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Karlsplatz Krefeld

Städtebaulich - freiraumplanerisch - verkehrlicher Wettbewerb

Ort:Krefeld (D)

Preis:4. Preis

Datum:4-2013

Auslober:Stadt Krefeld


Mit der Sanierung und Neueröffnung des Kaiser Wilhelm Museums im Jahr 2014 besteht die Chance einen vernachlässigten Stadtraum wieder zu beleben. Mit der Umgestaltung des Museumsumfeldes wird sowohl das Gebäude selbst, als auch das angrenzende Wohnquartier aufgewertet. Im städtebaulichen Zusammenhang ist der Bezug des Karlsplatzes zum denkmalgeschützten Ensemble der Westwallanlage zu klären. Heute sind die angrenzenden Straßen dominierend, wobei mit der Umgestaltung der Blumenstraße in eine Wohnstraße mit Längsparkern und Bäumen die Qualität schon verbessert werden konnte. Die Platzkante westlich des Museums birgt mit ihren schönen Fassaden und den kleinen Gastronomien ein besonderes Potential zur Belebung des Ortes. 

Stadtgeschichtlich war der Karlsplatz als quadratischer Freiraum an den Alleenring angegliedert und über Baumreihen mit ihm verbunden. Er wurde bis Ende des 19. Jhd. als steinerner Stadtplatz als Markt-, Kirmes- und Schützenplatz von den Krefelder Bürgern genutzt. Mit dem Bau des Museums 1897 verlor der Platz seine Funktion und der Markt wich in die angrenzenden Flächen des Westwalls aus. Hier genießt er auf dem Mittelstreifen des Alleenrings noch heute Bestandsschutz. Im Vorfeld des Museums ist die befestigte Marktfläche unterbrochen. Eine Rasenfläche mit Blumenbeeten verweist auf eine Schmuckanlage die dem Museum vorgelagert war.

 

Konzept

Das städtebaulich-landschaftsarchitektonische Konzept verfolgt zwei grundsätzliche Ziele. Zum einen soll mit dem `freiräumen` der Flächen ein offener, freier und großzügiger Quartiersplatz entstehen, der von der Präsenz des sanierten gründerzeitlichen Museums lebt. Zum anderen soll das Museum selbst aus seinen historischen Mauern `ausbrechen` können und seine Inhalte deutlicher im öffentlichen Raum platzieren können. Dabei wird die ehemalige Marktnutzung des historischen Ortes neu interpretiert und der Lückenschluss zwischen dem nördlichen und südlichen Westwall über einen `neuen` mARkTplatz formuliert.

 

Entwurf

Die Straßenräume werden auf Mindestbreiten reduziert, so dass die Kubatur des Platzes neu definiert werden kann. Das Kaiser-Wilhelm-Museum wird auf einen einheitlichen ruhigen Museumsteppich gestellt, der sich sowohl farblich als auch im Format an der Fassadenstruktur des Museumsgebäudes orientieren.

Dem Museum vorgelagert befindet sich der neue  ‚mARkTplatz‘. In Fortführung des Wochenmarktes am Westwall können auf dem neu geschaffenen ‚mARkTplatz‘ in Zukunft Kunstausstellungen, Kunstmarkt, Kulturkino, Kunst im öffentlichen Raum etc. im Freien stattfinden. Somit kann sich das Museum im Außenraum mit Kunstwerken präsentieren, die Aufmerksamkeit der vorbeikommenden Menschen wecken und diese in das Museum locken. Auf dem ‚mARkTplatz‘ wird nur die Platane erhalten. Als Eyecatcher wird auf dem ‚mARkTplatz‘ eine hohe Medienstele aufgestellt, die schon von weitem auffällt und auf das Museum aufmerksam macht und z.B. auf neue Ausstellungen hinweisen kann. Der mARkTplatz erhält in Verlängerung der beiden Baumreihen zwei Lichtstelenreihen, die den Platz ausleuchten. Ansonsten wird der Platz bewusst freigehalten, um ihn vielfältig bespielen zu können.

 

Der an der Blumenstraße gelegene Platzbereich wird der ‚grüne Platz‘. Bestandsbäume spenden Atmosphäre und  Schatten. Eine Eibenhecke schirmt den Platz von der Straße und den Parkplätzen ab, so dass hier ein ruhiger grüner Raum entsteht. Eine lange Bank lädt zum Verweilen ein. Auch kleinere Gruppen können sich hier treffen, um im Anschluss gemeinsam ins Museum zu gehen. Die Kaiser Wilhem Statue erhält eine neue wetterfeste Vitrine, die - leicht nach vorne geneigt - zukünftig gegenüber der neuen Bank steht, so dass der Kaiser in Zukunft wieder etwas ‚von oben herab‘ auf die ihn betrachtenden Menschen schaut. Fahrradständer sind ebenfalls in diesem rückwärtigen Bereich angeordnet.

 

Der südliche Platzbereich ist von Offenheit geprägt. Das Gebäude wurde von Einbauten und Pflanzungen freigestellt und kommt dadurch wieder stärker zur Geltung. In diesem Bereich befinden sich die Bushaltestelle stadtauswärts mit einem Bushäuschen, einer elektronischen Anzeige, einer Telefonsäule, ein Briefkasten sowie ein Abfallbehälter. Eine Busspur auf dem Platzbereich ermöglicht das ungehinderte Fließen des Verkehrs. Eine lange Bank lädt auch hier zum Warten auf den Bus oder zum Genießen der Sonnenstrahlen ein. Die Unterflurcontainer sind in diesem Bereich angeordnet und von der Karlsplatz-Straße anfahrbar.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich die andere Bushaltestelle ebenfalls mit Bushäuschen, einer elektronischen Anzeige und  Abfallbehälter.

