1/5 Neugestaltung Marktstätte, Konstanz

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Neugestaltung Marktstätte, Konstanz

Kooperativer Planungsworkshop

Ort: Konstanz (D)

Preis: 1. Rang

Datum: 12-2014

Auslober: Stadt Konstanz


Die Marktstätte spielt im Ensemble der mittelalterlichen Altstadt eine besondere Rolle. Der Platz ist ein wichtiges Gelenk für die Laufbeziehungen von der Innenstadt zum Ufer des Bodensees, als auch für die Bewegungen in den Bahnhofsplatz, der in Zukunft boulevardartig ausgebaut wird und den Grünring um die Altstadt weiterentwickelt.

Die Marktstätte ist heute geprägt von überwiegend kleinteiliger Bürgerhausbebauung an der Nordseite und gründerzeitlichen Verwaltungs-, Geschäfts-, und Hotelbauten an der Südseite. Der Platz lebt von seinen Rändern, denn hier wechseln sich Gastronomie und Einzelhandelsnutzungen ab, wobei die Nordseite deutlich lebendiger ist, denn das Postgebäude mit seinem prägnanten Turm an der Ecke zum Bahnhofsplatz bespielt den Raum nicht, so dass der vorgelagerte Bereich heute als Fahrradstellplatzt genutzt wird.

Während im späten Mittelalter die Marktstätte zum See hin noch mit Speichergebäuden einen Raumabschluss erfuhr, spielt die heute offene Platzkante mit dem Bezug zum See eine ganz andere Rolle. Der ehemalige lang gestreckte Straßenmarkt ist heute einer der am stärksten frequentierten Plätze Konstanz und dient hunderten von Touristen als Stadteingang.

Die Erschließung der Marktstätte vom See aus erfolgt ausschließlich durch die Unterführung, die über Treppen auch mit den Bahnsteigen verbunden ist. Das Brückenbauwerk ist heute zwar breiter, offener und heller als viele andere Unterführungen, hat aber mit seinen vielen terrassenartigen Pflanzbecken und Einbauten wenig Qualität.

Konzept

Der Entwurf zur Umgestaltung der Marktstätte hat zwei wesentliche Ziele. Zum einen wird der Raum von seinen vielen Einbauten befreit. Als steinernen `Festsaal` für die Bürger und Besucher der Stadt soll er eine offene, reduzierte und repräsentative Gestaltung erhalten, die seine mittelalterliche Raumstruktur wieder stärker in den Vordergrund stellt.

Zum anderen soll der Bezug zum Bodensee über die Stärkung von Sichtbeziehungen deutlicher spürbar sein und die Verbindung durch die Unterführung attraktiver gestaltet werden.

Entwurf

Die vorhandenen Linien der Mastleuchten entfallen. Der Platz erhält eine neue abgehängte Beleuchtung, die auch für temporäre Installationen wie Weihnachtsbeleuchtung, Fahnen oder andere Themen genutzt werden kann. Ohne die Einbauten wirkt der Platz wieder von Fassade zu Fassade, was seiner engen langgestreckten Form entgegen wirkt und ihm mehr Großzügigkeit verleiht. Die Oberflächengestaltung des neuen Festsaals ist von den edlen Holzböden repräsentativer Räume inspiriert und wird als Stadtparkett im Fischgrätverband verlegt. Die Belastungen der Verkehre auf der Marktstätte können durch den Verband in besonderer Weise aufgenommen werden, da die wirkenden Scherkräfte über den 45` Winkel optimal abgeleitet werden können. Die Pflasterplatten werden auch den Laufkomfort erhöhen und die glatte Oberfläche soll die Stellung des Platzes, in der ansonsten mit Kopfsteinpflaster dominierten Innenstadt, herausheben. Vor diesem Hintergrund soll der Belag als besonderes Gestaltungsthema nur in der Marktstätte verlegt werden und kann nicht als Vorlage für die angrenzenden Straßenräume herangezogen werden.

Material in den angrenzenden Straßenräumen

Wir empfehlen den Altstadtbereich im Anschluss an die Marktstätte mit großformatigem Granitreihenpflaster zu verlegen. Wobei die Randbereiche vor den Geschäften mit gesägten Oberflächen hergestellt werden sollten, um den Laufkomfort zu erhöhen. In schmalen Gassen sollte es eine zentrale offene Rinne geben. In größeren Querschnitten kann eine mittig liegende Fahrbahn mit Dachgefälle und Fassung aus offenen Rinnen in den Straßenraum eingelegt werden. Die Fahrbahn sollte im Kontrast zu den gesägten Oberflächen der Randbereiche mit Kopfsteinpflaster ausgebildet werden.

