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Ehemaliges Zeughausareal Zug / Neugestaltung Stadtgarten

Offener Wettbewerb

Ort: Zug (CH)

Preis: 3. Preis

Datum: 11-2010

Auslober: Baudirektion des Kantons Zug

Durch die Umnutzung des ehemaligen Zeughauses zum Obergericht sowie als Erweiterung der benachbarten Studienbibliothek, besteht die Chance das Gelände aus dem „Dornröschenschlaf“ zu befreien und den Zuger Bürgern einen neuen Stadtgarten zu schenken. Dabei gilt es zunächst das Areal um das ehemalige Zeughaus aufzuräumen und von der vorhandenen dichten Strauch- und Krautschicht, mit den damit verbundenen Angsträumen, zu befreien. Die vorhandene Tiefgarage des Casinos und die dadurch bestehende Topographie wird integraler Bestandteil der neuen Gestaltung des Zeughausareals.

EINBINDUNG
Das ehemalige Zeughausaral ist städtebaulich und topographisch zum See ausgerichtet. Eine Kette von trittsteinartigen Freiräumen erzeugt eine physische Verbindung des neuen Stadtgartens mit dem See. Die bereits geplante Neugestaltung der Kirchenstraße wertet die Verbindung der Trittsteine Landsgemeindeplatz, Kolinplatz, Burg, Stadtgarten und der Kirche St. Michael deutlich auf. Eine weitere Verbindung zum See wird über die Zugerbergstraße mit der bestehenden Platanenreihe entlang des Zeughausareals erreicht. Der neue Stadtgarten liegt damit im Kreuzungspunkt dieser beiden Verbindungen zwischen dem See und St. Michael.  

KONZEPT
Das Freiraumkonzept besteht aus drei thematisch aufeinander aufbauenden, historischen, ortstypischen und gartenkünstlerischen Ansätzen:
1. den verschiedenen zeitgeschichtlichen Entwicklungen des Ortes.
2. der ortstypischen Gartengestaltung der Villengärten am Hang mit Ausrichtung zum See.
3. der Zuordnung des Gartens zum Haus im Sinne der (Neo)Renaissance in Form eines Parterres. Die historische Entwicklung des Ortes ist von zwei Zuständen bestimmt: Bis 1900 diente das Gelände vor der Altstadt zur Selbstversorgung der Zuger Bürger. Es gab diverse Gärten sowie eine große Wiesenflächen mit einzelnen Bäumen. Nach dem Bau des Zeughauses in der baustilistischen Zeit des Historismus, fasste ein Garten im landschaftlichen Stil drei Seiten des Baus ein. Die repräsentative Fassade des Gebäudes im Stil der italienischen Renaissance und der deutschen Gotik ist zum See gewandt und erhält einen vorgelagerten Turn- bzw. Kasernenplatz. Das Gelände ist zum See abschüssig. Die Themen Wiese und Garten haben das Gelände in der Vergangenheit in verschiedenen Bereichen begleitet und sollten daher auch die wesentlichen Freiraumtypologien des Zeughausareals bleiben. Dabei werden die Themen allerdings in eine neuen Kontext gestellt, der dem ursprünglichen Gedanken der Gartengestaltung in der Renaissance entspricht. Wie in der Renaissance üblich wird dem Zeughaus ein Garten als Erweiterung des Hauses vorgelagert. Das „Parterre“ wird in seiner formalen und räumlichen Gestaltung neu interpretiert und bildet künftig das Zentrum des neuen Stadtgartens Zug vor der repräsentativen Fassade des neuen Obergerichtes bzw. der Studienbibliothek.  

ENTWURF
Die Gestaltung des Stadtgartens Zug besteht aus einer topographisch überhöhten Wiesenfläche in welche das ehemalige Zeughaus mit einem vorgelagertem neuen Garten eingebettet ist. Die Rasenflächen werden mit einer umlaufenden Betonstufe eingefasst, die sich partiell zu einer Mauer entwickelt. Diese erhält dadurch Anschluss an die bestehende Mauer des ehemaligen Zeughauses, an die des angrenzenden Privatgrundstückes sowie an die des Parkhauses. Die erhaltenswerten Bestandsbäume werden in die Neugestaltung integriert und durch einige wenige Neupflanzungen ergänzt. Sie bilden den Raum für den neuen Garten. Mehrere Holzliegen werden auf der Wiese frei verteilt und laden die Bürger zu einer entspannenden Pause im Schatten der Bestandsbäume ein. Im historischen Kontext des Gebäudes werden die Wege des Quartiers zwischen Kirchenstrasse, Zugerbergstrasse und Stankt-Oswalds-Gasse einheitlich mit Natursteinpflaster belegt. Die Verbindung zwischen Kirchstrasse und Zugerbergstrasse wird aufgeweitet, um den Konflikt zwischen Ein- und Ausfahrenden PKW des Parkhauses zu minimieren und einen übersichtlichen, angstfreien Raum zu schaffen. Neben der einheitlichen Pflasterung verbindet eine neue, großzügige Treppenanlage neben der Parkhauseinfahrt die Stadtbibliothek mit dem neuen Stadtgarten bzw. der neuen Studienbibliothek im ehemaligen Zeughaus. Der Stadtgarten dient dabei als „Trittstein“ und willkommene Zwischenstation. Er liegt im Wesentlichen im Bereich und auf dem Niveau des derzeitigen, plateauartigen PKW – Parkplatzes. Der quadratische Garten besteht aus acht scherbenartigen Hochbeeten mit einem Rahmen aus Betonfertigteilen, die in einer wassergebundenen Decke liegen. Die Hochbeete bestehen aus einem Rasentableau, einer Sandkiste mit Kleinspielgeräten, einem Wassertisch, einer überdachten Holzlounge sowie vier unterschiedlichen Pflanzenthemen von Gräsern und Stauden. Zwischen dem Garten und dem Gebäude liegen drei Sonnenbänke.  

FUNKTION
An der Südseite des Gebäudes werden neben der Anlieferung 20 Veloplätze sowie ein Behindertenstellplatz auf der oberen Ebene des Geländes angeboten. Neben der Parkhauseinfahrt werden weitere 28 Veloplätze auf der unteren Ebene verortet. Die bestehende Tiefgarage des Casinos wird lediglich im Bereich des Gartens freigelegt und der Unterbau neu aufgebaut. Die durch den Splitt-Level der Tiefgarage entstehenden Höhensprünge und Deckenabsätze sollen an der Oberfläche nicht in Erscheinung treten. Dadurch entsteht in Teilbereichen ein Deckenaufbau von ca. 2m über der Tiefgarage. Dies ist aufgrund der Lastannahmen mit Substrat nicht möglich und auch als Wurzelraum für die Vegetation nicht notwendig. Daher wird über der Tiefgarage zunächst 1 bis 1,5m leichtes Füllmaterial aufgebracht (z. B. Glasschaumschotter), um die Deckenlast zu minimieren. 

BELEUCHTUNG
Die Wege des Zeughausareals zwischen Kirchenstrasse, Zugerbergstrasse und St. Oswald-Gasse werden mit Lichtstelen zur sicheren Beleuchtung der Fußwege und Fahrbahnen bestückt. Die Beleuchtung des Stadtgartens vor dem Zeughaus erfolgt dagegen über indirekte Beleuchtung: das Zeughaus wird über Fassadenstrahler beleuchtet, vereinzelte Bodenstrahler unter den Bäumen illuminieren ein paar der Bäume und Lichtfugen unter den Hochbeeten leuchten den Raum in den Abendstunden und nachts dezent aus.