Fußgängerzone Kleve

Neugestaltung Fußgängerzone Kleve

Auslober:Stadt Kleve
Datum:Juni 2025
Verfahren:Nichtoffener Wettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren und nachgeschaltetem Verhandlungsverfahren
Preis:3. Preis
Visualisierung:WillnerVisualisierungen

Situation

Heute stellt sich die Fußgängerzone in Kleve wie viele andere Innenstadtgestaltungen aus den 80er Jahren als autofreier Einzelhandelsbereich dar. Dabei kann Kleve mit seiner besonderen Geschichte und typischen Charakter einer niederrheinischen Mittelstadt punkten. Die Innenstadt wird von vielen unterschiedlichen Gruppen aufgesucht neben den Einkaufenden aus der Stadt und dem Umland sind sowohl Tagesgäste aus den Niederlanden als auch viele junge Menschen der ansässigen Hochschule in der Stadt. Die merkantile Innenstadtachse präsentiert sich heute als weitestgehend steinerner Bewegungsraum, der im Laufe der vergangenen 4 Jahrzehnte stark beansprucht wurde, in Teilen ergänzt und repariert wurde und insgesamt sein Potential als attraktiver Stadtraum für Menschen nicht ausschöpft. Auch wenn der Geschäftsbesatz in der Fußgängerzone im Vergleich zu anderen Kommunen noch einigermaßen vital erscheint, werden sicherlich auch hier in Zukunft die Folgen des e-commerce sichtbar werden. Daraus resultiert ein Strukturwandel, der zu mehr Wohnen und Dienstleistung in der Innenstadt führen. Die neuen Nutzergruppen haben andere Ansprüche an ihr Wohn- und Arbeitsumfeld, so dass eine Umgestaltung der Straßen zu Orten mit mehr Erlebniswert sinnvoll ist. Zudem ist mit dem Klimawandel eine stärkere Durchgrünung der dichten Kernzone notwendig, um dem heat-island Effekt entgegenzuwirken, ökologisch vielfältiger zu sein und das Naturerleben der Stadtmenschen zu stärken. Orte für den sozialen Austausch und das Miteinander aller Bevölkerungsgruppen soll in Zukunft im Vordergrund stehen, wenn die verschiedenen Zielgruppen in der Fußgängerzone von Kleve zusammenkommen.

 

Konzept

Das landschaftsarchitektonische Konzept für die Umgestaltung der Fußgängerzone in Kleve basiert auf drei grundsätzlichen Säulen. Das blau-grüne Klimaband folgt der linearen Hauptachse in der Stadt und implementiert grüne Beet-Streifen mit Stauden und Gräsern, die für Aufenthaltsqualität sorgen und den neuen Stadtbäumen eine vitale Lebensgrundlage bieten, und das Regenwasser aufnehmen und bei Starkregen zusätzlichen Retentionsraum anbieten um Abflussspitzen im Kanal zu minimieren. Die Plätze in der Fußgängerzone erhalten ihr identitätsstiftenden Brunnen und Skulpturen. Sie sollen im Kontrast zu den Baumlinien offen und frei bleiben, um Raum für Gastronomie und Veranstaltungen im städtischen Leben vorzuhalten. Die bestehenden Bäume bleiben erhalten, neue Solitärbaume können zusätzliche Akzente bilden. Die dritte Säule des Konzeptes ist eine homogene und stringente Materialverwendung. Grundsätzlich sollen die vorhandenen typischen Materialien Klinker und Granit wiederverwendet werden. Nur der brüchige Porphyr soll ausgebaut und an Orten mit weniger Belastung wiederverwendet werden. Der Grundbelag in der Fußgängerzone soll das typische Niederrheinische Klinkermaterial im Reihenverband wiederverwenden. Der eingelegte `Läufer` aus Klinker im Fischgrätverband erhält eine schmale kontrastbildende Bordüre aus Granit, in die ein taktiles Leitsystem eingefräst ist. Nur die wichtigen Platzbereiche Klostermarkt, Fischmarkt, Dr. Heinz Willi Platz und das Entree im Süden an der Hagsche Straße erhalten einen einheitlichen Belag aus Granitpflaster im Passeverband. Auch hier sollen die vorhandenen Granitsteine der Fußgängerzone wiederverwendet werden. Das Umfeld der Schwanenburg wird im Materialkanon der Burganlage weitergeführt, um den Zusammenhalt des historischen Kontextes zu stärken.

