„Markplatz und Umfeld“, Waldbröl
| Auslober: | Markstadt Waldbröl |
| Datum: | Juni 2025 |
| Verfahren: | nichtoffener Wettbewerb mit Mehrfachbeauftragung |
| Preis: | 1. Preis |
| Visualisierung: | rendercircle |
Situation
Die Stadt Waldbröl ist ein Mittelzentrum im Oberbergischen Kreis mit einem historisch gewachsenen Stadtgrundriss, der im Laufe der Jahrzehnte nahezu erhalten geblieben ist. Sie besitzt mit dem (über-) regional bedeutsamen Vieh- und Krammarkt, der mehr als 171 Jahre auf dem Marktplatz, der Straße Am Marktplatz und der angrenzenden Hochstraße stattfindet und weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist, eine lange Tradition als Marktstadt.
Der historische Stadtkern mit seinen Gassen und kleinräumigen Platzfolgen sowie der Marktplatz als zentraler Raum prägen bis heute das wirtschaftliche und gesellschaftliche Zentrum der Stadt. Als größter zusammenhängender Platz im Innenstadtbereich bietet der Marktplatz im Rahmen des REGIONALE 2025-Projekts „Markt und Mehr, Waldbröl“ eine zentrale Chance für städtebauliche und freiraumplanerische Erneuerung. Er ist einer von vier Plätzen entlang der Hochstraße, der individuell und mit eigenen Qualitäten entwickelt werden soll. Heute wird der Marktplatz überwiegend als Parkplatz genutzt. Fehlende räumliche Fassung, aufgebrochene Platzkanten sowie ein topografischer Höhenversprung im nördlichen Bereich beeinträchtigen seine räumliche Klarheit und Aufenthaltsqualität. Die Platzränder werden überwiegend durch Verkehrsflächen und rückwärtige, städtebaulich ungeordnete Bebauungsstrukturen geprägt, wodurch eine städtebauliche Einbindung nur unzureichend vorhanden ist. Durch den Bau der neuen Multifunktionshalle bietet sich nun die Chance den Marktplatz in eine zeitgemäße Gestaltung zu überführen.
Das Ziel der Neugestaltung ist die Entwicklung eines urbanen, multifunktional nutzbaren Platzes mit hoher Aufenthaltsqualität, der unterschiedlichen Nutzungsanforderungen gerecht wird – vom täglichen Aufenthalt bis hin zu großformatigen Veranstaltungen und traditionellen Märkten. Gleichzeitig soll die Planung ökologische Potenziale aktivieren und Lösungsansätze für die klimaresiliente und naturnahe Umgestaltung des heute nahezu vollständig versiegelten Platzes aufzeigen.
Konzept
Das städtebaulich-freiraumplanerische Konzept reagiert auf die fehlenden Raumkanten, indem es mit dem Thema Außen und Innen, Dicht und Offen, Voll und Leer spielt.
Eine Abfolge aus Grün-Blau-Schwammschollen mit standortgerechten Laubbäumen fasst den Platz räumlich und schafft einen klar ablesbaren grünen Rahmen, der sich konsequent zur neuen Multifunktionshalle öffnet und einen Dialog mit dieser eingeht. Diese grünen, strukturierenden Elemente dienen nicht nur der ökologischen Aufwertung und Regenwasserrückhaltung, sondern markieren zugleich unterschiedliche Funktionsbereiche. Die locker gesetzten Baumpflanzungen aus Klimabäumen erzeugen ein angenehmes Mikroklima, bieten Schatten und tragen dazu bei, die heterogenen baulichen Platzränder optisch zu beruhigen und zu filtern.
Die zentral gelegene offene Platzfläche bleibt bewusst frei von dauerhaften Einbauten und ermöglicht so eine flexible Nutzung für den Vieh- und Krammarkt, für Feste und Veranstaltungen sowie für temporäres Parken. In der Materialwahl und Ausstattung greift der Entwurf regionale Typologien auf – insbesondere den „Bergischen Dreiklang“ – und stärkt damit die lokale Identität und die historische Tradition als Marktstadt.
Entwurf
Der neue Marktplatz von Waldbröl orientiert sich gestalterisch am „Bergischen Dreiklang“ – Schiefergrau, Weiß und Grün – den traditionellen Farben der bergischen Baukultur. Diese Farbgebung verbindet historische Identität mit zeitgemäßer Freiraumgestaltung und verleiht dem Platz einen unverwechselbaren Charakter.
Die zentrale Platzfläche wird mit schiefergrauem Betonpflaster ausgeführt. Eine Bordüre aus weiß Betonfertigteilen in der Mitte des Marktplatzes knüpft an die angrenzende multifunktionale Halle an, mit einzelne Gestaltungselemente aus weißem Beton verleiht dem Platz eine klare räumliche Fassung. Funktionale Ausstattungselemente wie Fahrradbügel, Absperrpoller und Abfallbehälter sind in dezentem Weiß (hellgrau) gehalten und fügen sich harmonisch in die Gestaltung ein. Das Grün der Bäume und Pflanzflächen komplettiert den Dreiklang und sorgt für ein angenehmes Mikroklima sowie eine hohe Aufenthaltsqualität.
Die Platzfläche öffnet sich zur multifunktionalen Halle und stellt einen großzügigen, einladenden Raum für Märkte und Feste zur Verfügung. Westlich entsteht ein Spiel- und Aufenthaltsbereich für Kinder, Jugendliche und Familien. Im Osten bildet der Bürgergarten einen grünen, offenen Begegnungsraum für Anwohner und Besucher. Hier könnte auch ein Trinkwasserbrunnen Platz finden. Die topografische Zäsur im Norden wird durch drei großzügige Stufenanlage überwunden und mit dem vorhandenen Baumbestand harmonisch verknüpft.
