Ravensberger Spinnereipark, Bielefeld – „mit der Geschichte verwoben“
| Auslober: | Stadt Bielefeld |
| Datum: | August 2025 |
| Verfahren: | nichtoffener Wettbewerb nach RPW |
| Preis: | 1. Preis |
| Visualisierung: | willnervisualisierung |
Spinnereipark
Der Ravensberger Park spielt heute im Bielefelder Westen eine besondere Rolle. Innerhalb der Werksmauern von Europas größter Spinnerei, verbergen sich nicht nur wichtige Grünflächen, sondern auch die VHS, das Ordnungsamt, verschiedene Museen und Flächen für kulturelle Veranstaltungen, die von der besonderen Atmosphäre des Ortes profitieren. Der `Rochdale Park` und der historische Garten am Museum Huelsmann, das Umfeld der ehemaligen Werksgebäude und der Werkhof sind heute als klar definierte Raumtypen gut ablesbar. Hier können durch kleinere Maßnahmen die Orientierung, Nutzbarkeit und Funktionalität verbessert werden. In den Bereichen der Veranstaltungsflächen und des östlichen Parks sind allerdings struktureller Defizite erkennbar. Diese sollen behoben werden indem zunächst ein neues Weges System die Nachbarquartiere besser mit dem Park verbindet. Ein neues Raumbild wir durch die gezielte Pflanzung neuer Bäume und die Setzung neuer Spiel- und Sportangebote sowie die Etablierung ökologischer Rückzugsräume geschaffen. Dadurch transformiert der Entwurf den östlichen Parkbereich zu einem neuen Bürgergarten, der die historischen Parkteile und das steinerne Kulturforum mit einem zeitgemäßen attraktiven urbanen Freiraum Baustein ergänzt und einen wertvollen Beitrag im Sinne der Klimaanpassungsstrategie in Bielefeld leisten kann.
Insgesamt soll der Ravensberger Spinnereipark aus seiner historischen Genese, seiner kulturellen Präsenz und einem Anspruch an einen sozialen Begegnungsort und klimastrategischer Anpassung, zu einer zukunftsfähigen Grünanlage entwickelt werden.
Mit der Historie verwoben
Rochdale Park
Die Umgestaltung der bestehenden Freiflächen basiert auf der Spurensuche des Vergangenen. Die alte Spinnerei ist im städtischen Bewusstsein verwurzelt und sowohl als Park- und Kulturlandschaftsraum mit VHS und Museen wichtiger Impulsgeber des öffentlichen Lebens. Aus dem Bild des Gewebes sollen alle neuen Elemente und Orte im vorhandenen Park und im neuen Bürgerpark gestalterisch zusammenspielen. Ziel ist es die Vielfalt der Räume über eine gestalterische Einheitlichkeit und Sprache zusammen zu führen.
Der Entwurf möchte in den bestehenden Parks auch die kleinen Spuren auffinden und sichtbar machen. Aber auch das Wissen um Ausbeutung von Arbeiterinnen soll nördlich des Betriebsleiterwohnhauses mit einem Mahnmal öffentlich gemacht werden.
An den Zugängen in den Rochdale Park sollen die Öffnungen in der Mauer vom Efeu befreit werden und mit Licht zusätzlich inszeniert werden.
Die barocke Achse auf den Haupteingang des Werkschlosses erhält ein Inlay aus großformatigen Betonplatten mit einer Gewebestruktur. Das große Wasserbassin mit Fontaine wird von Sitzbänken gerahmt und an den Mauerresten des ehemaligen Torgebäudes entsteht ein kleiner Spindelspielplatz zum Klettern oder Verstecken.
Insgesamt soll der Park mehr Übersichtlichkeit erhalten. Das dient nicht nur der Kriminalprävention, sondern lässt auch die bestehende Mauer mehr zum Vorschein kommen. Während das Innere des Rochdale Parks mit niedrigen Rasenflächen den Blick auf die historischen Gebäude freihält, sollen die Bereiche vor der Mauer mit schattenverträglichen Gräsern und Staudenpflanzungen aufgewertet werden. Dort wo diese Bereiche größer sind, können auch kleine Pfade die Pflanzung erlebbar machen. Insgesamt werden neue Bänke an den Wegen aufgestellt, auf denen man die Szenerie im Park, den Schatten und die Ruhe genießen kann.
