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Allerufer

Städtebaulich-freiraumplanerischer Wettbewerb

Ort: Verden/Aller (D)

Preis: 4. Preis

Datum: 05-2009

Auslober: Stadt Verden (Aller)

Architekt: APB. Architekten, Hamburg

Allerufer

ORT - Die Stadt Verden ist durch ihre hohe Kohärenz von Stadtgrundriss und Ablesbarkeit der öffentlichen Räume geprägt. Umschlossen durch den ehemaligen Ring im Osten und das Allerufer im Westen sind die Übergänge der beiden Kernstädte Norderstadt und Süderstadt strukturell erkennbar und künden von der übergeordneten geistigen und weltlichen Bedeutung der Stadt. Das intakte Zentrum der Stadtanlage steht in räumlicher Diskrepanz zu seinen heterogenen Rändern, die von Verkehrsanlagen, Gewerbe und Brachen geprägt sind. Die Neuformung der Uferzone sowie der Bereiche der Stadtwerke und der ehemaligen Kaufhalle bietet die Möglichkeit, der Stadt ein neues Gesicht nach außen zu verleihen und Verden in seiner Funktion als regionaler Versorgungsmagnet zu stabilisieren.

WALLRING - Der ehemalige Wallring dient heute als Erschließungsstrasse um die Altstadt von Verden. Durch die alleeartige Gestaltung des Strassenraumes und eine Abfolge von Parks, Grünzügen, Plätzen und Promenaden wird die Wallanlage wieder räumlich ablesbar und die Altstadt in Wert gesetzt. Ein grüner Rahmen umschließt somit die Altstadt und verbindet die Stadt mit der Aller. Im Kontrast dazu bleiben die Strassen, Gassen und Plätze der Altstadt wie im Rahmenplan vorgesehen weitestgehend steinern und urban.

STADTENTREE NORDERTOR - Die vorgegebene Kreisellösung am Nordertor macht eine stadträumliche Neuordnung notwendig, um Verden ein attraktives Entree zu verleihen. Der Entwurf schlägt auf den von der Stadt erworbenen Flächen zwei Torgebäude vor, welche den Auftakt der Großen Strasse markieren. Die Westseite wird dabei durch ein neues Verwaltungsgebäude für die Stadtwerke längs der Strasse am Nordertor gefasst, mit Kundenzentrum und Büroflächen an einen grünen Hof. Auf der Ostseite bildet ein turmartiges Geschäftshaus den Endpunkt für den Johanniswall.
Der Mittelpunkt des Verkehrskreisels stellt sich als große Blumenblase dar, die mit einer monochromen Staudenpflanzung den Besucher der Stadt empfängt. Alternativ ist eine artifizielle Gestaltung des Kreisels denkbar.

VERDENER MARKTQUARTIER  - Auf den Flächen der Stadtwerke und der Kaufhalle entsteht ein neues Quartier für Dienstleistung und Einzelhandel. Die kleinteilige Stadtblockstruktur nimmt die Körnung der angrenzenden Bereiche auf und führt diese stadträumlich weiter. Der Norderstädter Markt wird stärker nach Westen zur Aller hin geöffnet und als Hauptbezugsraum fokussiert. Zusätzlich wird in Verlängerung der „Strasse Hinter der Mauer“ ein neuer urbaner Binnenraum eingeführt. Dieser schmale „Boulevard“ wird von 2-3-geschossigen Neubauten mit großflächigem Einzelhandel, Büros, Praxen und auch Wohnen gefasst und bildet das Herz eines intensiv bespielten Einkaufsquartiers. Der zentrale Freiraum des Boulevards wird wie die „gute Stube“ der Stadt mit einem großen Möbel besetzt. Eine baumbestandene Holzlounge lädt die Bürger zum Verweilen ein und erzeugt eine hohe Aufenthaltsqualität während der Shoppingtour durch die neuen Verdener Geschäfte. Die ansteigende Topographie am Nordertor wird in eine Folge von unterschiedlichen Platzniveaus längs der historischen Stadtmauer integriert.
Das Konzept lässt eine stufenweise Realisierung unter Berücksichtigung der öffentlichen und privaten Grundstücksverhältnisse zu. Die Tiefgarage des Stadtwerkeareals kann im Bereich der ehemaligen Markthalle erweitert werden.