Möblierung

Die Möblierung des öffentlichen Raumes der Marktstätte reduziert sich auf den historischen Brunnen und wird durch ein langes Bankmöbel aus Holz ergänzt. Das Möbel nimmt formal die beiden Seiten des Platzes auf. Es ist zur Südseite linear und zu Platzmitte hin mit versetzten Linien gestaltet, so dass man auch in Richtung Brunnen oder See sitzen kann. Da der Platz in den Sommermonaten von der angrenzenden Gastronomie dominiert wird können die neuen Sitzstufen an der Unterführung nochmal mehr, vor allem für junge Menschen, als freies Sitzen in der Sonne eine große Rolle spielen und ein interessanter Treffpunkt werden.

Entwässerung

Die Entwässerung der Platzoberfläche erfolgt über Schlitzrinnen, die abgesetzt von den Raumkanten die Wässer von den Gebäuden weg aufnehmen wird. In der Mittelachse des Platzes wird ein Dachgefälle zu den Seiten ausgebildet, so dass die Wässer auch den Rinnen zu geordnet werden. Vor den Stufenpaketen und der Unterführung werden im Übergang zur Rampe Rinnen eingebaut.

Gastronomie

In den Sommermonaten ist der schmale langgestreckte Straßenraum durch Außengastronomie stark beengt. Der Entwurf schlägt vor die Flächen der Bestuhlung näher an die Fassaden heran zuschieben. Ein schmaler Korridor von ca. 3m kann entlang der Fassaden freigehalten werden. Grundsätzlich sollten die Sitzplätze stärker von den Markisen beschattet werden, so dass eine Ergänzung von Schirmen nur einreihig möglich sein kann. Damit würde man der beengten Situation entgegen wirken und die Sichtbeziehungen zum See stärken. Es würde ein zentraler Bewegungskorridor in der Mitte des Platzes  entstehen, der die Besucherströme direkt vom See in die Innenstadt führt.

Fahrradparken

Mit der neuen Stufenanlage auf der Südseite der Unterführung wird die Platzfläche vor dem Postgebäude größer. Dadurch kann dieser Bereich im Übergang zum Bahnhofsplatz gut gequert werden und verträgt auch eine Ausstattungslinie von Fahrradbügeln. Grundsätzlich sollen in Zukunft die Fahrräder im Bereich des Bahnhofes im Sinne eine Parkhauses untergebracht werden.

 

Unterführung

Die Unterführung erhält an den Übergangsbereichen Marktstätte und Hafenareal jeweils Sitzstufen. Dadurch wird der Raum vor dem eigentlichen Brückenbauwerk auf geweitet und nimmt die Laufbeziehungen trichterartig auf. Die Pflanztröge werden zurückgebaut, so dass die Sichtbeziehungen zum See verbessert werden. Der Barriere freie Zugang auf die  beiden Stadtniveaus wird über Rampen hergestellt. Eine zweite Rampe an der Konzilstraße kann die Laufbeziehung vom Fischmarkt und dem Konzilgebäude aufnehmen.

Die Unterführung soll thematisch stärker mit dem Bodensee verbunden werden. Neben einem neuen Fassadenkonzept, dass die Farben des See zur Vorlage hat, wird ein Seeteppich in den Bodenbelag eingelegt, dessen Material von den geologischen Schichten des Seeufers inspiriert ist.

Material

Mit dem Konzept die Marktstätte als städtischen Festsaal zu verstehen, kann auch über die Materialität und Möblierung des Raumes das Gestaltungsthema sichtbar gemacht werden, damit sich der Platz von den anderen Altstadtplätzen abhebt. Dabei spielt das Material des Stadtparketts die wichtigste Rolle. Wir stellen uns eine parkettartige Pflasterplatte aus Naturstein vor, die mit einer Maserung versehen ist. Der Stein muß mit den technischen Anforderungen, Belastung, Streusalz etc. abgeglichen werden. Grundsätzlich soll die Pflasterplatte schmal sein. Wir schlagen einen 50x10cm Fischgrätverband in einer 16cm starken Dicke vor. Da die Materialwahl für die Herstellungskosten die entscheidende Stellschraube ist, wird man hier gut recherchieren müssen, eventuell kommt auch ein `Sandwich-Verfahren` (Trägerplatte Betonwerkstein) in Frage. Wir könnten uns ein Gneis- oder Dolomitmaterial aus den Gebirgen der Region vorstellen. Ein neutrales Granitmaterial aus Übersee würden wir ausschließen.

Die Ausstattungselemente auf dem Platz sollten alle aus einem Material hergestellt werden. Hierzu gehören die Leuchten über dem Platz, neue Geländer an den Mauern und Abgängen der Unterführung, Fahrradständer, Abfallbehälter und mögliche Infostelen und Tafeln. Hier orientiert sich der Entwurf an vorhandenen Objekten in der Innenstadt bei denen oft Messing verwendet wurde.