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Wohngebiet und Landschaftspark Sonnenrain, Schwäbisch Hall

Städtebaulicher Ideen- und Realisierungswettbewerb für das stadtnahe Wohngebiet Sonnenrain mit angeschlossenem Ideenteil für einen Landschaftspark in Schwäbisch Hall

Ort: Schwäbisch Hall (D)

Preis: 2. Preis

Datum: 10-2014

Auslober: Haller Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft mbH

Architekt: Schirmer Architekten + Stadtplaner, Würzburg

Der Regionalplan definiert eine Grüne Fuge zwischen den angrenzenden Stadtteilen Kreuzäcker und Herrenäcker sowie dem Solpark in Hessental von Schwäbisch Hall. Diese Grüne Fuge soll in Form eines Landschaftsparks eine großräumige landschaftliche Verbindung ermöglichen. Gleichzeitig werden durch diesen neuen Park die städtebaulichen Abrundungen der angrenzenden Siedlungskörper formuliert und festgesetzt.

 

Konzept

Vor einigen tausend Jahren hat der Mensch begonnen sich die Landschaft zu nutzen zu machen und sie kultiviert. Das Umland von Schwäbisch Hall ist mit 55 % der Stadtgebietsfläche seit Jahrzehnten landwirtschaftlich geprägt. Aufgrund von Lebensmittelskandalen hat aber in den vergangenen Jahren ein neues Bewusstsein zum Thema Landwirtschaft eingesetzt. Eine nachhaltige Landwirtschaft mit ökologisch erzeugten Produkten wird für immer mehr Bürger wichtig. In den Großstädten führt dies zu einem neuen Selbsterzeugertrent im Sinne des Urban Farming. Das Thema nachhaltige Landwirtschaft wird dementsprechend zum Kernthema eines neuen Parktypus: Der Agrarlandschaftspark PARK AGRICOLE.

 

Entwurf

Ein Rahmen aus ortstypischen Obstbäumen bildet das räumliche Gerüst des neuen Agrarlandschaftsparks. Ein Raster aus Obstbäumen in verschiedenen Gattungen, Arten und Sorten bildet einen lichten Raum, der die Ausrichtung des primären bestehenden Felder- und Feldwegesystems aufnimmt und räumlich umsetzt. Ein sehr flexibles und vielfältiges System aus Feldern bietet ein reichhaltiges Angebot an Agrarerzeugnissen, Freizeitangeboten und Aufenthaltsqualitäten: Picknick unter Obstbaumwiesen, Erdbeer- und Blumenfelder zum selber pflücken, vermietbare Urban Farming Flächen, Energiepflanzen wie Sonnenblumen, Raps, Chinachilf, u.a., Weideflächen für Pferde, Schafe und Ziegen, Baumschulwaren und Tannenbäume zum selber schlagen, etc…das Programm für den PARK AGRICOLE ist beliebig erweiterbar und erscheint grenzenlos.

Ein Rundweg im Schatten der Obstbäume verbindet zum einen alle Felder miteinander. Zum anderen verknüpft dieser Rundweg alle angrenzenden Stadtteile mit dem Agrarlandschaftspark sowie mit dem neuen Wohnquartier Sonnenrain. Der asphaltierte Rundweg bietet zugleich eine multifunktionale Strecke für Sportarten wie Fahrradfahren, Jogging, Skaten, Inliner, Nordic Walking, etc. Entlang des Rundweges sorgen kleine überdachte Folies für wettergeschützten Aufenthalt in den Pausen. Zudem verbindet der Rundweg mehrere Sport- und Spielflächen innerhalb der Obstbaumwiesen, die das Freizeitangebot für die angrenzenden Stadtteile, insbesondere des neuen Quartiers Sonnenrain bilden bzw. ergänzen.

Die vorhandenen Flächen im Nordosten erweitern das Programm des Parks durch ökologische Ausgleichsflächen in denen z. B. Feldhecken und Magerrasenwiese extensive Bereiche für die Flora und Fauna bieten. Dieses ökologische Programm des Parks wird durch die Verbindung der vorhandenen Gewässer Bädersklingenbach, Selesäckerbach und Vogelgraben gestärkt. Die Bäche werden zu einem kreuzförmigen System zusammengeführt, dessen Kreuzungspunkt die Mitte des Agrarlandschaftsparks definiert. Entlang der Bäche wird ein Saum aus Auegehölzen entwickelt bzw. fortgeführt, der im spannenden Kontrast zur Agrarlandschaft steht.

Der vorhandene Tafelberg dient als Aussichtspunkt über die vielfältige Agrarlandschaft des PARK AGRICOLE sowie über den angrenzenden Flugplatz. Der Tafelberg wird in das Wegenetz des Parks über eine mäandrierende Wegeverbindung für Fahrradfahrer und Gehbehinderte eingebunden. Eine Himmelstreppe bietet zudem eine besondere Attraktion für den Aufstieg auf den Tafelberg. Ein Teilbereich des Tafelberges kann für Trendsportarten wie z. B. Mountainbiking oder –boarding­ freigegeben werden.