FESTPLATZ UND ALLERPARK - Das Gelände zwischen Aller und westlicher Stadtgrenze der Norderstadt war ursprünglich grüner Vorstadtbereich und Teil der „Speisekammer“ der Stadt Verden. Hier lagen die Gärten mit Obst, Gemüse sowie große Blumenwiesen. Dieser Bereich ist bis heute nicht bebaut, eine klare Bebaungsgrenze ist nicht vorhanden, da sich die Stadt immer mit der Rückseite zur Aller entwickelte. Er dient derzeit als Parkplatz und Überschwemmungsgebiet. Durch die Ausbildung einer klaren Raumkante parallel zur Reeperbahn und der bestehenden grünen Böschungskante des Allerufers spannt sich der Allerpark innerhalb dieses Raumes auf. Weitläufige Wiesenflächen mit einzelnen Bäumen erinnern an die Qualität der historischen Vorstadtsituation. Unter der Baumreihe befinden sich Spielgeräte für Kinder. Eine Promenade am Wasser oberhalb der schützenswerten Ufervegetation, bildet eine attraktive Wegeverbindung parallel zur Aller. Stichwege als Verlängerung der städtischen Gassen vernetzten den Allerpark und die Promenade mit der Hauptsstrasse. Treppen, Balkone und Stege könnten in Verlängerung der Wege ans Wasser führen.
Zentraler Bestandteil dieser Vernetzung ist der neue Festplatz. Er bildet als offener, steinerner Platz das Pendant zum baumbestandenen Norderstädter Marktplatz. Als Teil des Allerparks wird an dieser Stelle ein direkter Zugang zum Wasser durch eine großzügige Treppenanlage ermöglicht. Die Allerstufen bilden den Abschluß des Festplatzes, der sich dadurch wie ein „Stadtbalkon“ zum Wasser öffnet. Die Allerstufen dienen außerdem als Anleger für Ausflugsboote. Auf der Achse Norderstädter Markt - Festplatz können künftig Stadtfeste und Veranstaltungen aller Art stattfinden. Als Erweiterung dieser Fläche kann zudem der Allerpark genutzt werden.

WOHNEN AM ALLERPARK - Im Sinne der räumlichen und funktionalen Arrondierung wird eine neue „Stadtschicht“ am Allerpark vorgeschlagen. Das Thema vom „Wohnen am Wasser“ wird hier mit dem Trend zu attraktiven zentralen Wohnlagen überlagert. Durch eine Stadthausbebauung an der Reeperbahn wird die kleinteilige Randbebauung der Fischerstadt weitergeführt, ohne die Ablesbarkeit der beiden Stadtteile zu nivellieren. Die 2-3-geschossigen Gebäude, die auf einem flutsicheren Sockel stehen, bilden einen lockeren Verband mit hoher Perforation. Kleine Gärten und sonnige Südwestterrassen auf dem Sockel erlauben einen herrlichen Blick über den Allerpark zum Wasser. Kleine Aufweitungen zwischen der neuen Bebauung erzeugen „Stadttüren“ in Querverbindung zur Fußgängerzone.

HOTEL  - Das alte Gaswerk an der Norderbrücke wird in einen attraktiven Hotelkomplex umgebaut. Die Strasse am Nordertor formuliert in ihrer neuen Fassung eine repräsentative Vorfahrt und lässt eine flutsichere Terrasse im Westen frei, welche die Promenade aktiviert. Eine Erweiterung der Erdgeschossflächen im Norden erlaubt eine großzügige Ausrichtung von Empfang und Restaurant zum Allerufer hin. Durch die teilweise Entkernung und Aufstockung des Gebäudes um 2 Geschosse entsteht eine „brückenkopfartige“ Gebäudekonfiguration mit ca. 100 Zimmern mit Blick auf die Aller.

FLUTSCHUTZ - Das Entwurfkonzept zielt auf einen Zustand, der weitgehend ohne aktiven Flutschutz auskommt. Der Bereich von Allerpark und Festplatz ist durch eine Auswahl an robusten Oberflächen und Bepflanzungen überspülbar. Wege aus eingefärbtem Asphalt, Natursteinflächen in Mörtelbett sowie Weiden, Pappeln und Erlen halten der Belastung temporärer Überflutung dauerhaft stand. Bei starker Flut wird das Wasser durch den Sockel der neuen Bebauung an der Reeperbahn gehalten. Der Uferbereich vor der Fischerstadt erhält durch leichte Geländemodulationen eine flache Böschung, die im Ernstfall durch Steckelemente ergänzt werden kann.

ERSCHLIESSUNG - Die Weiterführung der Reeperbahn bis an die Strasse „am Nordertor“ ist die bedeutsamste Verkehrsmaßnahme des Entwurfes. Sie erlaubt eine autofreie Bespielung des Uferbereiches bis an die Norderbrücke. Südlich des neuen „Stadtbalkons“ werden im Sinne der dezentralen Verlagerung der Parkplätze parallel zur Reeperbahn ca. 100 Senkrechtparker angeordnet. Der gesamte Bereich um den Norderstädter Markt wird zum „shared space“ umfunktioniert, wodurch die Frequenz von motorisiertem Individualverkehr reduziert werden kann. Die öffentliche Tiefgarage bietet ca. 350 Stellplätze. Anlieferung für die Einzelhandelsflächen und Zufahrt zur Tiefgarage erfolgt von der „Strasse am Nordertor“ sowie der weitergeführten „Reeperbahn“. Dadurch kann ein störungsfreier Betrieb sichergestellt und Parksuchverkehr im Quartier vermieden werden.