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Vermittlung von Kulturlandschaft im Raum
am Beispiel der Klosterlandschaft Heisterbach

Entwurfswerkstatt

Ort: Königswinter (D)

Preis: 1. Preis

Datum: 10-2008

Auslober: Stadt Königswinter

Designer: HauptwegNebenwege – Agentur für Kommunikation, Köln

Der Wettbewerb
Im Rahmen einer Entwurfswerkstatt zur »Vermittlung von Kulturlandschaft im Raum« am Beispiel der Klosterlandschaft Heisterbach im Siebengebirge wurden sechs Teams bestehend aus Landschaftsarchitekten und Kommunikationsdesignern eingeladen, Konzepte für ein Vermittlungssystem zur Besucherlenkung und Besucherinformation zu entwickeln. Die Entwürfe sollten Lösungen auf drei Ebenen aufzeigen: Im Zentrum stand zum einen die Konzeption eines physischen Vermittlungsträgers, zum anderen die behutsame landschaftsarchitektonische Gestaltung beispielhafter Orte. Darüber hinaus sollten zukunftsweisende und realisierbare Perspektiven für ein mobiles und digitales Informationssystem beschrieben werden. Der Siegerentwurf wird Modellcharakter für ähnliche Projekte im Siebengebirge und der Region Köln/Bonn haben.

Die Grundhaltung
»Glaube mir, denn ich habe es erfahren: du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern. Bäume und Steine werden dich Dinge lehren, die dir kein Lehrmeister sagen kann.« Das Zitat des bekannten und einflussreichen Zisterziensermönchs und mittelalterlichen Mystikers Bernhard von Clairvaux wurde leitend für die Ausarbeitung der Entwürfe: Betont werden sollte das Lernen durch die direkte, unvermittelte Erfahrung von Natur, Umwelt und Kulturraum gegenüber dem vermittelten Lernen durch Bücher, Lehrer – oder Infotafeln. »Überdidaktisierung« sollte unbedingt vermieden werden. Demzufolge erlaubte sich das Team, die Aufgabenstellen (»Vermittlung von Kulturlandschaft im Raum«) leicht umzuinterpretieren, indem es den Fokus auf die »Erfahrung/Erfahrbarkeit von Kulturlandschaft im Raum« legte. Die Konsequenzen: Vermittlungselemente und Vermittlungsinstrumente nehmen sich zurück, stehen nicht im Weg, drängen sich nicht auf, springen den Betrachter nicht an, müssen erschlossen werden. In den Raum eingebrachte Informationen werden auf das Mindestmaß reduziert. Zusatzinformationen müssen über »Links in der Landschaft«, die wiederum auf digitale Zusatzangebote verweisen, bewusst und aktiv hinzugezogen werden. Räume werden so gestaltet, dass sie Spaziergängern und Wanderern helfen, die sie umgebene Natur- und Kulturlandschaft auf sich wirken zu lassen.

Die Entwürfe
Der Wegweiserstein des Siebengebirges ist ein unverwechselbares Markenzeichen der Region. Er trägt die nötigsten Informationen zu Richtungen und Entfernungen. Aus diesem – im wahrsten Sinne – naheliegenden und vorgefundenen Informationssystem wird eine Objektfamilie neuer Informationsträger entwickelt. Dazu werden die Steine zunächst durch einen geraden Schnitt in der Mitte geteilt. So entstehen Flächen zur Anbringung von Informationen. Neue, zusätzliche Informationsträger müssen zunächst nicht entwickelt werden, der Wegweiserstein bleibt das zentrale Element. Sinnbildlich wird dem Stein durch den harten Schnitt »Kultur angetan«, während die unbehandelte äußere Gestalt des Steins weiterhin die »Natur« symbolisiert. Natur und Kultur als wesentliche Merkmale der Kultur- und Naturlandschaft Siebengebirge werden auf diese Weise in der Gestaltung sichtbar. Zudem werden aus der auf den Steinen vorgefundenen Schrift eine eigenständige Typografie sowie Symbole für das Siebengebirge entworfen, die in ihrer Form das Prinzip der Natur/Kultur-Kanten aufgreifen und für die Gestaltung der einzubringenden Informationen genutzt werden können. Schrift und Zeichen stehen nicht zuletzt zur Entwicklung einer eigenständigen Kommunikations- und Vermarktungslinie für das Siebengebirge zur Verfügung.

Im Sinne der »Erfahrung/Erfahrbarkeit« der Räume werden im landschaftsarchitektonischen Konzept vorhandene Qualitäten und Potentiale unterschiedlicher Situationen und Orte aufgespürt und zunächst durch Entleerung auf ihr Wesen reduziert. In einem zweiten Schritt werden über die behutsame Ergänzung mit Informations- und Ausstattungselementen neue, die Fantasie fördernde Orte entstehen. Die einzelnen Mitglieder der Objektfamilie – Bänke, Nischen, Literatur-Schwellen und Portal-Steine – werden alle aus dem Prinzip der Natur/Kultur-Flächen entwickelt und so zu einem einheitlichen Erscheinungsbild beitragen: durch ihr natürliches unbehandeltes Äußeres einerseits und glatte, behandelte Flächen andererseits, die Informationen tragen können.

Das digitale Vermittlungskonzept klärte vor allem die Fragen: Wie können digitale Informationen ohne großen technischen Aufwand vor Ort bereitgestellt und abgerufen werden? Wie können Orte und Objekte so verlinkt werden, dass ein Wanderer mit seinem Handy – seinem »Internet-Empfänger in der Hosentasche« – Zusatzinformationen dort abrufen kann, wo er sie benötigt. Dazu wurde ein Konzept entwickelt, dass vorsieht, Verlinkungen zu im Internet abgelegten digitalen Informationen auf Basis von 2D-Barcodes (Stichwort: »Object Hyperlinking/Mobile Tagging«) zu realisieren. Die in den Informationsträgern eingelassenen Quickmark- oder Datamatrix-Codes kann der Wanderer als »Links in der Landschaft« am Wegesrand pflücken. Mit einem Klick kann er so Informationen auf sein Handy laden und abrufen: Ob Texte oder Bilder, Musik oder Videos, die Möglichkeiten bestimmt die Internet-Technologie, nicht die räumlichen Gegebenheiten.