtetem Stahl konzipiert und soll mit dem dunklen Asphalt kontrastieren. Die Folies werden ebenfalls als helle Kuben verstanden.
Die Stadtschienen werden mit großformatigen Betonplatten belegt und beziehen sich auf die gebaute Stadt.

Baumkonzept
Das grundlegende Thema se Entwurfes sind die Stromlinien, die sich als Raumbildende grüne Elemente entlang des Stroms bewegen und als Gestaltungskonstante das gesamte Ufer begleiten. Die Baumart leitet sich Konzeptionell aus den angrenzenden Freiraumtypologien ab. Im Norden beginnend wird der Boulevard von Trauerweiden begleitet, die als klassischer Parkbaum am Wasser diesen Abschnitt interpretiert.
Der Bereich entlang der Messehallen wird mit Säulenbäumen begleitet die Synonym für Gartenbilder sind und mit Ihrer Vertikalität formal den Dialog mit dem Messeturm suchen.. Hier könnte man sich Sequoiadedron, Metasequia oder Taxodium vorstellen. Baumarten die als Gartenbäume nicht selten sind und aus einem fernen Land kommen(so wie die vielen Messebesucher).
Zwischen Hyatt und Lufthansahaus leitet sich die Baumart aus dem Campusgedanken ab. Kastanienbäume als klassische Parkbäume und zufällig Straßenbaum in der Hermann Pünder Strasse werden hier verortet. Entsprechend der besonderen Urbanität dieses zentralen Uferbereiches werden die Bäume Kasten förmig geschnitten (Sieht man oft in Frankreich) und hoch aufgeastet. So beziehen sie sich formal an das `aufgestelzte` Landeshaus.
Die Deutzer Festwiese wird mit Akazien entlang der Siegburgerstraße eingefasst und entlang des Ufers von Birken begleitet. Sie leiten sich aus dem Gedanken der Ruderalpflanzen auf ehemaligen Industriestandorten ab und werden durch den Kontrast der hellen Rinden auf dem dunklen Asphalt ein spannendes Bild erzeugen. Außerdem ist die Birke ein sehr licht belaubter Baum, so dass keine Gefahr für gestörte Blickbezüge auf die andere Seite besteht.