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Mobilitätszentrum Bahnhof Sonthofen

Einladungswettbewerb

Ort:Sonthofen (D)

Preis:2. Preis

Datum:3-2013

Auslober:Stadt Sonthofen

Architekt:Schirmer Architekten + Stadtplaner, Würzburg

Ziel des Wettbewerbes in Sonthofen ist die Schaffung eines modernen und zeitgemäßen Mobilitätszentrums rund um den Bahnhof. Das gesamte Bahnhofsumfeld soll neugeordnet und gestalterisch aufgewertet werden. Dabei soll eine zentrale Verkehrsdrehscheibe aus Bahn, Bus, Pkw, Taxi, Fahrrad und Fußverkehr entstehen.

Situation

In den letzten Jahren fanden im Umfeld des Bahnhofes der Stadt Sonthofen strukturelle Veränderungen statt. Einige Grundstücke liegen brach, wie z.B. der Güterbahnhof der DB AG.  Andere Grundstücke wurden verkauft oder warten auf eine Nachnutzung, z.B. Flächen und Gebäude der Post, die diese nur noch teilweise nutzt. Das Gelände rund um den Bahnhof befindet sich in einer Umbruchsituation. Das Bahnhofsgebäude ist bereits saniert und dadurch aufgewertet worden.

Der Bahnhofsplatz beschränkt sich derzeit auf eine rein funktionale Verkehrsnutzung wie Parken, Busverkehr und Taxistand. Für Fußgänger und Radfahrer sind derzeit keine ausreichenden Verkehrsflächen vorhanden. Die unterschiedlichen Verkehrsfunktionen stehen außerdem im räumlichen Konflikt zueinander. Eine fußläufige Verbindung in die Innenstadt ist gegenwärtig nicht ablesbar. Die derzeitige Gestaltung des Bahnhofsumfeldes ist nicht repräsentativ und entspricht nicht mehr den derzeitigen Bedürfnissen der Stadt Sonthofen. Mithilfe des Wettbewerbsbeitrages soll in der Zukunft eine koordinierte und qualitätsvolle Weiterentwicklung des Areals stattfinden.

KONZEPT

Übergeordnetes Konzept

Die Sicht- und Wegebeziehungen Richtung Innenstadt werden gestärkt. Ebenso wird durch die neue Bahnunterführung der Bahnhof als Trittstein zur Innenstadt mit der Iller verbunden. Das zukünftige P+R-Parken wird über die Unterführung an den Bahnhof bzw. die Innenstadt angebunden.

Städtebauliches Konzept

Die räumlich, städtebauliche Ordnung des Gesamtareals erfolgt durch raumbildendes Grün in Form von Baumfeldern und Baumlinien. Die lineare Grundordnung und städtebauliche Körnung des Bestandareals wird aufgenommen und auf die Neuplanung übertragen. Ergänzende Gebäude, Busdächer, baumüberstellte Parkplätze, Fahrradüberdachung, Biergarten und Bahnhofsvorplatz folgen der räumlichen Neuordnung.

Inhaltliches Konzept

Auf dem repräsentativen, neuen Bahnhofvorplatz wird der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt Sonthofen durch die Leinweberindustrie und den Eisenerzabbau in abstrakter Form dokumentiert.

ENTWURF

Verkehr

Der neue Busbahnhof entsteht unmittelbar neben dem Bahnsteig der Deutschen Bahn nördlich des Bahnhofsgebäudes. Entlang der vorgegebenen Sägezahnaufstellung befinden sich 10 Bushalteplätze für Regionalbusse und ein Stellplatz für den Stadtbus in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. So werden kurze Wege zwischen den unterschiedlichen Verkehrsmitteln geschaffen und die Umsteigewege minimiert.