 

Entwässerung der Straßen und Gassen

Der Hauptzug der Fußgängerzone wird Regenwasser über ein Trichtergefälle in die Mitte des Querschnitts leiten. Es wird in einer schmalen Schlitzrinne, die überfahren werden kann, eingeleitet. Die Rinne ist an das Läuferband angelegt und wird sich visuell einordnen. Die Raumseiten, in denen die Tiefbeete angeordnet sind, werden einen Großteil der Wässer direkt aufnehmen und vor allem bei Starkregen auch als Retentionsraum wirken und die Abflussspitzen des Kanals minimieren. Schlitzrinnen sollen ebenfalls an die Dränsubstrate der Beete angeschlossen werden. Die Einfassung der Tiefbeete kann mit Stahlkanten ausgebildet werden Die Platzflächen mit ihrem Granitpflaster im wilden Verband werden über Punkteinläufe entwässert. Teile der Wässer können auch in Richtung der Klimakissen geschickt werden und hier in Teilen zurückgehalten werden. In den Gassen sollen offene Klinkerrinnen in der Mitte des Querschnitts die Oberflächenwässer sammeln und einleiten.

 

Materialität

Der Entwurf möchte die vorhandenen traditionellen Klinkerbeläge übernehmen und gestalterisch weiterentwickeln. Heute wirken die großen zusammenhängenden Klinkerflächen in der Innenstadt, die in einem einheitlichen Farbton verlegt sind, trist. Der Entwurf möchte durch das Einmischen verschiedenen Farbnuancen mehr Lebendigkeit in den Stadtboden einbringen. Neben dem Klinker sollen auch Granite zu Einsatz kommen die aus bestehenden Flächen entnommen werden. Die Oberflächen könnten über Schnitt und Flammung eine höhere Barrierefreiheit ermöglichen. Der Entwurf setzt die Platzflächen mit einheitlichem Teppich aus Granitpflaster in wildem Verband von den geklinkerten Bereichen ab und verleiht ihnen dadurch mehr Präsenz im Stadtraum. Der neue Dr. Heinz-Will-Platz unterhalb der Burg soll einen Granitpflasterteppich erhalten. Die Mauern und Treppen im Umfeld der Burg Rahmen die offene Burgwiese. Das Material im Umfeld der Burg soll sich an den historischen Materialien der Burg orientieren und darüber den räumlichen Zusammenhang stärken. Beleuchtung. Um die zentrale Fußgängerzone von den Seitenstraßen formal hervorzuheben, wird eine abgehängte Beleuchtung vorgeschlagen, die einen reizvollen gleichmäßigen Lichthimmel in den Querschnitt einfügt. Die kleinen Nebenstraßen und Gassen erhalten mittelhohe Mastleuchten mit gerichteten Lichtköpfen und warmen Lichtfarben. Sie sollen möglichst wenig Licht in den Himmel schicken, um Lightpolution zu verhindern. Auf den Plätzen werden höhere Mastleuchten in Gruppen spielerisch an den Rändern arrangiert und können über die verschiedenen Lichtpunkte auch Bäume, Brunnen oder historische Fassaden gezielt akzentuieren.

 

Wasser in der Stadt

Der räumliche Bezug zum angrenzenden Flusslauf und des Kooikanal wird über Wasserspiele auf den Plätzen hergestellt. Hier können die bestehenden Brunnenanlagen am Klosterplatz und Fischmarkt übernommen werden. Am südlichen Entree in die Fußgängerzone in der Hagsche Straße wird eine weitere Wasserschale ergänzt und der Dr. Heinz-Will-Platz erhält Nebeldüsen, die in verschiedenen Zeitintervallen geschaltet sind und den Platz immer wieder am Tage mit einem kühlen, mystischen Wassernebel versehen, indem das Reiterstandbild am Fuße sein Platzhaftung visuell verliert.