Vorhandene Gestaltungselemente wie der Zunftbaum oder der Stein der Städtepartnerschaft könnten ohne weiteres in die Schollen integriert werden und weiterhin zur Identifikation der Bürger mit ihrem Marktplatz beitragen.
Marktplatz
Im Zentrum des Entwurfs bildet eine markante Bordüre – als gestalterischer Dialog zum Patio der angrenzenden multifunktionalen Halle – ein prägnantes Gestaltungselement, das dem Marktplatz eine starke Identität verleiht. Diese robuste und zurückhaltende Grundfläche aus befahrbarer Betonpflaster bildet das funktionale Herz des Marktplatzes und ermöglicht die multifunktionale Nutzung – vom Wochenmarkt über den Vieh- und Krammarkt bis hin zu großen Veranstaltungen.
Namens- und zweckgebend für den Platz ist der traditionsreiche Waldbröler Vieh- und Krammarkt. Diese Besonderheit Waldbröls wird spielerisch als Gestaltungsmotiv aufgegriffen. So verweisen „Hufspuren“ als Abdrücke im Betonfertigteilen auf das „Vieh“. Eine lustige Herausforderung für Jung und Alt: Wer kann sie lesen und dem entsprechenden Tier zuordnen? Ergänzend werden die Namen der Städte und Gemeinden des Oberbergischen Kreises in die Gestaltung integriert. Sie erinnern an die historische Bedeutung des Marktplatzes als Handels- und Begegnungsort und symbolisieren gleichzeitig die gewachsene Verbundenheit innerhalb der Region. So entsteht ein lebendiger, charaktervoller Ort, der Geschichte und Gemeinschaft sichtbar macht und den Marktplatz zu einem identitätsstiftenden Treffpunkt für alle Altersgruppen werden lässt.
Bürgergarten
Der Bürgergarten bildet die grüne Oase des Marktplatzes und steht beispielhaft für klimaresiliente und naturnahe Gestaltung. Grün-Blau-Schwammschollen übernehmen hier die zentrale Funktion der Regenwasserrückhaltung und dienen als Retentionsflächen, die Niederschlagswasser aufnehmen, speichern und verzögert wieder abgeben. Der wertvolle vorhandene Baumbestand wird weitestgehend erhalten und durch neue, klimaangepasste Baumarten ergänzt, die langfristig für Schatten, Kühlung und Biodiversität sorgen.
Eine artenreiche Pflanzung aus insektenfreundlichen Gräsern und Stauden schafft Lebensräume für Tiere und trägt zur ökologischen Aufwertung des Platzes bei. Gleichzeitig entsteht ein attraktiver Aufenthaltsbereich mit bequemen Sitzgelegenheiten, der Besucher*innen zum Verweilen, Begegnen und gemeinsamen Austausch einlädt – ein grüner Treffpunkt mit hoher Aufenthaltsqualität für alle Generationen.
Markspielplatz
Zur Belebung des Marktplatzes und zur Stärkung seiner Attraktivität für alle Generationen wird im westlichen Bereich ein eigener Spiel- und Bewegungsraum geschaffen. Die Lage unter dem schattenspendenden Bestand alter Bäume bietet ideale Voraussetzungen für einen geschützten und zugleich lebendigen Spielbereich.
Der kleine Spielplatz greift mit dem Thema „Markt und Kaufmannsladen“ die Tradition des Ortes spielerisch auf. Kinder können hier in Rollen schlüpfen, handeln, tauschen und die Marktgeschichte Waldbröls auf ihre Weise erleben. Eine Sandfläche sorgt für den Fallschutz, während Sitzgelegenheiten unter den Bäumen zum Zuschauen, Ausruhen und Verweilen einladen.
Durch die Kombination aus Erhalt des wertvollen Baumbestands und der Integration von kindgerechten Spielelementen entsteht ein harmonischer, grüner Raum, der Bewegung, Spiel und Begegnung miteinander verbindet.
Erschließung
Auf Grundlage des vorliegenden Verkehrskonzepts wird die Gerberstraße künftig ausschließlich für den Lieferverkehr freigehalten und kann gestalterisch als Teil der Platzfläche bis an die Fassade des Einzelhandelsmarkts integriert werden.
Alle Bereiche, die vom motorisierten Individualverkehr freigehalten werden sollen, sind mit Pollern gesichert und bleiben für Einsatz- und Lieferfahrzeuge bedarfsweise zugänglich. Fußgänger*innen können den gesamten Platz barrierefrei und in alle Richtungen queren, sodass eine hohe Durchlässigkeit und Komfort gewährleistet sind.
Zur Förderung nachhaltiger Mobilität werden gut sichtbare und leicht zugängliche Fahrradstellplätze (34 Stk, dezentral geplant) vorgesehen. Zudem besteht die Möglichkeit für temporäres Parken (54 Stk., zentral auf Platzfläche) im Rahmen von Märkten oder Veranstaltungen. Der Zugang zur multifunktionalen Halle erfolgt barrierefrei, sodass der Platz allen Nutzungsgruppen offensteht und inklusiv gestaltet ist.
Märkte und Veranstaltungen
Für die Durchführung der verschiedenen Veranstaltungen auf dem Platz, insbesondere für den Vieh- und Krammarkt oder das jährlich stattfindende Stadtfest, bietet die offene Platzmitte eine ideale Fläche für eine kompakte Aufstellung. Aber auch die Platzränder können weiterhin für die Aufstellung von Marktständen und Fahrgeschäften herangezogen werden, sodass der Marktplatz in Gänze belebt wird und als Auftakt in die Innenstadt mit vielen weiteren Geschäften wahrgenommen wird.