Um eine städtebaulich abgeschlossene Figur zu erzeugen, nehmen die beiden Überdachungen der Busbahnsteige die Fluchten des Bahnhofgebäudes sowie des DB Bahnsteigs auf und ziehen sich über die gesamte Wartezone des Busbahnhofes. Die Stützenstellung passt sich den freizuhaltenden Bus- und Bahnsteigen an.

Zwischen den Stützen sind Sitzbänke sowie Fahrgastinformationen positioniert. An der Hauptzugangsseite vom Bahnhofsplatz ist gut einsehbar eine dynamische Sammelanzeige für den gesamten ZOB aufgehängt.

Eine metallisch-goldene Farbgebung erzeugt eine warme und einheitliche Wirkung. Die Dachfläche der neuen Überdachung wird mit beschichteten Stahlblechen bzw. Streckmetall gebildet. Nachts wird das Dach mittels Bodeneinbauleuchten im Bereich der Stützen effektvoll illuminiert und gewährleistet damit zudem die notwendige Funktionalbeleuchtung.

Der Busbahnhof wird aufgrund der Verkehrssicherheit ausschließlich vom Busverkehr und in Einbahnverkehr befahren. Nördlich der Eichendorffstraße 3 befindet sich die Zufahrt zum Busbahnhof. Die Ausfahrt erfolgt südlich der Eichendorffstraße 1a. Begegnungsverkehr findet ausschließlich unmittelbar bei der Zufahrt  mit die Gewerbeflächen verlassenden LKWs/PKWs statt. Im Süden findet kein Begegnungsverkehr statt.  

Die Materialität der Fahrbahngassen orientiert sich an der Funktionalität in Kombination mit der Gestaltungsästhetik.  2,5m x 5m große Ortbetonflächen gewähren eine dauerhafte Materialität mit guter Befahrbarkeit für die Busse und bilden zudem eine ruhige, ästhetische Belagsfläche.

Östlich vom Busbahnhof befindet sich der Kurzzeitparkplatz mit 42 PKW-Stellplätzen. Davon sind 6 E-Mobilstellplätze sowie 1 - 2 Behindertenstellplätze. Die Zu- und Ausfahrt zum Parkplatz erfolgt südlich der Gewerbeflächen Eichendorffstraße 1a. Der Parksuchverkehr findet in Einbahnrichtung statt. Der Parkplatzbelag aus Asphalt hebt sich bewusst als Intarsie vom angrenzenden Betonplattenbelag ab. Die Stellplätze werden durch Heckenbänder aus immergrüner Eibe gegliedert und aufgelockert und sind mit Baumreihen überstellt. Es entsteht ein grüner Parkplatz.

Die Taxiwartespur für mindestens 12 Fahrzeuge befindet sich zwischen Busbahnhof und Parkplatz und wird von einer Hecke vom Busbahnhof funktional getrennt. Die Taxen fahren auf Abruf vor und nehmen ihre Passagiere am nördlichen Rand des Bahnhofplatzes auf. 

Südlich des Bahnhofsplatzes befindet sich ein weiterer Stellplatz für ca. 11 Car-Sharing-Fahrzeuge als auch 9 Stellplätze für das ehemalige Postgebäude. Zusätzlich befinden sich dort 2 Behindertenstellplätze. Auch auf diesem Parkplatz werden jeweils nach 2 Stellplätze Eibenhecken zur Auflockerung des Parkplatzes gepflanzt und mit Bäumen überstellt. Zu- und Ausfahrt erfolgt über die Eichendorffstraße.

Die ca. 150 Fahrradstellplätze und 12 Motorradunterstellplätze werden nördlich der neuen Bahnunterführung angeboten. Die Bestandsbäume werden in die Überdachung integriert. Fahrradstellplätze befinden sich somit in unmittelbarer Nähe zu den Gleisen.

Der neue Biergarten grenzt nach wie vor südlich an das Bahnhofsgebäude und wird von einer Hecke gerahmt. Die Bestandsbäume werden in die Außengastronomiefläche integriert und spenden den Gästen Schatten.