Kulturforum
In der Mitte der Parkanlage befindet sich das Ensemble aus Gebäuden der ehemaligen Spinnerei. Die historischen Architekturen vom imposanten Werksschloss bis hin zu den Hecheleien den kleineren Werksgebäuden bis hin zu den ehemaligen Villen und Wohnhäusern prägen den gesamten Ort und sind aus allen Blickrichtungen präsent. Die mineralische Kargheit der gepflasterten Flächen im historischen Umfeld passt wunderbar zu den neuen Museumsnutzungen. Die Atmosphäre des industriellen inspiriert die unterschiedlichsten kulturellen und künstlerischen Ebenen des Areals. Der Entwurf möchte hier nur wenig verändern. Einzig ein Feld aus spielerischen Wasserfontainen könnte den zentralen Hof ergänzen und in heißen Sommermonaten für zusätzliche Abkühlung sorgen.
Die kleine Kulturbühne hinter dem Kino Lichtwerk soll als mit Rasenfugenpflaster gestaltetet Ort z. B. für Open Air Kino bestuhlt werden. Die wenig attraktive Nordseite des Kinos mit den großen Lüftungsrohren soll hinter einem bewachsenen Vorhang aus hölzerner Treillage verschwinden. Die Konstruktion kann auch der temporären Leinwand des Kinos als Träger dienen.
Mit dem Baustein des Hechelei Gartens soll der südliche Raumabschluss des Kulturforums im Übergang zu den offenen Parkwiesen gestaltet werden. Ein Spielplatz aus regelmäßig gesetzten Stangen transportiert das Motiv der Hecheleiwerkzeuge, über die der Flachs von den Arbeitern in den Fabriken gezogen wurde und übersetzt es in einen grafisch prägnanten Erlebnisort für Kinder und Jugendliche.
Historischer Garten
Der Garten des Museum Huelsmann hat das Potential als Skulpturengarten einen zusätzlichen künstlerischen Mehrwert zu erlangen. Wir nutzen dafür einen historischen Lageplan auf dem die vorhandenen Brezelwege mit weiteren Schleifen ergänzt sind. Diese könnten als Rasenwege in höheren Blühwiesen eingemäht werden und an den Rändern des Gartens können Skulpturen und Objekte von Künstlern aufgestellt werden.
Veranstaltungswiesen
Für die großen Kulturveranstaltungen im Park werden entsprechende Flächen benötigt. Der Spagat zwischen belastbaren Oberflächen z. B. Schotterrasen auf der einen Seite und einem ästhetischen Gesamteindruck auf der anderen Seite ist ein klassischer Zielkonflikt. Allerdings sehen wir im Zusammenspiel mit den steinernen Flächen des Werksgeländes, den künstlerischen Objekten und dem informellen Wesen des Ortes keinen unauflösbaren Widerspruch. Mit einigen neuen Baumsetzungen an den Rändern, mit zusätzlichen Sitzobjekten und Wegeverbindungen kann der Ort geheilt und der Übergang in den neuen Bürgergarten harmonisch gestaltet werden indem hier das Umfeld des alten Wasserturms und der Antritt auf das Bahnviadukt stärker inszeniert werden.
Bürgergarten
Der östliche Park stellt sich heute als identitätsloser Rest-Park dar, der auf der einen Seite mit dem bestehenden Parkhaus, der Tankstelle und fehlenden Spiel- und Aufenthaltsbereichen sowie schlecht ablesbaren Entrees nicht gut funktioniert. Allerdings haben der mächtige Baumbestand, das skurrile, aber interessante Bahnviadukt über die große Senke, die vielen historischen Gebäude im Umfeld des Museums sowie die Nähe zu den berufsbildenden Schulen im Osten großes Potential einen vielfältigen zeitgemäßen klimaangepassten Park zu kreieren, der als sozialer Begegnungsraum für alle Generationen, als Bürgergarten der Zukunft den Spinnereipark im Osten neu definiert. Der Retentionsteich spielt im Park in Zukunft eine große Rolle. Er kann Oberflächenwässer aufnehmen und zurückhalten, produziert Verdunstungskälte und ist Lebensraum für Flora und Fauna der Stadtnatur. Die Brücke soll saniert werden und als Steg über den Teich neue Perspektiven ermöglichen. Im Umfeld des Gewässers sollen Blühwiesen einen ökologischen Beitrag leisten und auf den weiten Spiel- und Sportwiesen der Übergang zum Schulareal im Osten formuliert werden. Ein Spiel- und Sportgewebe soll mit Matsch- und Wasserspiel, Parkouring und Kletterarealen für Kinder und Jugendliche ein differenziertes Angebot vorhalten.