 

Erschließung

Ein Fahrradweg verbindet in Nord-Süd-Richtung Mittelhöhe in Hessental mit Kreuzäcker und wird dadurch Teil des übergeordneten Radwegenetzes. Parallel dazu wird eine Strassenverbindung an den vorhandenen Kreisel angeschlossen um diese Stadteile auch verkehrstechnisch zu vernetzen.

Durch sein vielfältiges Nutzungs- und Erlebnisangebot wird der Park zu einem beliebten Naherholungsgebiet für ganz Schwäbisch Hall und dessen Umland. Darüber hinaus kann der PARK AGRICOLE ein Ausflugsziel für Schülerklassen zu Lehrzwecken in Bezug auf eine nachhaltige Landwirtschaft werden.

 

 

 

 

 

WOHNQUARTIER SONNENRAIN

 

Entwurfsleitende Idee

Einbindung des neuen Wohnquartiers in die Prägung des Ortes mit seiner rationalen, durch die Landwirtschaft bedingten Struktur, Schaffung von gemeinschaftsbildenden Höfen mit individuellen Wohnadressen und Gewährleistung von Flexibilität durch ein stabiles Grundgerüst öffentlicher Räume sind die grundlegenden Prinzipien des städtebaulichen Konzepts.

 

Die vorhandene Struktur der Wirtschaftswege bildet das Layout sowohl für Park und Siedlung. Siedlung und Landschaft werden hierdurch zu einer Einheit verbunden. Die Orientierung an den vorhandenen strukturellen Prägungen ermöglicht darüber hinaus sowohl für den Siedlungsteil als auch für den Park einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess ohne Brücke. Potenzielle, noch unbebaute Baufelder können als Freiflächen ebenso in den Park eingebunden werden wie noch agrarisch bewirtschaftete Flächen. Somit vollzieht sich die städtebauliche Entwicklung in Form einer Metamorphose.

 

Erschließung

Die Anbindung an das äußere Erschließungsnetz erfolgt über einen Ring als zentrales Erschließungsrückgrat, an das 2 interne, ringförmige Wohnstraßen angebunden sind. Hierdurch wird eine wirtschaftliche, abschnittsweise Erschließung des Wohnquartiers gewährleistet. Über einen Verbindungsstich zum östlich angrenzenden Quartier gelingt die Verknüpfung mit dem bestehen Busnetz und damit die Anbindung an den ÖPNV. Die Haltestelle ist unmittelbar dem neue Quartiersplatz zugeordnet. Eine weitere Haltestelle ist im Verlauf der Ost-West Erschließungsachse möglich.

Das Wohnquartier wird durch ein engmaschiges Netz von gartenseitigen Fußwegen erschlossen. Diese schließen unmittelbar an das Wegesystem des Landschaftsparks an und verknüpfen Siedlung und Landschaft.

Die bestehenden, zentralen Radwegverbindungen werden in das neue Erschließungssystem unverändert integriert.

Der ruhende Verkehr ist so organisiert, dass Besucherstellplätze dem öffentlichen Straßenraum zugeordnet sind. Die privaten Stellplätze befinden sich ausschließlich auf den privaten Grundstücken. Sie sollten als Carport oder Garagen, die im Gebäude oder diesem unmittelbar zugeordnet sind, gestaltet sein.

 

Freiraumsystem

Klassische öffentliche Straßenräume, private grüne Wohnhöfe und grüne Gartenplätze, die in das System der Gartenwege eingebunden sind, prägen die Grundstruktur des Freiraumsystems. Hierdurch entsteht trotz rationaler Struktur ein abwechslungsreiches Gefüge mit ganz unterschiedlichen Freiraumtypen. Ergänzt wird dieses System durch einen Quartiersplatz, der als zentraler Ort eine kleine Mitte im Quartier erzeugt und gleichzeitig die Verbindung zum bereits bestehenden Siedlungsbereich im Osten herstellt. Durch die Einbindung des erforderlichen Lärmschutzwalls in einen landschaftlich modellierten Freiraum wird das neue Wohnquartier als Teil des neuen Landschaftsparks in diesen eingebunden und der PARK AGRICOLE präsentiert sich prominent zur Bühlertalstraße im Süden.

 

Baustruktur

Die Verteilung der einzelnen Haustypen korrespondiert mit der städtebaulichen Struktur.

Das Gemenge von freistehenden Einfamlienhäusern, Doppelhäusern und Reihenhäusern findet sich in jedem einzelnen Wohnhof wieder. Damit sind beste Voraussetzungen für eine flexible und abschnittsweise Realisierung gegeben. Vor dem Hintergrund der häufig kontroversen Debatte nach der Zulässigkeit unterschiedlicher Dachformen bietet das Konzept einzelner Höfe den Vorteil weitgehend siedlungsbildverträglich die Realisierung sowohl von Flachdachgebäuden als auch von Gebäuden mit Satteldach, sofern das Prinzip einer homogenen Dachform in jedem Einzelhof gewährleistet bleibt. Der Geschosswohnungsbau markiert im Süden durch punktuelle Stadthäuser den Abschluss des Quartiers nach Außen. Im Norden ist er zentral dem Erschließungsrückgrat zugeordnet. Damit findet sich in jedem Bauabschnitt der gewünschte Wohnungsschlüssel wieder.