Bahnhofsplatz

Der neue Bahnhofsplatz wird ein verkehrsfreier Platz mit hoher Aufenthaltsqualität. Aus Richtung Innenstadt erblickt man schon von weitem das Bahnhofsgebäude, welches von geschnittenen Baumreihen gerahmt wird. Die Sicht- und Wegebeziehungen auf den Haupteingang des Bahnhofs werden dadurch gestärkt.

Der Belag spiegelt eine der bedeutenden Erwerbsquellen der Stadt Sonthofen in der Vergangenheit wieder. Der Flachsanbau und die Herstellung von Leinwänden wird auf das Verlegemuster des Belages übertragen. Der Belag besteht aus schmalen, sandfarbenen Natursteinbändern, die zudem einen Dialog mit dem Portal und den Stirnseiten des angrenzenden Bahnhofsgebäudes eingehen. Das Verlegemuster des Platzes erinnert an die Webstruktur von Leinen. Der „Leinteppich“ liegt niveaugleich wie eine Intarsie mit dem angrenzenden Belag in der Platzmitte. Unterhalb der Bäume entsteht eine hohe Aufenthaltsqualität. Hochbeete aus Stahl mit Holzauflagen laden zum Verweilen ein. Die Materialität der Hochbeete bezieht sich auf die zweite Erwerbsquelle der Vergangenheit, die zusammen mit dem Flachs auf dem Wappen der Stadt Sonthofen zu finden ist. In den Hochbeeten werden, in Anlehnung an den Flachsanbau, Flachspflanzen mit unterschiedlichen Blütenfarben gepflanzt. Entlang der Platzkante vor dem Bahnhofsgebäude stehen Mastleuchten, die den Platz ausleuchten. Das Bahnhofsgebäude wird mit Hilfe von Bodeneinbauleuchten illuminiert.

Gestaltungsbereich Bahnhofstraße (Ideenteil)

Die Bahnhofstraße wird städtebaulich attraktiviert und als Verbindungsachse zwischen Bahnhof und Innenstadt gestärkt. Der Straßenraum wird auf zwei Fahrbahnen verschmälert und durch einen 2m breiten Längsparkstreifen sowie einen Fuß- und Radweg ergänzt. Insbesondere auf der Nordseite der Bahnhofstrasse entsteht durch die neue Zonierung ein attraktiver, breiter Boulevard als Verbindung zur Innenstadt. Der Straßenraum wird zu einem verkehrsberuhigten Geschäftsbereich mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf max. 30 km/h. Die Längsstellplätze werden  von einer Baumreihe überstellt und bilden eine Raumkante entlang der Straße. So wird der Aufenthaltsbereich vor den Geschäften mittels Grün von der Straße abgeschirmt und die Aufenthaltsqualität erhöht. Zugleich  bildet die Baumreihe ein neues verknüpfendes Element zur Innenstadt.

Gestaltungs- und Neuordnungsbereich Gewerbeteil (Ideenteil)

Die Gewerbeflächen werden in das neue Konzept integriert und gleichzeitig mittels Hecken von den Verkehrsfunktionen des Mobilitätszentrums getrennt. Ein Erweiterungsbau westlich der Gewerbegebäude ist möglich. Die Anfahrbarkeit der Gewerbebetriebe in der Eichendorffstraße 3 und in der Eichendorffstraße 1a bleibt gewährleistet.

Gestaltungsbereich Eichendorffstraße (Ideenteil)

Die Eichendorffstraße wird ebenfalls städtebaulich aufgewertet. Die Fahrbahnbreite wird auf ca. 6m reduziert und die Straßenführung leicht begradigt. Dadurch entsteht Platz für einen Längsparkstreifen, der mit Bäumen überstellt wird. Ein neuer Fuß- und Radweg verläuft ebenfalls entlang der Straße.  Die Erschließung des Mobilitätszentrums wird gewährleistet.

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