Der Innenhof des Museums wird zukünftig als Außengastronomiefläche und als Ausstellungsfläche für Außenskulpturen genutzt. Ein barrierefreier Zugang ist möglich. Der vorhandene Krähenzaun bleibt erhalten.

 

Materialität

Das Museum besitzt eine breite Sockelzone aus Basaltlava und einen zweigeschossigen Werksteinbau aus Sandstein.

In Anlehnung an den Sandstein wird der Belag des Museumsteppichs in sandsteinfarbenen Betonplatten im Format z.B. 60x30cm hergestellt. Die Rinnen entlang der Fahrbahn werden mit einer dreizeiligen Pflasterung geschaffen. Die mARkTplatzintarsie wird aus sandsteinfarbenen eingefärbten Asphalt ausgebildet und mit einer Stahlkante eingefasst. Die Busspur erhält großformatige Betonplatten, um der höheren Belastung durch den Busverkehr standzuhalten.

 

Die Ausstattungselemente lehnen sich ebenfalls an die Materialität und Farbgebung des Museums an. Die Sockel der Medienstele sowie der Kaiser-Wilhelm-Vitrine werden in demselben dunklen Farbton hergestellt wie der Gebäudesockel. Der Leuchtkörper der Medienstele erhält einen hellen Farbton und leuchtet in der Nacht.

Die Bushaltestellen sowie die Lichtstelen auf dem Platz werden in anthrazitfarbenen pulverbeschichtetem Stahl ausgebildet und nehmen ebenfalls den Farbton des Sockels auf. Die beiden Bankelemente werden in eingefärbten dunklen Beton oder ebenfalls wie der Gebäudesockel in Basaltlava ausgebildet.

 

Bestandsbäume und neue Vegetation

Die Bestandsbäume auf dem nördlichen Platzbereich sowie die Platane auf dem Vorplatz werden erhalten. Neupflanzungen finden nur im geringen Umfang statt, da die vielen Leitungen sowie die Geothermieanlage Baumpflanzungen erschweren. Eine neue Baumreihe wird entlang der Marktstraße gepflanzt und bildet wieder einen Rahmen um den Karlsplatz, wie dieser in der Geschichte des Platzes bereits existierte. Eine immergrüne geschnittene Eibenhecke bildet eine schützende Raumkante zur Blumenstraße.

 

Medienwand

An den seitlichen Fassaden des Kaiser-Wilhelm-Museums könnten Außenwerbeflächen angebracht werden, um über aktuelle und kommende Ausstellungen zu informieren. Diese sind von weitem und auch bei Nacht sichtbar. Vorbeikommende und auf den Bus wartende Menschen können sich über zukünftige Veranstaltungen informieren.

 

fließender und ruhender Verkehr

Die Fahrbahnspuren am Westwall werden auf jeweils 4m Breite angelegt und am östlichen Platzrand mit einem 2m breiten Parkstreifen versehen. Die westliche Fahrbahnspur verläuft über den neu geschaffenen Museumsteppich und wird niveaugleich mit dem Platz ausgebildet, so dass eine barrierefreie Überquerung vom Museum auf den mARkTplatz ermöglicht wird. Die Straße wird etwas nach Osten verschoben, so dass der Eingangsbereich des Museums einen großzügigeren Vorbereich erhält. Die Fahrbahn ist durch Rinnen deutlich vom Platz abgehoben und erkennbar. Die östliche Fahrbahn wird wie die übrigen Straßen in Asphalt ausgebildet. Die Marktstraße wird an der schmalsten Stelle auf 6,50m  verschmälert. Nur an den Bushaltestellen weitet sich der Straßenraum auf, so dass der Verkehr weiterhin gut fließen kann. Daher bleibt die Bushaltestelle stadteinwärts wie bisher auf der Fahrbahn. Die westlich des Museums gelegene Straße Karlsplatz bleibt 5m breit mit einem zusätzlichen 2m breiten Parkstreifen. Die Blumenstraße bleibt unverändert. Die Lichtsignalanlagen bleiben erhalten. Die Taxivorfahrt befindet sich am nördlichen Platzrand neben der neuen Fahrspur. Die Vorfahrt am Haupteingang zum Ein-und Aussteigen, bzw. Be- und Entladen wird etwas weiter südlich verortet.

 

Lichtkonzept

Das Kaiser-Wilhelm-Museum wird durch ein gezieltes Lichtkonzept in Szene gesetzt. Die Beleuchtung des Außenraumes nimmt sich dezent zurück, um die Architektur des Museums von innen heraus strahlen zu lassen.

Einige wenige Elemente im Außenraum werden akzentuiert. Die Medienstele ist ein Leuchtkörper und dient als Eyecatcher in der Nacht. Die Außenwerbeflächen an den seitlichen Fassaden leuchten ebenfalls, so dass auch bei Nacht museumswichtige Ankündigungen lesbar sind. Die Kaiser-Wilhelm-Statue kann dezent angestrahlt werde.

Der mARkTplatz erhält in Verlängerung der Baumreihen zwei Lichtstelenreihen, die den Platz als auch die Fahrbahnen ausleuchten. Wenn gewünscht wäre es möglich mit zusätzlichen Spots aus den Lichtstelen die Museumsfassade zu beleuchten. Die Bestandsbäume können mit Effektbeleuchtung von unten angestrahlt werden, so dass eine angenehme Atmosphäre auf dem ‚grünen Platz‘ entsteht. Die weiteren Straßenleuchten können sich an der vorhandenen Straßenbeleuchtung anpassen. In der Blumenstraße bleibt die abgehängte Beleuchtung.